Anna Dress 1/n

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Noch ein neues Kleid. Ein bisschen davon war schon unter dem Frühlingsjäckchen zu sehen:

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Das Anna Dress von By Hand London. Wie auch bei Elisalex gibt es viele Fans dieses Schnittes, aber auch viele, die an ihm verzweifelt sind. Ich bin ganz klar Fan. Ich konnte das Kleid in Größe 10 zuschneiden. Das war schon ungewohnt. Und dann passte es auf Anhieb wie angegossen. Toll. Ich habe lediglich das Oberteil um Fingerbreit verlängert. Das mache ich so gut wie immer. Und das war’s. Wobei man klar sagen muss: ich trage BHs mit D-Cup und habe sehr schmale Schultern und ein breites Becken. Wenn mir ein Schnitt ohne Änderungen passt, ist das eher seltsam.
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Der Schnitt ist nicht ganz billig, aber auch wirklich liebevoll verpackt und designt, das Booklet ist gut geschrieben, die Anleitung einwandfrei. Ich bin sehr zufrieden.

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Die zugesteppten Falten sind eine hübsche Abwechslung zu Abnähern, die angeschnittenen Ärmel sind wirklich nett und gut zu verarbeiten.
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Nicht zufrieden bin ich mit meiner Stoffwahl. Der Stoff ist eim Quilting Cotton von Buttinette und ich liebe das Muster wirklich sehr. Leider knittert er wirklich extrem, so dass das Kleid praktisch 5 Minuten nach dem Bügeln schon wieder ungebügelt aussieht. Da es aber auch nur der tragbare Versuch war, sehe ich darüber hinweg und schneide einfach noch eins zu. Dann werde ich allerdings das Rockteil durch einen halben Teller ersetzen, denn diese vielen Bahnen erscheinen mir überflüssig. Außerdem werde ich das Oberteil füttern, denke ich.
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Aber sonst? Perfekt.

Von der mühsamen Wahrung der Scheinanonymität

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Wie ja im Allgemeinen nicht zu übersehen ist, blogge ich, ohne mein Gesicht zu zeigen. Auch mit der Nennung meines Vornamens bin ich zurückhaltend, wenn auch inkonsequent. Das hat verschiedene Gründe, die ich z.T. schon hier einmal in Worte fasste. Es gibt sicher weitere, über das berufliche hinausgehende. Ich bin um die Privatsphäre meiner Familie bedacht, ich möchte entscheiden können, wem ich im beruflichen wie privaten Kontext wie viel von meinen nerdigen Hobbies offenbare. Auch: ich möchte nicht so gut und einfach als Datensatz zu Geld machbar sein. Und natürlich ist die Informationsasymmetrie zwischen mir und der weiten nicht begrenzten Masse von Menschen, die potenziell vollkommen anonym mein Blog lesen immens, was wenn man den Gedanken eine Zeit lang im Kopf von rechts nach links schiebt, ein wenig beängstigend sein kann. Ich habe deshalb auch sehr viel Verständnis für alle anderen, die sich bemühen eine gewisse Grenze zwischen Real Life und Blog einzuhalten, wo auch immer jede* persönlich diese Grenze zieht. Es ist in meinen Augen eine sehr persönliche Entscheidung, wieviel Gesicht, Wohnung, Namen, Umfeld, Stadt, Beruf, … eine Bloggerin preisgeben möchte und das gehört einfach akzeptiert. Jede wird gute Gründe haben.

Das Problem bzw. eher die Schwierigkeit ist, sich der Wahrung der Privatsphäre bewusst zu bleiben, wenn die Anonymität selektiv schwindet. Wann immer ich Bloggerinnen persönlich getroffen habe, fiel es mir danach schwer, sie in ihren Blogs nicht mit ihren echten Namen anzusprechen. Nicht mit anderen im persönlichen Gespräch unbedacht den Klarnamen einer dritten fallen zu lassen. Wir Nähnerds unter uns sind eben doch eine eingeschworene kleine Gemeinschaft, ich kenne inzwischen eine ganze Reihe der nähnerds persönlich, zu anderen hatte ich zumindest schon sehr viel Mailkontakt, so dass es sich so anfühlt als kenne ich sie persönlich. Da liegt es nahe, dass eine hin und wieder vergisst, dass Blogs und Twitter öffentliche Räume sind. Dass neben den vielen bekannten virtuellen Freundinnen auch vollkommen fremde in unseren Wohnzimmern ein und aus gehen.

Besonders deutlich ist dies für mich im Rahmen der Aktion Stoffwechsel geworden. Die Stoffwechslerinnen wurden untereinander schnell zu einer eingeschworenen Gemeinschaft. Per Mail und auf Twitter wurde mitgefiebert und gerätselt, Pakete mit Spannung verfolgt, Pläne geschmiedet und Ratschläge ausgetauscht. Gerade ich, als Organisatorin, fühlte mich allen anderen ganz nah und verbunden. Und so ging es nicht nur mir so, dass mal ein Klarnamen in einen Kommentar oder Post rutschte. Das Vertraulichkeitsniveau war einfach höher als die Bloganonymität zulässt.

Letztlich liegt, zumindest für mich, ja im persönlichen Austausch, im Kontakt, in dieser Verbundenheit der Reiz beim Bloggen insbesondere beim nähbloggen. Die Highlights sind, wenn das rein virtuelle greifbar wird. Wenn auf einmal aus dem Internet ein Stoffpaket zu mir nach Hause kommt. Wenn eine Bloggerin, die ich nur nebulös kannte persönlich vor mir steht. Wenn aus einem virtuellen Nähkränzchen ein tatsächliches wird.

Und dennoch. All diese wundervollen Erfahrungen, der ganze viele Nähnerdflausch, sollte mich, uns, nicht den Respekt vor der persönlichen Privatsphäre-Grenze anderer Bloggerinnen verlieren lassen. Ich versuche, wieder bewusster darauf zu achten.

*Ich verwende das generische Femininum, Männer sind selbstverständlich mitgemeint.

Das Frühlingsjäckchen

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Ähem, ja. Also irgendwann im frühen Frühjahr, als ich noch in Elternzeit und etwas leichtsinnig war, verkündete ich vollmundig, ein Frühlingsjäckchen stricken zu wollen. Mit nur ca 4 Monaten Verspätung ist es nun fertig. Da aber ja jetzt auch schon der Herbst da ist, passt das ja dann jetzt auch irgendwie wieder und etwa ein halbes Jahr Fertigungsdauer ist für mich auch gar nicht so unnormal.

Hier ist es nun, mein Ganzjahresjäckchen.
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Immerhin muss ich es jetzt sehr ausführlich dokumentieren, denn ich strickte teils nach Anleitung, teils nach Schlampenmethode und notierte (bis auf die Ärmel, ich Schaf) brav, was ich tat. Dann hatten unfertiges Jäckchen, Notizen und Wolle im Fahrradkorb ein unschönes Zusammentreffen mit einer sehr reifen Kiwi. So mussten Jäckchen und Wolle vor der Zeit gewaschen werden, und die Notizen sind nun in einem Zustand, in dem ich sie nicht mehr allzu gern aufbewahren möchte. Daher jetzt unten die Deluxe-Dokumentation für komplette Reproduktion. (Wobei man die Abkürzungen englischer Strickanleitungen kenne sollte und ein bisschen mitdenken muss, was die Anpassung des Musters bei Zu- und Abnahmen anbelangt)
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Als Anleitung diente mir der Peacock-Cardigan (frei bei ravelry), allerdings habe ich eine komplett andere Form gestrickt und eigentlich nur Maschenzahl und Muster aus der Anleitung entnommen.
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Die Form habe ich, nach der Schlampenmethode, von meinem geliebten Punktjäckchen übernommen. Ich habe beide Vorderteile und das Rückenteil gemeinsam gestrickt, so konnte ich fortlaufend die Passform kontrollieren, außerdem habe ich sonst immer das Problem, dass ich das zweite Vorderteil nie beende.
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Ich bin leider sehr unzufrieden mit den Puffärmeln. Der Vorbild-Cardi hat Puffärmel und so habe ich diesem auch welche verpasst. Ich habe die Ärmel mittels verkürzten Reihen angestrickt, das klappt für mich am besten. Um die Puffärmel zu machen habe ich dabei in der oberen Hälfte statt nach dem Muster 2 aufnehmen 1 überspringen Maschen aufzunehmen, aus jeder Reihe eine Masche aufgenommen. Das Ergebnis ist ein Puffärmel. Leider ist es mir nun aus der dicken Wolle zu viel Ärmel. Ich schätze ich werde die Ärmel nochmal ribbeln und glatte längere Ärmel arbeiten. Hmpf.

Ansonsten bin ich aber sehr angetan. Passt gut, das Muster ist Zucker, die Wolle ein Traum, schön warm hält es auch. Dass es das ganze Jahr gebraucht wird, konnte es in diesem herbstlichen August schon unter Beweis stellen. Ich trage es hier übrigens über meinem neuen, noch unverbloggten Anna Dress, das auch ziemlich gut ist.

Gestrickt habe ich aus Drops Merino extra fine, weil ich eher lose stricke mit kleinerer Nadel als angegeben. Die Knöpfe sind vin Nadel und Faden in Winterberg, ein wunderbares Geschäft, dem ich noch einen gesonderten Post widmen muss.
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Hier nun die Details für mein Jäckchen in Gr. 38

Anschlag: 152 Maschen
Bündchen mit Nadelstärke 3: 2 rechts verschränkt 2 links bis zu einer Höhe von 12 cm.

Dann Wechsel auf Nadelstärke 3,5 und Beginn des Pfauenschwanz-Musters. Zunächst Maschenmarkierer für die “Seitennähte” setzen und 4 Vorbereitungsreihen glatt rechts stricken:

Reihe 1: k40 pm k72 pm k40
R2: p all
R3: k all
R4: p all

R5: k10 m1 k10 m1 k10 m1 k10 sm k10 m1 k10 m1 k10 m1 k10 m1 k10 m1 k10 m1 k12 sm k10 m1 k10 m1 k10 m1 k10
R6: p all
++Mustersatz++
Fan stitch rows:
R7: k7 k2 *make fan k6* repeat until 10 sts before marker k10 sm k10 k2 *make fan k6* repeat until 7 sts before marker k7 sm k10 k2 *make fan k6* repeat until 7 sts remain k7
R8: p7 *p2tog p1 p2tog p1 p2tog p5* repeat until 9 sts before marker p9 sm p12 *p2tog p1 p2tog p1 p2tog p5* repeat until 6 sts before marker p6 sm p12 *p2tog p1 p2tog p1 p2tog p5* repeat until 6 sts remain p6.

R9-12: 4 Reihen glatt rechts stricken

Fan stitch rows:
R13: k2, k3 *make fan k6* rep until 4 sts bef marker k4 sm k3, k4 *mfan k6* until 7 sts bef marker k7 sm k7 *mfan k6* until 2 sts remain k2
R14: vom Prinzip wie R8

R15: (increase row) k until 2 sts before marker, m1, k2 sm k2 m1 k until 2 sts bef marker m1 k2 sm k2 m1 k until end
R16: p
R17: k
R18: p
+++ Mustersatz zuende

Es folgen 2 weitere Mustersätze mit jeweils increase rows nach den Fan Stitch rows.

Danach:
Fan Stitch rows
In der Rückreihe das Gestrick an den Seitennähten teilen und auf 3 Nadeln (2 Vorderteile, 1 Rückenteil) verteilen.

Nun werden die Teile einzeln weiter gestrickt.

Linkes Vorderteil:
(Beginnt mit einer Rechtsreihe)
k1 ssk k to end
BO 5 sts p to end
k1 ssk k to end
BO 2 sts p to end
k1 ssk Fan stitch pattern, Hinreihe
BO 2 sts Fan stitch pattern, Rückreihe
[k1 ssk k to end
p1 p2tog p to end]
Repeat [ ]
k1 ssk *make fan k6* repeat ** once make fan k4
p2 p2tog *p2tog p1 p2tog p1 p2tog p5* repeat ** once, p2tog p1 p2tog p1 p2tog p1
Repeat [ ] 2 times
k1 ssk k2 make fan k6 make fan k6
p2 p2tog p2 p2tog p1 p2tog p1 p2tog p5 p2tog p1 p2tog p1 p2tog p3
Repeat [ ] 2 times
k1 ssk k4 make fan k9
p9 p2tog p1 p2tog p1 p2tog p5
*k1 ssk k to end
p all*
Repeat * * 1 time
k1 ssk work fan stitch row
work 2nd fan stitch row -> 16 Maschen = Schulterbreite
* k all
p all*
Repeat * * 2 times

Schulterschräge
k until 4 sts remain, wenden
p
k until 8 sts remain, wenden
p
k until 12 sts remain, wenden
p

Place on holder

Beim linken Vorderteil werden die Abnahmen für Hals- und Armausschnitt jeweils beide in der Rechtsreihe durchgeführt, d.h. man beginnt die erste Rechtsreihe von der Armlochseite wie folgt:
BO 5 sts k to 3 sts before end k2tog k1
p all
BO 5 sts k to 3sts before end k2tog k1
p all
Im folgenden seitenverkehrt zum rechten Vorderteil weitermachen.

Das Rückteil hat jeweils Abkettungen für das Armloch zu Beginn jeder Reihe, danach werden die Abnahmen jeweils am Anfang und am Ende der Rechtsreihe gestrickt, und zwar am anfang der Reihe als ssk und am Ende als k2tog.

Nun wird wiederum wie bei den Vorderteilen hochgestrickt allerdings wird 2 Reihen vor der Schulterschräge wie folgt gearbeitet:

k16, BO sts until 16 remain, k16
Dann wird zurück p gearbeitet und dann folgt die Schulterschrägung.
Es sind nun jeweils am Vorder-und Rückteil 16 Maschen Schulterbreite, diese kann man entweder direkt zusammenstricken oder per Maschenstich vernähen.

Für die Puffärmel habe ich etwa 4 Finger breit rechts und links der Schulternaht Maschen aufgenommen und zwar jede Reihe eine (für normale Ärmel nach dem Muster 2 aufnehmen 1 überspringen Maschen aufnehmen) .

Die Ärmel werden glatt rechts gestrickt, da sonst wegen des Arbeitens von oben nach unten die Pfauenschwänze Kopf stünden.

Also die erste Reihe rechts abstricken, wenden, die zweite Reihelinks stricken und am Ende eine Masche aus dem Armloch aufnehmen.

In der Rechtsreihe einmalig 8 Maschen gleichmäßig verteilt aufnehmen, am Ende eine Masche aus dem Armloch aufnehmen.

Weiter fortfahren, am Ende jeder Reihe eine weitere Masche aufnehmen.

Wenn man an die untere Schräge des Armlochs kommt, auf der Oberseite des Ärmels beginnen jeweils in der Rechtsreihe zwei Maschen abzunehmen, am besten etwas versetzt zur Schulternaht.

Die letzten 4 Fingerbreit (also 2 rechts und links der Seitennaht) Maschen werden wiederum gemeinsam aufgenommen und abgestrickt.

Nun die Mehrweite des Puffärmels abnehmen. Und zwar in jeder zweiten Reihe 5 Maschen im oberen Ärmelbereich regelmäßig verteilt, bis man noch 70 Maschen hat.

Ab dann wird jede 4. Reihe eine Masche an der Unterseite und eine an der Oberseite des Ärmels abgenommen, bis 56 Maschen verbleiben.

Bis Ellbogenlänge weiterstricken. Ein 4 cm breites Bündchen arbeiten, abketten.

Für die Blende rund um Maschen aufnehmen nach dem Prinzip 2 aufnehmen, 1 überspringen. 4 Reihen im Bündchenmuster stricken. Auf der einen Seite 5 Knopflöcher arbeiten. Weitere 5 Reihen im Bündchenmusterarbeiten, abketten.

Das war’s. Puh.

Ein Hauch von 50ies

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Weil ich in letzter Zeit nicht viel Zeit zum bloggen hatte, hab ich einen kleinen Vorrat an nicht gezeigtem. So auch dieses Outfit, das aus ausschließlich selbst genähtem und recht neuem besteht:

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Der Rock ist schon vor Monaten in meinem Kopfkleiderschrank eingezogen, mit der Umsetzung hat es dann doch etwas gedauert, obwohl er echt schnell genäht war. Der gepunktete Stoff ist ein durchsichtiger Vollplastik-Gardinenstoff von sehr bescheidener Qualität. Ich sah ihn im Vorbeigehen im abgehalfterten Gardinenladen in unserem Stadtteil neben dem Marktplatz. Das Geschäft ist offenbar ein Traditionshaus, ich habe dort allerdings noch nie einen anderen Kunden angetroffen. Zum Verkauf stehen ausschließlich recht oma-esque Gardinen und eben auch Gardinenstoffe. Oft gibt es Reststücke im Angebot für 1,-Euro/m. So war es auch mit diesem. Auf der Rolle waren noch etwas über 2m, die wanderten für 2 Euro in meine Markttasche und wurden im Kopf sofort zu einem Tellerrock. Nun, da es erst anderes zu nähen gab, dauerte es dann wiederum, bis der Sommer fast vorbei war. Aber dann fasste ich mir ein Herz und stellte mich dem Plastikmonster.

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Der Schnitt ist selbst erstellt nach dieser Maßtabelle. Ich verwende stets den schönen breiten Bund von Simplicity 2451 bei selbst gezeichneten Röcken, so auch hier. Ich habe den Rock, da der Oberstoff ja transparent ist, komplett mit weißem Batist gedoppelt verarbeitet. Der Bund ist nur aus dem weißen Stoff, da der Gardinenstoff unter Belastung sofort an den Nähten reißt. Dadurch ist der Rock auch sicher nicht für die Ewigkeit gemacht, aber ich habe noch genug Stoff, um ihn einfach zu replizieren. Denn ich liebe ihn. Seit er fertig ist, wohne ich quasi darin. Gesäumt sind beide Stofflagen getrennt mit Overlock-Rollsaum.

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Das Oberteil ist auch selbst genäht und das ist eigentlich die Errungenschaft an diesem Ensemble, denn es ist das erste gut gelungene Shirt, das ich je genäht habe. Der Schnitt ist das Plantain-Top von Deer&Doe, das es als freien Download im Shop gibt. Ich habe die A-Linie reduziert und die Schulterbreite wesentlich reduziert, ansonsten ist der Schnitt sehr gelungen, finde ich. Ich habe ihn in Gr. 38 mit der Armlochpartie von Gr. 34 zugeschnitten und er passt so ohne weitere Änderungen hervorragend. Den Halsausschnitt habe ich offenkantig verarbeitet. Nachdem meine Kaufshirts nach mindestens 2,5 Jahren im Dauereinsatz nun nach und nach Auflösungserscheinungen entwickeln und ich nicht vorhabe, neue zu kaufen, wurde es dringend Zeit, dass ich an der Front einen guten Schnitt auftue. Ich bin mit diesem Shirt sehr zufrieden, das Material ist mitteldicker Baumwoll-Elastik-Jersey, dessen Quelle mir leider entfallen ist. Das ist ärgerlich, denn er ist perfekt für den Schnitt und trägt sich sehr angenehm.

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Und unterm Rock? Steckt noch ein Petticoat.

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Ich besaß schon länger einen eher günstigen Rockabilly-Petticoat aus ziemlich steifem kratzigen Tüll in einfacher Lage aber 3 Stufen. Der Saumumfang der unteren Stufe war 16 Meter, die darüber 8, die darüber 4. Das ist wirklich viel Tüll. Soviel, dass das Petticoat nur unter volle Teller passte und mir im Alltag deutlich zu bauschig war. Vor kurzem habe ich mir also ein Herz gefasst und einen operativen Eingriff vorgenommen.

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Ich habe den Bund von der oberen Stufe und die obere von der zweiten Stufe abgeschnitten und dann den Umfang wesentlich reduziert und die Stufen wieder zusammengesetzt. Nun hat die obere Stufe noch 1,5m, dir zweite 3,5m und die untere, die ich mit der zweiten zusammen gekürzt habe, 7 m. So ist das ganze erheblich weniger bauschig und macht sich sehr gut. Ich trage das Petticoat nun mit Begeisterung im Alltag und fantasiere schon von weiteren.

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Ein bisschen doof ist, dass der Tüll so kratzig ist, das ist beim sitzen auf Dauer mit nackten Beinen unangenehm. Ich hätte ja jetzt noch einige Meter in schmalen Bahnen, aber ich werde mir für einen weiteren in schwarz oder blau wohl trotzdem weicheren besorgen. Und dann hätte ich auch noch gern einen doppelten Tüll-Teller a la Catherine, dafür wäre dieses steife Zeug wohl gut, aber ich müsste mir erst aus den Bahnen eine Stoffbreite zusammenstückeln… Auch doof.

Insgesamt aber ein vollkommener Näherfolg, alle 3 Teile.

Mangold-Kartoffel-Pfanne

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Vor einigen Wochen hatten wir eine kleine Mangoldschwemme. Jede Woche war Mangold in der Gemüsekiste und mir fiel schon kau, was ein, was ich damit machen könnte, vor allem, das der Mann Mangold gegenüber eher kritisch eingestellt ist. Ich fragte also mal auf twitter nach weiteren Ideen und Lotti empfahl mir dieses Rezept.

Das schmeckte mir ganz gut, dem Mann immerhin akzeptabel und wurde von mir daher weiterentwickelt. Sein derzeitiger Entwicklungsstand ist nun dieser: Kartoffel-Mangold-Tomaten-Rahm-Gemüse mit Parmesan.

Für 2:

6-8 Stiele Mangold
1 große Zwiebel
4-5 Kartoffeln
2 Zehen Knoblauch
2 feste Tomaten (Roma, Fleisch, ..)
1 Schuss Schlagsahne oder Sojacreme
Olivenöl, Salz, Pfeffer, Parmesan

Eine Pfanne mit Olivenöl aufstellen.

Den Mangold waschen und weißes und grünes voneinander trennen. Die weißen Stiele fein würfeln, die Zwiebel würfeln, den Knoblauch hacken, die Kartoffeln in grobe Würfel schneiden, alles zusammen in die Pfanne geben und bei mittlerer Hitze leicht anbraten, oft wenden.

Die Blätter in Streifen schneiden. Nach ca 10 Minuten in die Pfanne dazu geben, mit Salz und Pfeffer würzen. EinenDeckel drauf und langsam gar ziehen lassen.

Die Tomaten fein würfeln, in die Pfanne geben, weiter köcheln.

Wenn die Kartoffeln gar sind, einen Schuss Sahne untermengen.

Mit Parmesan bestreut servieren.

Isst der Minimensch (noch) auch und der Mann immerhin mit nur wenig Protest.

Gedanken zur Weltstillwoche

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Hui, es regnet Mutter-Content hier gerade. Ist aber Zufall. Ich dachte schon länger darüber nach, mal was über’s stillen zu schreiben, und jetzt kam halt die Weltstillwoche als Anlass des Weges.

Mit dem Stillen ist es so, wie mit fast allen anderen Dingen, die das Elternsein betreffen: Absolut jeder scheint dazu eine unverrückbare Meinung zu haben, diese auch ungefragt mitteilen zu wollen und das Spektrum der Meinung geht von reinweiß bis rabenschwarz. Außerdem haben alle recht und alle anderen sind Extremisten. Ich möchte daher gern mal was unpathetisch-undogmatisches beitragen. Diese ganze Dogmatisierung von Elternschaft geht mir nämlich furchtbar auf den Zeiger.

Ich hatte nie ernsthaft erwogen nicht zu stillen. Ich kannte nur gestillte Kinder, das Stillen wird gemeinhin von jedem mit dem man in der Schwangerschaft redet empfohlen, die WHO findet es auch gut. Ich will diese Diskussion hier auch gar nicht aufmachen, es erscheint mir einigermaßen medizinisch gesichert, dass Muttermilch die beste Nahrung für ein Baby ist, allerdings halte ich Flaschennahrung keinesfalls für Teufelszeug, wie man ja erheblich vielen einschlägigen Blogs und Websites entnehmen kann. Ich verurteile niemand, der sich gegen das Stillen entscheidet. Ganz im Gegenteil kann ich die Entscheidung durchaus nachvollziehen. Ich ging dennoch in der Schwangerschaft selbstverständlich davon aus zu stillen, hatte mir aber auch wenig Gedanken über wie lang und wie abstillen und andere praktische Erwägungen gemacht. Ich hatte natürlich viel gelesen, welche Erstschwangere tut das nicht? Und man liest viel darüber wie toll und besonders und erfüllend das stillen ist.

Nun, als der Minimensch zu früh und viel zu klein und leicht zur Welt kam, war von toller erfüllender Stillromantik zunächst mal wenig zu spüren. Er musste erstmal Flaschennahrung kriegen, da führte kein Weg dran vorbei und er war dann auch so schwach, dass das saugen ihn vollkommen ermüdete und ich um abpumpen nicht herum kam. Dabei waren die Kinderkrankenschwestern im Krankenhaus dermaßen unhilfreich, dass ich zu verzweifeln drohte. Puh was wurde da ein Druck aufgebaut, wie respekt- und lieblos mit den gerade entbundenen Frauen umgegangen. Als ich am dritten Tag zum ersten Mal eine Stillberaterin zu Gesicht bekam, war ich schon überzeugt, das Kind müsse verhungern. Diese Kombination aus 100% Druck und 0% Verständnis ist wirklich unerhört und leider kein Einzelfall.

Und das ist mir tatsächlich sehr wichtig: für sehr viele Frauen ist stillen am Anfang nicht so besonders toll, sondern ziemlich frustrierend, anstrengend und kräftezehrend. Die erste Woche musste ich den Minimensch Tag und Nacht alle 2 Stunden wecken, beim stillen wachhalten und danach noch abpumpen, weitere zwei Wochen lang alle 3 Stunden. Das ist kein bisschen erfüllend. Das ist Knochenarbeit. Es wurde schnell besser, wir hatten enormes Glück, der Minimensch legte an Gewicht und Kraft zu und sehr schnell fanden wir einen komfortablen 3-4 Stundenrhythmus mit längeren Pausen nachts. Aber wäre es noch eine Zeit lang so weiter gegangen, ich hätte sicher nicht weiter voll gestillt. Und ich kann jede Frau verstehen, die vielleicht auch schon nach wenigen Tagen keine Kraft mehr dafür hat. Keine Frau sollte dafür verurteilt werden oder sich schuldig fühlen müssen.

Ich habe, im Gegensatz zu anderen, das stillen bei weitem nicht immer als schön empfunden. Praktisch, ja, das schon. Man hat das Essen immer dabei, es hat die richtige Temperatur und Zusammensetzung. Gut für das Kind auf emotionaler und körperlicher Ebene, von mir aus. Auch pragmatisch angesichts der Milchunverträglichkeit des Minimensch und der entsprechend komplizierten Alternative hochhydrolysierter Apothekennahrung. Und es ist auch nicht so, dass ich nach den ersten stressigen Wochen das Stillen weiterhin immer als anstrengend empfunden hätte. Ich sehe nur auch keine besondere Erfüllung darin. Natürlich gibt es kuschelig-schöne Stillmomente, gerade am Abend oder am Morgen ist stillen gemütlich und ein sehr zweisamer Mutter-Kind-Moment. Im zweiten und dritten Monat konnten der Minimensch und ich das genießen. Aber relativ schnell, mit wachsender Wahrnehmung werden diese gemütlichen Stillmomente weniger. Der Minimensch war meist sehr viel mehr an der Umwelt als an der Nahrungsaufnahme interessiert (insbesondere in der Öffentlichkeit – ein Graus, da war an trinken quasi nicht zu denken!) und so fand ich das Stillen dann eben je nach Tagesform mal echt schön, meist einfach normal so wie alles andere was man halt so macht (anziehen, waschen, windeln, … ) aber eben auch mal genauso anstrengend, wie es jetzt anstrengend ist, wenn das Kind einen rumpelstilzchenesquen Tag hat und mit Besteck und Essen spielt, es durch die Gegend wirft, sich vom eigentlichen Essen ablenkt.

Ich habe gern fünfeinhalb Monate voll gestillt, das gehörte für mich dazu und war vollkommen in Ordnung so. Aber ich habe auch überhaupt kein Bedauern empfunden, als der Minimensch Brei zu essen begann. Ich habe nicht auf Teufel komm raus abgestillt, wir haben das schon so gemacht, wie es der Minimensch wollte. Ich hatte nach 10,5 Monaten den Eindruck, dass es für mich dran wäre, das dann noch verbliebene Einschlafstillen aufzugeben, um wieder abends unabhängig zu sein, es schien mir auch ok, da der Minimensch zunehmend auch gar nicht mehr dabei einschlief, sondern eh noch kuscheln wollte und tatsächlich ging es auch nach ein bis zwei missglückten Versuchen sehr schnell, dass der Minimensch mit gekuschelt werden genauso zufrieden war. Das Nachtstillen, das dann noch blieb, war am Ende oft ohnehin nur noch ein Kampf der sich gut und gern eine Dreiviertelstunde hinzog, so dass allen Parteien geholfen war, als wir auf ein Wasserfläschchen in der Nacht umstiegen, da war der Minimensch sehr viel schneller wieder eingeschlafen und ich auch. Ich war sehr froh von dem Gefühl befreit zu sein, dass der Minimensch von mir physisch abhängig ist. Es ist für mich enorm beruhigend, ihn prinzipiell versorgt zu wissen, auch wenn ich mich verspäte oder wenn mir etwas passieren sollte.

Ich tue mich eigentlich schwer damit, einen so persönlichen Einblick zu geben. Aber es ist mir wichtig, meine vollkommen unverklärte, pragmatische Sicht auf das Stillen zu schildern, denn ich bin sicher, ich bin damit eigentlich Teil der breiten Mehrheit der stillenden Mütter. Ich würde jede werdende Mutter ermutigen zu stillen, aus medizinischer Sicht ist es tatsächlich sehr gut für das Kind. Aber ich würde auch dazu raten, ohne Druck und feste Vorstellungen daran zu gehen. Ich finde es enorm schwierig, wenn eine Idealvorstellung propagiert wird à la “eine echte Mutter stillt mit großer Freude” – ich finde, welches Ritual auch immer man sich als intimen Mutter-Kind-Moment aussucht, wichtig ist doch letztlich, sich Zeit zu nehmen, sich ganz dem Kind zu widmen, sich und dem Baby Ruhepausen zu gönnen. Und ich finde es normal und richtig, dass man es auch genießt, wenn diese enge Abhängigkeitsbeziehung sich immer mehr löst. Wann das für Mutter und Kind dran ist, kann ein Außenstehender sicher nicht beurteilen, ich finde aber zumindest bedenklich, sich am Stillen festzuhalten um ein Alleinstellungsmerkmal zu haben.

Und daher nehme ich die Weltstillwoche zum Anlass um deutlich zu sagen: Es gibt auch beim stillen nicht nur schwarz und weiß, nicht richtig und falsch, nicht nur Überglucke und Rabenmutter. Toleriert doch bitteschön alle Grauschattierungen und lasst jede dazu stehen, fühlen und handeln, wie sie eben kann und möchte.

Mutterschaft – Ein Jahr

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Schon seit einiger Zeit ist der Minimensch ein Jahr alt. Zahlreiche real life- Verpflichtungen haben mich daran gehindert, das adäquat würdigen zu können.

Dieses eine Jahr hat mein und unser Leben unglaublich durcheinander gewirbelt. Ähnlich dramatische Änderungen bringen wohl nur der Auszug von zuhause und Auslandsaufenthalte mit sich. Ich bin anders, der Mann ist anders, das Leben ist anders, alles anders und gleichzeitig, und das ist schwer zu begreifen, wenn man selbst (noch) keine Kinder hat, enorm vertraut.

Ich neige nicht dazu, Mutterschaft/Elternschaft zu mystifizieren. Das gilt für schwanger sein, stillen und leben mit Baby gleichermaßen. Es ist nun wirklich nicht immer eitel Sonnenschein und da kann auch das strahlendste Kinderlächeln nix dran rütteln. Ich kann der Überhöhung von Mutterschaft, die aus vielen Mütterblogs spricht, der geradezu Verehrung des Bauches, der Glorifizierung des Stillens, der übermäßigen Aufopferungsmentalität, die man im “Mami-Netz” finden kann überhaupt nichts abgewinnen. Da finde ich mich nicht wieder. Dennoch, ich bin gern Mutter und würde um nichts in der Welt tauschen wollen.

Man hat ja im Vorfeld Erwartungen, positive und negative. Man stellt sich schon vor, dass man so einen Minimensch ziemlich ins Herz schließt. Dass es cool ist, Entwicklung zu beobachten. Dass Kinder manchmal echt witzig sind. Und natürlich auch, dass man wenig Schlaf bekommt. Dass es ganz ganz schlimm ist, das Kind krank zu sehen, dass das Leben irgendwie unflexibler wird. So Sachen. Dennoch für mich war dieses Jahr auch voller Überraschungen.

Es ist Wahnsinn, wie rasant schnell so ein Baby wächst und sich verändert. Wie schnell es Dinge lernt. Und gleichzeitig aber auch, wie vollkommen hilflos und auf einen angewiesen es ist. Ich war vollkommen platt von dem Gefühl, wie sehr ich mit diesem kleinen Wesen verwoben bin, wie sehr ich es als Teil von mir sehe und sehen muss. Und auch erleichtert in gewisser Form, als sich das langsam etwas löste. Als zumindest die Ernährung des Kindes nicht mehr von mir abhing, als auch andere auf es aufpassen konnten. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so eingeschränkt fühlen würde. Aber man macht sich das Ausmaß der Einschränkung ja nicht bewusst, dass man als HauptbetreuerIn immer zu zweit ist, im Bad, auf dem Klo, beim einkaufen, bei der Hausarbeit, immer.

Was ich in diesem kleinen Alter überhaupt noch nicht erwartet hätte, ist, wie deutlich der Minimensch seine Gefühle ausdrücken kann. Diese unbändige Freude, wenn man nach Hause oder auch nur aus dem Keller kommt. Die freudige Umarmung morgens im Bett. Das flasht mich jeden Tag aufs Neue und – ein bisschen stimmt es ja schon – kompensiert auch so manchen Wutanfall. Überhaupt Wut. Was für ein kleines Rumpelstilzchen das Kind sein kann. Unglaublich.

Vollkommen unerwartet hat uns auch dieses Gefühl getroffen, eine Familie zu sein. Ein bisschen als sei es schon immer so gewesen. So als hätte dieser kleine Mensch schon immer am Tisch zwischen uns gesessen und fröhlich Kartoffeln auf seine Gabel gepiekst oder Käsebrot in den Mund geschoben.

Und dann ist so ein Minimensch ja tatsächlich schon recht bald eine Person. Mit Eigenheiten, Vorlieben und Gewohnheiten. Das ist echt erstaunlich. Wie distinkt Kinder sind, wie wenig sie einander eigentlich gleichen. Man kennt die Stimme, die speziellen Gesichtsausdrücke, die Anzeichen für Müdigkeit und Zahnschmerzen. Und eben den Charakter und sei er noch so unfertig.

Die Liste der Überraschungen ließe sich natürlich noch lang fortsetzen. Aber natürlich gibt es auch die Gegenseite, das woran man sich eher mühsam gewöhnt. Gar nicht so sehr Schlafmangel und Schreien, da rechnet man ja mit und weiß auch, dass es vorbei geht. In erster Linie fehlen mir tatsächlich eher kleine Dinge, die Teil von persönlicher Freiheit sind. Im Auto laut Musik hören. Spontane Verabredungen. Essen, wann man Lust hat, nicht wann Essenszeit ist (& fast food). Wenn ich gerade gut drin bin, auch weiterarbeiten zu können. In Ruhe duschen. Ganz allein sein. Sowas. Zeit-Autonomie könnte man das ganze wohl zusammenfassend nennen.

Was keine echte Überraschung für mich war: ich tauge nicht zur Hausfrau. Die ersten Monate hat das noch nicht so gestört, da waren die Tage noch recht flexibel, der Minimensch schlief noch viel, da hab ich erstmal viel genäht und mich in den Alltag mit Kind eingefunden. Aber ich war auch immens froh, als ich nach 9 Monaten wieder einen Nachmittag arbeiten ging, als ich nach 11 Monaten wieder in meinen Job zurück konnte. Es ist unglaublich anstrengend zu arbeiten mit Kind. Aber ich liebe meinen Job und brauche ihn. Ich brauche Kontakt mit anderen Erwachsenen als meinem Mann. Ich bin ein zutiefst sozialer Mensch, ich bin mir selbst einfach nicht genug. Ich würde umgekehrt nicht Vollzeit arbeiten wollen zur Zeit. Ich hätte das Gefühl zu viel zu verpassen und ich fände es auch organisatorisch schwierig. Minimensch und Arbeit brauchen und bekommen beide ihren Raum, das ist so schon OK.

Auf die Frage, wie das Elternsein so ist, antworten wir gern: “Toll aber müde” und letztlich ist es genau das.

Sonntagskuchen: Profiteroles

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In einem Anflug von akuter Frankreich-Sehnsucht, beschloss ich, für Gäste am letzten Sonntag etwas französisches zu backen. Nach stundenlangem lustvollen Dahinschmelzen eingehender Recherche entschied ich mich für Profiteroles. Also Mini-Windbeutel. Allerdings nicht mit Eis sondern mit Vanillecreme. Und aus mehreren Rezepten zusammengestückelt.
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Zutaten für etwa 30 Stück (reicht für 4-6 Kaffeetrinker)

30 g Butter
75 g Mehl
125ml Wasser
1 Prise Salz
2 Eier

1/2 Packung Vanillepuddingpulver
250ml Milch
200ml Sahne
1 Paket Sahnesteif
6EL Zucker

200g Schwarze Herren-Schokolade
250ml Milch
1 MS Zimt
1 Päckchen Vanillezucker
1 Stich Butter
2 EL Zucker

Brandteig:
Wasser, Butter und Salz in einem Topf aufkochen. Mehl in einem Schwung zugeben und rühren was das Zeug hält, bis sich ein dicker Klumpatsch gebildet hat und am Topfboden eine milchige Schicht absetzt. Den Teigkloß in eine Rührschüssel geben und abkühlen lassen.

Derweil den Ofen auf 200 Grad vorheizen und ein Backblech mit Backpapier vorbereiten.

Wenn der Teig nur noch maximal handwarm ist (ist man zu ungeduldig mit dem abkühlen gerinnen die Eier und der Teig wird viel zu flüssig. Ich hab das getestet.), die Eier unterkneten (mit den Knethaken der Küchenmaschine), den Teig dann in eine Spritztüte geben und kleine Rosetten auf das Backblech spritzen, Abstand ca. 2 cm.

Die Windbeutelchen für 30 Minuten backen, kurz im ausgestellten Ofen entspannen lassen, dann rausholen und auskühlen lassen.

 

Füllung:

Pudding nach Packungsanweisung kochen, allerdings mit den gesamten 6 EL Zucker. In eine Schüssel füllen und vollständig abkühlen lassen. Die Sahne mit dem Sahnesteif mischen, schlagen und unter den erkalteten Pudding heben.

Die Windbeutel entweder aufschneiden und mit je einem TL Creme füllen oder anstechen und mit einer Spritztülle füllen.

Für min. 1 Stunde kalt stellen.

 

Schokosauce:

Die Schokolade grob hacken, in die Milch geben und beides zusammen in einem Topf erwärmen, unter ständigem Rühren die Schokolade schmelzen. Die Gewürze, die Butter und den Zucker unterrühren. Abfüllen und kalt stellen.

 

Me made Mittwoch: Urlaubskoffer

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Heute ist der letzte MMM vor der Sommerpause – auch wenn der Blick aus dem Fenster, zumindest hier im Westen, absolut nichts von Sommer erahnen lässt. Zum Glück kann ich mir einfach meine Fotos angucken, die ich letzte Woche gemacht habe und mich direkt etwas sommerlicher fühlen.
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Ich werde dieses Jahr zwar wieder nur ins Mittelgebirge fahren, hoffe aber, dass auch dort im August etwas Sonne zu erwarten ist, so dass ich dieses sehr geliebte Kleid werde einpacken können. Es handelt sich um New Look 6069, bzw. Modell 34 aus Meine Nähmode 2/2012. Genäht habe ich das Kleid im Sommer 2012 aus einem sehr sehr dünnen Baumwollbatist, den ich beim Essener Stoffhaus (Rottstr.) im Sommerschlussverkauf für 3,-/m gekauft habe.
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Das Kleid ist so sommerlich, dass ich bisher nur eine Handvoll Gelegenheiten hatte, es zu tragen. Letzte Woche war mir aber sehr danach, es zur Arbeit anzuziehen. Ich habe es deshalb mit einem Shirt und einem Unterrock kombiniert, damit es in der Vorlesung keine ungewollten Einblicke gewährt.
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Weil es morgens -vor allem auf dem Fahrrad- noch recht kühl war (nachmittags dann aber um so wärmer) habe ich das ganze mit einer Jacke und einem ewig nicht getragenen Loop kombiniert. Eigentlich ist der mir viel zu bunt, aber zu den Punkten passt er ganz gut und schafft so das Sommer-Fähnchen etwas bürotauglicher zu machen.
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Catherine fährt – oh wie ich vor Neid noch blasser werde – nach Süditalien und hat dazu einen Schnitt vernäht, der auch bei mir noch weit oben auf der Liste steht: Cambie. Einmal hier entlang bitte zum letzten MMM vor dem langen Sommer (der dann bitte auch kommt, ok?).

Stoffwechsel: Die große Abschlusspräsentation

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Heute zeigen wir, endlich, was aus unseren Stoffen geworden ist und enthüllen, wer hinter den tollen Stoffen steckte. Ich freu mich schon wie verrückt.

Ich weiß nicht, wie es euch ging, aber trotz recht großzügigen Zeitplans, bekannten Schnittes und früh eingetroffenen Stoffes wurde es bei mir ganz schön knapp. Fertig wurde mein Kleid Donnerstagabend, Freitagmorgen drehte es eine Runde im Kurzwaschgang und am Abend führte ich es, frisch von der Leine, zu einem Sommerfest aus, sah darin das wenig schöne aber doch packende Viertelfinale. Jubelte für Mats Hummels. Und schoss danach im schwindenden Abendlicht unseres Wohnzimmers noch schnell verknitterte Fotos.  Ziemliche Punktlandung also. Neben mangelnder Nähzeit, Ablenkung durch hoch brisante Fußballbegegnungen und dem Schmetterlingskleid, dass den Nähfluss blockierte, war daran sicher auch großer Respekt schuld. Die Tatsache, dass der Stoff eben einmalig und besonders ist, weil eine andere ihn sorgfältig ausgesucht hat, führte bei mir zu einer gewissen Anschnitthemmung, die ich sonst auch bei teuren Stoffen nicht hab und zu relativ akribischer Verarbeitung (also für meine Nähschlampenverhältnisse).
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Aber nun zum Kleid: Genäht habe ich eine weitere Variante von New Look 6069, einem Schnitt, den nicht nur ich sehr als Sommerkleid schätze, sondern z.B. auch Eben Julia, Frau Knopf und Melleni/talentfreischön. Der Schnitt war als Modell 33-35 im Meine Nähmode-Heft 2/2012 und ich nähte quasi direkt nach erscheinen schon zwei Varianten mit Punkten davon, die ich gern und viel trage. Gerade weil ich den Schnitt kenne und sehr mag, schon länger den Wunsch nach einer weiteren Variante verspürte, erschien er mir gut für das Stoffwechsel-Kleid geeignet. Ich wollte es nicht mit einem neuen Schnitt versauen und sichergehen, dass ich das fertige Kleid auch gern tragen würde. Ich bin eigentlich keine große Seriennäherin, zu neugierig bin ich, neues auszuprobieren. Aber manche Schnitte bewähren sich einfach. In meinem Fall neben NL 6069, der Rock Simplicity 2451, das Kleid Simplicity 7275, die beiden Knip-JerseyJurks aus 3/2012 und 12/2011 und der Kniprock aus der 1/2013.
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Nun ist es ja schon 2 Jahre her, dass ich den Schnitt zuletzt nähte. Ich hatte damals ein FBA am Oberteil vorgenommen und mir leider nur recht kryptische Notizen auf der Klarsichthülle gemacht, was ich sonst noch geändert hatte. Ich glaubte also, ich hätte Routine mit dem Schnitt, in Wirklichkeit musste ich aber einiges doch nochmal an Hand der vorhandenen Kleider, der Blogbeiträge und der kryptischen Notizen rekonstruieren. Dabei unterlief mir ein Fehler, aber dazu später  mehr.
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Es war eine Wonne, den schönen Baumwollstoff zuzuschneiden und zu vernähen, nach dem Krampf mit den Schmetterlingen. Er verrutschte nicht, behielt brav alle Markierungen und löste sich nicht beim anschauen direkt auf. Traumhaft. Ich hatte außerdem dicke genug, um den Rock etwas weiter auszustellen und eine Handbreit zu verlängern und habe noch ein Stück über, aus dem ich mit etwas Zuschnitttetris vielleicht noch eine kurzärmelige Bluse gequetscht bekomme. Vor dem Zuschnitt habe ich die Oberteil-Teile mit meinem Grundschnitt abgeglichen, für hinten habe ich daraufhin einfach direkt das Grundschnitt-Teil zugeschnitten und am vorderen die Armlöcher angepasst und die Brust-Taillendiskrepanz etwas erhöht. Aus meinem Notizen schloss ich, dass ich das vordere Oberteil um weitere 2cm verlängern sollte und schnitt dies entsprechend zu (ihr ahnt es schon, oder?).
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Das nähen ging in der Tat sehr flüssig, da zeigte sich dann doch die Routine. Einzig die Hinzunahme von Paspeln verkomplizierte es etwas. Und natürlich meine sonst ungekannte Akribie im Umgang mit Markierungen. Bei der ersten Anprobe des Oberteils wurde dann aber schnell klar, dass ich das Schnittteil wohl bereits verlängert hatte und somit nun 2cm zu viel unter der Brust herumbeulten. Schön. Also Naht mitsamt Paspel wieder getrennt, Oberteil gekürzt, neu genäht. Ich hatte mir außerdem überlegt, mal den etwas längeren Ärmel zu nehmen, denn mit den kleinen Ärmelchen meines roten Kleides war ich nie recht glücklich. Aber herrjeminee. Wie unglaublich schlimm sahen diese Puffärmel aus. Sehr seltsam unproportional und fürchterlich altbacken. Also Ärmel wieder raus und andere zugeschnitten – die vom Schmetterlingskleid, die sind nämlich super. (Obwohl ich unbedingt auch mal Tulpenärmel wie Lotti ausprobieren möchte). Neben diesen unnötigen Umwegen vermurkste ich auch noch den Reißverschluss, ist mir ewig nicht passiert, aber gut. Schlussendlich ist das Kleid fertig und gefällt mir überragend gut. Ich bin sicher, es wird viel getragen. (und ich nähe ihm auch noch Knöpfe auf und ein Label ein – das hab ich nämlich im Eifer des Gefechts vergessen. ) Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich die Länge mag. Meine anderes beiden NL6069 enden, so wie der Schnitt vorsieht, knapp über dem Knie. Das fand ich immer etwas kurz. Nun finde ich dieses aber vielleicht doch zu lang. Was meint ihr?
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Und hier nun erstmal ein riesiges Danke an meine Stoffaussucherin Frau Crafteln. Ich habe mich sehr über den Stoff gefreut, er passt toll zu mir und dein Brief war richtig super! Danke auch für deine Umsicht Paspeln, Knöpfe, Spitze und Reißverschluss gleich dazu zu packen, dadurch ist das Kleid nun wirklich toll geworden! Ich wusste, dass das Paket von ihr ist, obwohl ich extra meinen Mann den Zettel habe ziehen und sie benachrichtigen lassen. Ich erkannte Schrift und Adresse auf dem Paket noch bevor ich den Inhalt in Augenschein genommen hatte. Ich bin da etwas spleenig mit Schriften und Frau Crafteln zeigte ja Notizen vom Konstruktionsunterricht in ihrem Blog- daher. Hat jemand auf sie als Absenderin getippt?

Zeit auch, die ganze Aktion noch einmal Revue passieren zu lassen. Kinder, hat das ein Spaß gemacht. Zwar war es etwas aufwändig, das ganze zu organisieren, aber das war es 20890183126398 Mal wert. Es ist so schön zu sehen, wie viel Spannung und Spaß für alle darin steckte den Stoff auszusuchen, mitzuraten wer wen bewichtelt hatte und den empfangenen Stoff zu etwas besonderem werden zu lassen. Ich finde es sehr schön zu sehen, wieviel Gedanken und Sorgfalt in die Stoffwahl gesteckt wurde, wie toll alle Stoffe zu ihren Empfängerinnen passten, wie genau auch auf individuelle Belange und Wünsche eingegangen wurde, wie mitgefiebert, beraten und Anteil genommen wurde. Einfach großartig diese Nähnerdcommunity, toll dass ich da dazu gehöre! Ich hoffe, es hat euch anderen auch nur in etwa genauso viel Spaß gemacht, wie mir, und ihr seid nicht auf die letzten Meter im Stress versunken!

Und nun: Bühne frei! Defiliert mit euren neuen Kleidern hierhin und verratet uns auch, auf wen ihr als Absenderin eures Stoffes tippt. Möge das Bewundern und wilde Rumraten beginnen! Und bitte vergesst nicht, euch eurer Empfängerin im Kommentar zu erkennen zu geben – wir sind doch nun alle gespannt wie die Flitzebogen, oder etwa nicht?

Das Linkup ist eine Woche geöffnet. Bitte stresst euch nicht mit der Fertigstellung, zeigt zur Not auch unfertiges, Hauptsache, wir sehen oder erahnen, was aus unseren Stoffen wurde!