Waxprints für den “Guten Zweck”

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In meiner Seitenleiste ist schon immer ein Link zu meinem dawanda-Shop. Ich betreibe, davon ist hier eher nie die Rede, bereits seit Jahren einen Non-Profit-Dawanda-Shop zugunsten von Projekten in Afrika. Ich verkaufe dort Waxprint-Stoffe, die ich aus Sambia bekomme und die dort Chitenge heißen. Leider habe ich in den letzten 2 Jahren kaum noch Zeit gehabt, mich um den Shop zu kümmern. Das hochladen und ständige wieder einstellen der Artikel ist oft einfach nicht drin, noch weniger das verpacken und versenden genau am nächsten Werktag usw. Da ich aber noch einen ganzen Stapel Waxprints im Lager habe, dachte ich, ich suche hier im Blog Abnehmerinnen dafür. Wäre ja schade wenn die hier versauern, wenn sie auch unters Volk und der Erlös einem guten Zweck zukommen könnte.

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Der Reinerlös des Stoffverkaufs kommt den Projekten des eine-welt-engagement e.V. zugute, für den ich schon lang ehrenamtlich tätig bin. Meinen noch vorhandenen Stapel würde ich gern für das Projekt “Schulfee Zambia” verkaufen, das es Familien im südlichen Sambia ermöglicht, ihre Kinder auf eine weiterführende Schule zu schicken, indem es für Schulgebühren, Uniform und Lernmaterialien aufkommt. Die Stipendienempfänger werden von einem einheimischen Team vor Ort ausgewählt, hier in Deutschland wurde das Projekt von einer Studenteninitiative ins Leben gerufen. Die StudentInnen hinter dem Projekt haben die Idee im Rahmen einer Summer School in Sambia entwickelt. Ich habe mich im Rahmen meiner Forschung unter anderem mit Entwicklungshilfe beschäftigt und bin dabei eher kritischer geworden und zu der Erkenntnis gelangt, dass ich die meisten Formen von Entwicklungshilfe irgendwo zwischen nutzlos und schädlich verorten würde. Entwicklungshilfe ist ein sehr ambivalentes, oft umstrittenes Unterfangen. Staatliche Entwicklungshilfe ist vielfach enorm ineffizient, nicht genug auf den Bedarf angepasst und leider nach wie vor zu oft strategisch ausgerichtet. Private Entwicklungshilfe hat das Potential erheblich besser zu funktionieren, nutzt dies aber oft nicht aus, gerade wenn sie durch kleine Initiativen geleistet wird. Kleine Organisationen unterstützen leider zu oft Abhängigkeitsstrukturen und schaffen Wohlstandsinseln, aus der durchaus nachvollziehbaren Motivation heraus, greifbare Verbesserungen in kurzer Zeit erreichen zu wollen. Eine der wenigen unumstrittenen Erkenntnisse aus der entwicklungsökonomischen Forschung ist, dass Bildung tatsächlich zu einer erheblichen Verbesserung beiträgt. Allerdings eben nicht von heute auf morgen. Bildung, vor allem sekundäre Schulbildung von Mädchen, verringert das Armutsrisiko, die Geburtenrate und die Mütter- und Säuglingssterblichkeit. Leider führen höhere Bildungsausgaben, selbst mehr Schulen, noch nicht zwangsläufig zu höheren Schülerzahlen und schon gar nicht zu höheren Absolventenquoten, denn oft ist die zusätzliche Arbeitskraft für die Familie wichtig, oder es mangelt an “Kleinigkeiten” wie Uniform, Essensgeld oder Materialien. Gut durchdachte Bildungsprogramme sind daher ein Baustein wünschenswerter Entwicklungspolitik. Und das Programm Schulfee erscheint mir als solches, gerade auch, weil es von einem Team vor Ort verantwortet wird.

Meine Waxprints stammen alle aus Afrika, sie wurden dort auf dem Markt gekauft. Leider kann ich dadurch keine zuverlässige Aussagen über Herkunft und Material. Ich bitte die Damen, die für mich dort einkaufen immer, nur Baumwollstoffe zu kaufen. Meist gelingt das auch. Allerdings sind ein paar dabei, bei denen ich nicht ganz sicher bin, ob sie wirklich reine Baumwolle sind. Die Stoffe sind alle durch die Waxbatik-Technik sehr steif. Das gibt sich nach dem ersten oder spätestens zweiten Waschen und erst dann kann man auch tatsächlich die Festigkeit des Stoffes beurteilen. Die Stoffe sind, zumindest meiner Erfahrung nach, von der Festigkeit fester als Voile oder Batist, etwa im Bereich von Quilting Cotton, Fahnentuch oder dünnem Nessel, allerdings etwas lockerer gewebt und dadurch oft ein wenig durchscheinend. Ich habe ein paar Kleidungsstücke aus Chitenge, da kann man den Fall sehen, z.B. dieses, dieses, dieses und dieses.

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Viele der Stoffe tragen Fabrikanten-Angaben, ich konnte aber keinen der angegebenen Hersteller durch googlen finden. Ich kann also letztlich nicht sagen, ob alle Stoffe tatsächlich in Afrika hergestellt sind. Vor Ort wird gesagt, die meisten Stoffe kämen aus Südafrika oder Tanzania, aber ich kann da leider keine Garantie drauf geben, denn so ein afrikanischer Markt ist eher nicht durch lückenlose Auszeichnung geprägt.

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Die Stoffe werden auf den Märkten ausschließlich als Coupons verkauft, die Größe ist dabei fest: 1,12m x 1,80m. Das ist natürlich nicht riesig und ich habe keinen einzigen Stoff doppelt. Ich habe sowohl für den Herzchenrock als auch für das rote Kirschen-Kleid jeweils haargenau einen Coupon gebraucht und dabei echt nur Fitzelchen übrig gehabt. Aber: Wenn man keinen ganzen Teller als Rock will, dann reicht es ziemlich genau für ein Kleid, mit Zuschnitttetris, versteht sich ;-) Manche der Muster sind allerdings wohl eh eher Taschen- oder Kissen-geeignet. Ein Teil meiner Coupons ist angeschnitten. Ich habe einige Stoffe, die noch 1,12m x 1,20m sind und einige, die noch 1,12m x 0,6m-0,8m sind. (Siehe Angaben bei den Fotos unten)

So. Nun zu den Verkaufskonditionen: Ich habe mir überlegt, ich setze als Mindestpreis fest: die 60cm-Stücke kosten 7€, die 1,20m-Stücke 10€ und die vollen Coupons 16€, jeweils plus günstigst möglichem Versand, d.h. Brief bei einem Stoff, Päckchen bei mehr als einem. Wer allerdings gern mehr zahlen würde, z.B. auf die 20€ aufrunden, die ein Schuljahr Unterstützung in Sambia kostet, der darf das gern tun. Ich leite den vollen Betrag an Schulfee Zambia weiter, ihr entscheidet, wieviel das ist.

Wer nun Interesse an einem oder mehreren der Stoffe hat, der schreibt bitte einen Kommentar mit Angabe der Nummer des jeweiligen Stoffes, bitte gebt eine gültige Mailadresse an, unter der ich euch dann wegen Adresse und Bezahlung erreichen kann (die ist nur für mich sichtbar, wenn ihr sie in das Email-Feld eingebt). Wer zuerst “hier” schreit, kriegt den Stoff!

Und jetzt endlich: Fotos. Ich habe jeweils zur Verdeutlichung der Mustergröße einen handelsüblichen Kugelschreiber mit aufs Bild genommen.

Zuerst die ganzen Coupons:

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20.IMG_20141123_1434461,20m-Stücke habe ich von folgenden Stoffen:

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Und 60-70cm-Stücke gibt es noch von diesen:

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30.IMG_20141123_144547Bei Fragen könnt ihr mir natürlich auch mailen, oder einfach kommentieren!

Me made Mittwoch: Lieblingsrock mit doofer Bluse

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Mein heutiges Outfit für den Nebenjob im Rheinland kann stellvertretend für meinen gesamten Kleiderschrank stehen.
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Ein schöner, selbstgenähter Rock und eine schlecht sitzende ungeliebte Kaufbluse (und tolle Stiefel). Ich besitze eine Reihe schöner, individueller, heiß geliebter Röcke. Aber an der Oberteilfront sieht es recht mau aus. Ein paar langweilige Strickpullis in Nicht-Farben, ein paar Shirts, die eigentlich zu lang für Röcke sind, sehr wenige selbst genähte Shirts, eine sehr geliebte Bluse und dann halt sowas wie das heutige Exemplar.
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Kaufhemdblusen vereinen für mich das schlechteste aller Welten, sie sind mir in der Regel um die Brust zu eng, darunter zu weit, im Rücken ebenso. Sie krumpeln unterm Rock, ihr Kragen steht mir nicht und bügeln muss man sie außerdem. Bah. Alles. Natürlich könnte ich versuchen, mir Hemdblusen zu nähen, die besser passen. Aber ich denke eher in Richtung Stehkragenblusen mit Puffärmeln und Biesen. Möglichst aus Stoff mit Elasthan, der wenig knittert und in anderen Farben als weiß, blau und schwarz. Ich habe sogar schon Stoff. Aber Zeit und Muße fehlen, das wird aufwändig den richtigen Schnitt auszuklügeln. Ich drücke mich und nähe Shirts. Und Röcke. Und Kleider. Und Petticoats.

Den Rock habe ich mir zur letzten Bundestagswahl genäht. Leider hat er nicht gewirkt, so dass ich ihn jetzt als Zeichen des Protests trage. Naja und weil er schön ist. Der Schnitt ist aus der Knipmode Januar 2013 und dort in Leder gezeigt, die Taschen habe ich selbst hinzu konstruiert.

Lucy zeigt als MMM-Vorturnerin heute ein Karokleid. Damit kriegt man mich ja schnell rum… Und dieses ist wirklich toll!

Wintermantel: Zwischenstand

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Bereits letzten Sonntag fragte Karin die versammelten Herbst- & Wintermantelnäherinnen nach ihrem Zwischenstand. Ich hatte auch bereits letzten Sonntag den Obermantel fertig, habe aber die ganze Woche verpennt zur richtigen Tageszeit Fotos zu machen. Gestern hab ich endlich, schnell schnell drei Fotos geschossen.

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Ich bin mit dem Sitz im großen und ganzen sehr zufrieden. Ich habe im Bereich der Hüfte mit etwas schmalerer Nahtzugabe genäht, das wäre zwar vielleicht gar nicht nötig gewesen, derzeit sitzt er noch recht weit, aber es kommt ja noch ein dickes Futter rein und es soll ja auch noch dickere Kleidung drunter passen.

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Hinten im oberen Rücken ist etwas viel Stoff, in der Taille deutlich zu viel. Im Bereich der Taille werde ich auch tatsächlich ein bisschen was raus nehmen. Im oberen Rücken werde ich den Bewegungs- und Futterspielraum drin lassen. Denn mit vorn überkreuzten Armen (leider unscharf) sieht man, dass der Platz durchaus nötig ist.

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Der Kragen ist bereits mit Thinsulate gefüttert und zeigt, wie die Optik im gefütterten Zustand sein wird.

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Nun muss ich den Futtermantel nähen, und wegen der drei Lagen (Windstopper, Thinsulate, Futter) bin ich da nicht so sehr motiviert. Deshalb hab ich jetzt erstmal mein Stoffwechsel-Projekt dazwischen geschoben. Allzu lang darf ich aber nicht mehr warten, denn bald ist es zu kalt für den Robson Coat.

Und? Alle anderen schon fertig?

P.S. Für alle, die auch noch nicht gefüttert haben, noch ein kleiner Trick, den ich mir vom Robson abgeguckt hab: Der Taschenbeutel ist mittels eines kurzen Stücks Band an der Nahtzugabe der vorderen Prinzessnaht fest genäht, so liegt die Tasche später immer Richtung vorn und verirrt sich nicht im Futter.

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Ja, alles ungebügelt, habt ihr richtig gesehen…

Me made Mittwoch: Pseudo-Kostüm

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Derzeit bin ich mittwochs wieder im Rahmen meines Zweitjobs im Rheinland tätig. Im Zweitjob geht es etwas formeller zu als an der Uni, wo auch eine Jogginghose als echtes Kleidungsstück durchgeht, und so dürfen dann auch mal die etwas erwachseneren Sachen aus dem Schrank. Ich fühle mich gemeinhin in schmalen Röcken weniger wohl als in weiten und bin auch eher nicht so Blusenträgerin, so dass ich nicht freiwillig zu Etuikleid oder schmalem Rock greife. Weil ich schon vor Sonnenaufgang aus dem Haus musste um mich durch halb NRW im Berufsverkehr zu quälen, gibt es nur Aufzugfotos, ich bin aber extra zuerst in die falsche Richtung gefahren um genug Zeit für mehr als ein Foto zu haben.
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Der Rock, den ich heute trage, wird wirklich selten getragen. Genäht habe ich ihn im Herbst 2012 und damals auch gut dokumentiert, weil diese Falten nicht ganz easy waren. Der Schnitt ist aus der Knipmode 12/2011. Der Rock ist, nachdem der Proberock zu eng war, etwas zu weit geraten, bzw der Wollstoff gibt beim tragem enorm nach. Deshalb sitzt er zu hüftig, was der erste Punkt ist, der mich stört. Ich habe auch kein Oberteil, was solo richtig gut dazu passt. Meist trage ich einen Pulli drüber, was aber dann natürlich die Falten verdeckt. Heute habe ich, weil mein brauner Pulli ein Loch hat, zum engen Shirt gegriffen und dann festgestellt, dass das Probejackett ganz gut dazu passt.
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Der Rock fällt auch doof beim gehen. Das nervt mich kolossal. Trotz Futter wandert er gen oben. Das finde ich an locker fallenden Tulpenröcken immer sehr unschön.
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In der Kombi fand ich es heute trotzdem OK. Der Stoff vom Rock ist ein sehr toller Wollstoff von alfatex mit feinem hellblauen Karo. Der fühlt sich schon gut an. Und das Jackett mag ich, obwohl es aus sehr doofem Stoff ist, eigentlich ganz gern. Es ist mir allerdings zu weit, wie vieles, was ich Anfang des Jahres genäht hab. Das ist etwas doof, weil ich den Schnitt jetzt nochmal werde anpassen müssen. Aber gut, dass ich das geplante “schöne Kostüm” noch nicht genäht hatte.
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Das Jackett ist nach einem Schnitt aus der Knip März 2011(?), glaube ich. Und hat zufällige 3/4-Ärmel, die ich sehr gut finde. Übrigens habe ich nirgendwo Flecken und das Jackett sitzt auch nicht schief, Haltung und Licht sind suboptimal.

Und jetzt schau ich mal beim me made Mittwoch vorbei, der besten Institution der Nähnerdwelt, der wir so tolle Treffen wie das in Köln am Wochenende verdanken. Mädels, danke für euren Einsatz jede Woche!!! Heute zeigt dort Nastjusha als Gastbloggerin ihr Outfit.

Wintermantel-”Fortschritte”

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Nun. So richtig weit bin ich nicht. Zwar hatte ich theoretisch mehr Nähzeit, aber dann war ich sehr müde und dann musste ich eine Jacke für den Minimensch nähen und dann musste ich doch arbeiten und dann musste ich einen Rock nähen und … Ihr kennt das. Immerhin sind alle 4 Lagen Stoff (Oberstoff, Windstopper, Thinsulate, Flutschfutter) eingetroffen. Auch abpausen habe ich dann doch irgendwann gemacht . Und auch mühsam, Oberstoff, Membran und Thinsulate zugeschnitten. 12 Schnitteile je 2 Mal aus 4 Lagen Stoff, da kommt einiges zusammen. Ich wurde etwas davon sabotiert, dass meine Schere inzwischen recht dringend mal von einem Profi geschärft werden müsste.

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Ich habe todesmutig Größe 12 mit Cup-Größe D zugeschnitten, obwohl die Maßtabelle mir 16 empfiehlt, weil ich bisher bei Butterick immer deutlichst enger machen musste. Ich hoffe, das ist jetzt nicht ausgerechnet beim Mantel anders. Aber es gibt ja viele Nahtzugaben rauszulassen.
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Mein Futter ist ein petrol-blau changierendes Acetat mit Streifen von Tolko-Stoffe, das ich phänomenal schön finde. Den Futterzuschnitt muss ich noch machen, ich denke dafür werde ich den Rollschneider nehmen, denn meine Schere raubt mir wirklich den letzten Nerv. Hat eine von euch schon mal ihre Schneiderschere schärfen lassen? Hat das gut geklappt? Für Knopfleistenbeleg und Taschen habe ich einen schönen Rest Baumwolle genommen.
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Vielleicht schaffe ich heute abend die ersten Nähte. Auch wenn ich auch gern ein Kleid, einen Rock, einen Unterrock und den nächsten Trägerrock nähen würde. Ich bin gerade nur sehr wenig motiviert für dieses langwierige Projekt. Aber vielleicht wird das besser, wenn ich mich durch die Linkliste der anderen Sewalong-Teilnehmerinnen bei Chrissy klicke?

Winterkaro mit extra Nähnerdflausch

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Heute trage ich ein Hommage-an-Lotti-Outfit. Es war gestern zum MMM noch nicht fertig aber kann auf keinen Fall bis nächste Woche warten. Denn es ist mal wieder ein Beweis, wie toll Internet-Freundinnen sind.
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Der Rock, aus den Resten meines letztjährigen Weihnachtskleides, lag schon eine Weile zugeschnitten und gekettelt auf meinem Nähtisch. Ich hatte aber nicht mehr genug Stoff für den Bundbeleg und wollte auch keinen kratzigen Wollstoff für innen, so scheiterte das nähen daran, dass ich keine Muße fand, nach einem passenden Rest Baumwollstoffs für Belege zu suchen. Ich hatte auch anderes zu tun und dachte nicht so viel daran, bis letzte Woche dieses Päckchen bei mir ankam.
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Lotti sortiert aus (sie verkauft auch tolle Schuhe, schon gesehen?) und schickte mir, einfach so, aus heiterem Himmel eine kleine Kollektion petrolfarbiges. Nicht nur fand ich in ihrem Päckchen einen Köperrest, der perfekt als Bundbeleg für diesen Rock geeignet war, auch eine passende Strumpfhose von beeindruckend toller Qualität und – der Oberhammer – ein Vögeltuch in tollsten Petrol waren dabei. Ich war total gerührt, hab mich irre gefreut und dann den Rock in Angriff genommen.
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Beim Schnitt nix neues, halber Teller, Bund von Simplicity 2451, Tasche rechts, Reißverschluss links. Der Stoff ist Wolle mit Elasthan von alfatex und ziemlich warm (das Weihnachtskleid geht erst bei Temperaturen unter 5 Grad), das Schrägband von höchst schlechter Qualität ist auch vom Weihnachtskleid über und wurde – natürlich – eine Lotti-Gedächtnis-Paspel. Dass ich den Rock liebe, brauche ich nicht betonen, Karo, Teller, Paspel, petrol – was soll da schief gehen?
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Das Oberteil ist schon was länger fertig, aber ich bin nicht recht zufrieden. Der Schnitt ist Plaintain von Deer&Doe, wie üblich. Die Idee mit dem Spitzeneinsatz am Rücken hab ich von einem Kaufshirt. Während ich seinen Spitzeneinsatz sehr sehr schön finde, ist es mir unter der Brust zu weit und wirft komische Falten, ich muss den Schnitt nochmal anpassen, die Taille schlanker und das ganze Shirt kürzer machen. In den Rock gesteckt wirft es noch schlimmere Falten. Insgesamt ist es einfach ab unter der Brust zu weit. Ich fühle mich aber generell in grau auch irgendwie komisch, zu farblos, schätze ich. Ich hatte aber nur Baumwollspitze in grau und wollte das mit der Spitze unbedingt machen. Mit Lottis Tuch ist es aber jetzt nicht mehr zu grau.
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Insgesamt ist das Outfit ein Gewinner und ich denke außerdem den ganzen Tag an die tolle Lotti. Super, oder?
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Tagebuchbloggen am 28.10.2014

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Der Tag beginnt um 5.00 mit fröhlichem Gebrabbel aus dem Babyfon. Aus unerklärlichen Gründen hat der Minimensch mit der Zeitumstellung seinen Rhythmus in die falsche Richtung verschoben. Statt bisher um sieben erwacht er nun nach neuer Zeit schon den dritten Tag in Folge um fünf. Und das obwohl er zur passenden Zeit am Abend einschlief. Ich war am Abend auch nicht ganz pünktlich im Bett und bin wenig begeistert nach knapp 6 Stunden geweckt zu werden. Ca 40 Minuten lang dösen wir also noch vor uns hin, während der Minimensch offenbar seinen Stofftieren Geschichten aus 1001 Nacht erzählt. Um 5.40 wird er allerdings ungehalten und ich gehe zu ihm rauf , gebe ihm Wasser und einen Beißring und erkläre ihm, dass es noch dunkel ist und alle noch schlafen. Er akzeptiert, sich nochmal mit mir ins Bett zu kuscheln, schläft aber nicht mehr. Um kurz nach 6 wird er endgültig lebhaft. Wir machen also das Licht an, gucken 2 Bilderbücher an. Man merkt ihm die inzwischen 3 Nächte mit zu wenig Schlaf langsam an. Er ist quengelig, tollpatschig und sehr ungeduldig. Heute fahren wir in die Arbeitsstadt und ich frage mich, wie ich ihn auf der Fahrt wachgehalten bekomme . aber erstmal suchen wir Klamotten aus und begeben uns um 6.30 ins Badezimmer.
Wie das immer so ist wenn man müde ist dauert alles ewig. Schwupp ist eine Stunde rum bis Familie Siebenhundertsachen komplett am Frühstückstisch sitzt, die Sachen für den Tag sind auch noch nicht gepackt und der Minimensch hat einen Anfall von spontanverhungern. Das erste Stück vom frischen Brot wird ohne Belag verschlungen derweil ich Kaffee zum mitnehmen koche, Snacks und Mittagessen in Dosen verpacke und ein Brot schmiere. Der Mann über nimmt die Fütterung und anschließende Bespaßung des Raubtiers, ich packe Schlaf- und Spielsachen ein und schminke mich. Wir sind jetzt alle 3 Stunden wach und der Tag hat noch nicht mal angefangen. Ein paar Lagen Klamotten anziehen und den halben Hausstand verpacken. Um 8.20 sitzen wir, später als geplant, im Auto. Auf der Fahrt ist zum Glück eher wenig Verkehr, nur 3 km Stau (von 25) und unter Aufbietung von vielerlei Spielzeug, Grimassen, lustigen Geräuschen und Musik kann der Minimensch wach durchhalten bis wir um 8.50 bei meiner Schwester sind. Hier ist der Zwerg sozusagen zuhause, er marschiert gleich mal rein, lässt sich seine Sachen ausziehen und beginnt sein Spielzeug auszupacken. Ich Briefe meine Schwester zu essen und schlafen, knuddel das Kind kurz und Sitze um 9.05 wieder im Auto. Der Verkehr ist nicht nett und das Parkhaus schon fast voll, aber um 9.20 Sitze ich schließlich am Schreibtisch und merke eine Migräne kommen.

Ich habe keine Veranstaltung aber eine Reihe kleiner und großer Dinge zu erledigen. Ich beginne mit Mails checken und beantworten, das Protokoll der gestrigen Besprechung anfertigen und verschicken, und Schreibtisch aufräumen. Als ich damit durch bin, nehme ich eine Masterarbeit zur Hand, die ich schon seit Tagen korrigiere und … da kommt Kollege J. Also unterbreche ich, schütte Kaffee in Tassen und Milch dazu und wir halten erstmal ein Schwätzchen. Mit der zweiten Tasse Kaffee nehme ich erneut die Arbeit zur Hand, mein Kopf schmerzt und die Arbeit ist eher schlecht. Ich bin daher nicht ungeneigt, mich ablenken zu lassen, z.B. von Kollegin Z. die bei uns rein schaut, Mails, die ich sofort beantworte und anderen Dingen, die es zu besprechen gilt, ich putze auch noch mein Whiteboard, google einige nur am Rande wichtige Sinne und schreibe mir Termine auf. Gegen 11 esse ich einen Schokoriegel, der wie erhofft die Kopfschmerzen etwas lindert. Ich bin unkonzentriert aber beginne mit dem Gutachten zu der Arbeit. Daran schreibe ich, wutschnaubend, bis gegen 12 Kollegin Z. zum Aufbruch zur Mensa bläst. Nach Essen, reden und Kaffee mache ich mit dem Gutachten weiter bis gegen 14 Uhr die studentische Hilfskraft kommt und Kollege J zu seiner Vorlesung verschwindet. Die Hilfskraft ist neu und lernt gerade den Umgang mit LaTeX, so dass ich mich in den folgenden Stunden zahlreich unterbrochen sehe um ihr Dinge zu erklären. Ist aber nicht so schlimm, ich habe nämlich das Gutachten fertig und beginne mit Kleinkram. Unterlagen Korrektur lesen, mir eine ToDo-Liste schreiben, einige Mappen mit Notizen durchsehen und wegsortieren, Dinge ausdrucken, die ich im home office brauchen werde, neue Mappen suchen und nicht finden, dafür einen Schwatz mit unserer Sekretärin halten, meinen Semesterapparat kontrollieren, Unterlagen online stellen. Zackbumm sind 2 Std vorbei, Kollege J kehrt aus der Vorlesung zurück und ich muss eigentlich schon zusammen packen und den Minimensch abholen fahren. Aber da ich den Rest der Woche im home office sein werde, gibt es eben doch noch 2-3 Dinge zu besprechen und vor 16.15 bin ich dann doch nicht unterwegs. Ich halte noch bei der Drogerie an, kaufe Windeln und dies und das und bin gegen 16.45 bei meiner Schwester. Der Minimensch ist bester Laune, hat aber früh und wenig geschlafen und wenig gegessen. Wir bleiben noch auf einen Kaffee dann wird der Zwerg aber schon ziemlich nörgelig und wir packen mal lieber und sind gegen halb sechs auf dem Heimweg. Drei Kilometer Stau. Der Standard. Der Minimensch mag offenbar nicht, dass es dunkel ist und weint. Ich habe Kopfschmerzen und bin unzufrieden mit meinem Arbeitstag. Ich muss nächste Woche einen sehr wichtigen Vortrag halten und bin aber seit Tagen so müde und unkonzentriert, dass ich beim besten Willen nicht inspiriert und motiviert daran arbeiten kann.
Zuhause, wo wir um 18.15 sind, wartet erstaunlicherweise schon der Mann. Das ist dieser Tage selten. Das Essen habe ich auch schon teilweise vorgekocht, so dass der Abend entspannt eingeläutet werden kann. Der Minimensch ist nun schon wirklich müde und als wir gegen halb acht mit Zähneputzen beginnen, kuschelt er sich schon nur noch an uns an. Der Mann verschwindet mit ihm ins Kinderzimmer und ich räume die Küche auf. Danach gönne ich mir erstmal eine halbe Stunde Internet. Twitter, Blogs, Nachrichten. Gott, bin ich müde. Ich beginne halb motiviert an einem Rock zu nähen, der eigentlich nur noch Beleg und Saum braucht. Aber mein Vortrag, der unfertig und unschön ist, lässt mir keine Ruhe. Ich bitte den Mann gegen 21 Uhr, ihn sich einmal anzuhören. Danach diskutieren wir ca. 2 Stunden darüber, wie man es besser machen könnte, entwickeln Ideen für Story und Folien und sind plötzlich etwas erstaunt, als 23 Uhr und schon lang Schlafenszeit ist. Also gehen wir ins Bett, die restlichen Arbeiten am Vortrag müssen bis morgen warten.

Pendeln und Vereinbarkeit

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Ich erwähnte hin und wieder, dass ich im letzten Monat sehr viel arbeitete. Genau genommen arbeitete ich etwa 45Std/Woche auf meiner 20Std-Stelle. Das war nur eine vorübergehende Geschichte, aber da zeitgleich der Mann derzeit auch mehr als rund um die Uhr arbeitet, eine ganz “gute” Gelegenheit, den Betreuungsernstfall zu proben. Dieser Ernstfall wird eintreten, sobald der Minimensch in die Kita geht. Denn dass die Umstellung von sehr flexibler Babysitter-home office-Teilzeit-Lösung auf sehr rigide Kitazeiten-mehr Bürotage-mehr Arbeitszeit ein kleines Problemchen sein würde, schwante uns schon länger. Denn: Mind the Pendelzeiten.

Unsere unfreiwillige Testphase sah so aus: Ich war 3 Tage Vollzeit im Büro, einen vierten Tag hatte ich zuhause Betreuung da. Meine Schwester und die beiden Omas des Minimenschen wechselten sich ab. Was dann noch an Arbeit blieb machte ich abends und am Wochenende in den Mittagsschlafzeiten. Das war ziemlich stressig, denn jeden Tag passte jemand anderes auf den Minimensch auf, obwohl alles vertraute Personen, dann doch ganz schön viel Gewusel. Außerdem waren alle Beteiligten recht übermüdet und von der vielen Arbeit recht geschlaucht, das macht es nun auch nicht gerade besser.

Einmal pro Woche kam der Minimensch z.B. mit in die Arbeitsstadt zu meiner Schwester. Für die 20km Weg brauche ich morgens oft fast 1 Std, nie unter 45 Min, abends das gleiche. Die ewigen Staus sind mit Kind im Auto noch mehr eine Zumutung als ohnehin schon. Für 6 Std Arbeitszeit waren wir oft 9 Std unterwegs. Dies also der Test: Betreuung in der Nähe des Arbeitsplatzes. Mein Verdikt: Stress. Stress um sehr früh mit Kind im Auto zu sitzen, das Kind im Stau bei Laune zu halten, am Abend zur besten Quengelzeit am Einschlafen zu hindern, das Abendessen auch noch pünktlich auf dem Tisch zu haben uswusf.

Die Omatage waren für den Minimensch entspannter, er blieb ja einfach zuhause und wurde liebevollst bespaßt, ganz ohne nervige Autofahrt. Dafür war er natürlich 9-10 Std von mir getrennt. Vor allem aber war das dann für die jeweilige Oma recht anstrengend. Die eine hat nämlich am gleichen Tage noch je 1,5 Std Anreise, die andere muss so weit reisen, dass sie übernachten muss. Den vollen Omaservice wird es also auch in Zukunft nur in Ausnahmefällen geben. Wohnort-nahe Betreuung ist also für den Minimensch prinzipiell weniger stressig, aber unter Berücksichtigung von Pendelstrecken müsste der Minimensch sehr viel länger betreut werden, als ich arbeite.

Und damit zeigt sich sofort das zukünftige Betreuungsdilemma. Durch die Pendelzeiten würde selbst eine Vollzeitbetreuung nicht ausreichen, wollte ich Vollzeit arbeiten. Der Mann könnte zwar den Minimensch abholen, hat aber oft Auswärtstermine, die dann alles direkt sehr kompliziert machen. Ich habe gar nicht vor wieder Vollzeit zu arbeiten, aber mehr als 20 Std schon. Ich werde auch weiter einen Teil meiner Arbeitszeit von zuhause machen. Eigentlich bin ich also nur mittelkompliziert mit meinen Ansprüchen. Ich brauche keine Betreuung für Schichtdienst, Vollzeit plus lange Pendelstrecke oder wechselnde Außeneinsätze. Alles auch gar nicht seltene Fälle.

Dennoch ist es mit den Pendelstrecken natürlich vollkommen irrational, jeden Tag Teilzeit ins Büro zu fahren. Logisch, Umwelt- und nervenschonend wäre, nur an drei Tagen zu fahren, dafür dann 8 Std. Aber eine Betreuung finden, die eine solche Zeitverteilung zulässt? Unmöglich, außer privat. Es gibt also die Alternativen, jeden Tag zu fahren, dadurch in Summe mehr Betreuungsstunden zu brauchen, mehr Zeit im Stau zu stehen, gestresster zu sein, aber in den Regelkitazeitplan zu passen. Oder den Minimensch mit in die Arbeitsstadt zu nehmen. Das würde dann weniger Zeit in der Kita aber dafür immer den Fahrstress bedeuten. Auch nicht schön. Und immernoch müsste ich jeden Tag ins Büro, statt  nur an 3 Tagen. Denn eine Teilzeitbetreuuung, die nicht alle Tage 5 Stunden, sondern 3 Tage 8 Stunden beinhaltet, gibt es schlicht nicht. Der Zusatznachteil: Wenn ich beruflich weg bin, kann niemand den Minimensch in die Kita bringen. Also ist Wohnort-nahe Betreuung immernoch besser machbar, als Arbeitsplatz-nahe Betreuung, wenn man irgendwie vom “Jeden Tag zur gleichen Zeit ins Büro und wieder raus”-Schema abweicht.

Was wäre also ideal für uns? Eine Betreuung in einer Wohnort-nahen Kita, die flexibel genug ist, dass man das Kind an Pendeltagen lang und an home office-Tagen nur kurz hinbringen kann. Das gibt es natürlich nicht. Denn natürlich ist das logistisch schwierig. Es kann nicht jedes Kind mal kommen und mal nicht, mal mittagschlafen und mal nicht, mal mitessen und mal nicht. Allerdings sind wir ja nicht allein mit diesem Problem. Alle Freiberufler mit wechselnder Auftragslage, alle Pendler, alle Schichtdienstler, alle deren Arbeitsleben auch nur einen Hauch von Zeit-Flexibilität verlangt, sind durch die sehr starren Zeitpläne von Regelkitas vor enorme logistische Herausforderungen gestellt. Die Lösung sind dann in gutem Fall Omas und Opas oder sehr flexible Tagesmütter (gibt es in Städten mit Unterversorgung bei der U3-Betreuung praktisch nicht) und sonst eben zusätzlich privat organisierte und bezahlte Kindermädchen, Au pairs, Babysitter und damit auch wieder ein Wust an Bezugspersonen, die oft schneller wechseln als einem lieb ist. Der einfache Weg, nämlich durch den Arbeitgeber organisierte und an die Bedürfnisse seiner Angestellten angepasste Kinderbetreuung gibt es ja wirklich nur in Ausnahmefällen.

Ich bin erstmal ganz froh, dass unser Kombinat aus Time-sharing, home office und Babysitterin derzeit bei Regelarbeitsbelastung ganz ok funktioniert. Unter der Opferung von Abend-Freizeit und nur ermöglicht durch enorme Zugeständnisse in Sachen Zeit- und Ortflexibilität meines Chefs und meiner KollegInnen. Und da wir ja eh nur sehr geringen Einfluss darauf haben, wo wir einen Kita-Platz bekommen und wann (denn das mit dem Anfang des Kindergartenjahres ist ja dann auch nochmal ein Thema, das sehr am Bedarf vorbei ist.) warten wir nun also ab und organisieren dann die Arbeit und das Leben um die Kita, nehme ich an. Was stellen wir uns auch an. Wir könnten ja auch einfach a) einen 8-15.30-Regeltag-Job direkt neben der Kita machen. Oder b) ein Einverdiener-Haushalt sein. Beides total valide Optionen, nicht wahr?

Me made Mittwoch: Unglücksrettungsrock

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Mein Outfit, das ich heute trage, aber auch schon mal letzte Woche im Büro (und dort fotografierte) ist das Ergebnis einer langen Verkettung von Desastern.

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Der Rock, ein halber Teller, so einfach so standard, wurde aus der Not geboren. Es ging schon mit dem Stoff los. Ich habe ihn im Frühjahr bei einem Großeinkauf bei Alfatex gekauft, ein Viskose-Leinengemisch. Ich habe schon öfter mal diese Zusammensetzung bei alfatex gekauft und es waren bisher stets unkomplizierte, knitterarme Stoffe. Nicht so dieser. In der ersten Wäsche färbte er gleich mal alle seine Kumpels grünlich ein und wurde außerdem so knitterig, dass er kaum noch glatt zu bügeln ging. Nichtmal mit der viel gepriesenen und absolut anbetungswürdigen Dampfbügelstation. Er sollte dann ein Onion 3033 werden. Den Schnitt hatte ich vielfach beim MMM bewundert und mir schließlich von Frau Kreuzberger Nähte geliehen (und monatelang behalten, ich Schuft) weil ich endlich endlich auch so einen hübschen Faltenrock haben wollte. Ich stellte mir dann die Kombi aus den tiefen Kellerfalten und den Streifen auch sehr nett vor und praktisch zum bügeln der Falten exakt im Fadenlauf wäre es ja auch gewesen. Konjunktiv – ihr ahnt es schon. War es nicht. Der Stoff weigerte sich schlicht, sich in Falten bügeln zu lassen. Kaum waren die Falten fertig, hatten die ersten sich schon wieder verflüchtigt. Ich kämpfte, bügelte, fluchte, steckte, griff gar zu Heftfaden (mit der Hand! Ich!) – und hatte trotzdem dann am Ende einen Rock, dessen Falten nicht exakt zur Mitte und nicht exakt zum Streifenverlauf passten und die Form nicht hielten, der mir außerdem zu weit war und auch nicht stand. Puh, war ich wütend auf das Mistding!

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Sodann zückte ich die Allzweckwaffe, den halben Tellerrockschnitt. Quetschte ihn mit viel Mühe auf die wieder rausgetrennten Rockteile, hatte dann nur noch gerade genug Stoff, um Bünde mit Teilungsnaht zuzuschneiden (Siehe Foto weiter unten) und machte halt einen Teller daraus. Bei der Anprobe stellte ich dann fest, dass der Stoff sich beim nähen auch noch trotz Einlage derart ausgedehnt hatte, dass der Rock auch ohne Reißverschluss auszuziehen ging. Ich trennte, nähte, trennte, nähte – wir kennen das. Und hatte dann am Ende einen leidlich passenden okeishen Rock. In einem Anfall von Liebe zur falschen Zeit, stellte ich aus Karostoff selbst Schrägband her (das mache ich sonst nie!), säumte den Mist-Rock und steckte ihn in die Wäsche. Ja. Danach wusch ich den Rest der Wäsche mit Farbfangtüchern und der Rock war grau. Und passte damit nur noch so semigut zu seinem (mit Liebe! selbst! gebügelten! und zusammengestückelten! Schrägband). Zum Vergleich: hier der Stoff an dem unglückseligen Tag als ich ihn kaufte:

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ER WAR PETROL! UND JETZT IST ER GRAU!

Nun, ich trage den Rock dennoch einigermaßen häufig, da er halt ein einfacher praktischer Brot-und-Butterrock ist. Er knittert fürchterlich, lässt sich nicht bügeln und leiert ständig noch weiter aus. Deshalb und wegen seines gestückelten Bundes, kann ich das Oberteil nicht reinstecken. Unschön.

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Um mich daran zu erinnern, dass er eigentlich meine Lieblingsfarbe hat, kombiniere ich ihn stets mit Petrol. Das hat er jetzt davon.

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Darunter trage ich meinen Volltreffer-Unterrock Typ “Allures und Couture” aus grauem Tüll mit lila-grauem Taft drunter und silbernem Schrägband. Ich plane noch zwei weitere davon. Er ist grandiosestens.

imageUnd nun verlinke ich mich beim Me made Mittwoch, dem mittwöchigen Treffen der Selbstgenähtträgerinnen, das nicht oft genug als das weltbeste virtuelle Beisammensein überhaupt gelobt werden kann. Julia zeigt dort übrigens eine Karojacke, die sehr starke Habenwollenreflexe auszulösen in der Lage ist.

Stoffwechsel II: Mein Stoffpaket

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So, jetzt komme ich auch dazu, euch meinen Stoff zu zeigen. Es ist etwas stressig bei mir derzeit, deshalb kam ich erst jetzt zu Fotos und Bloggen. Und das, obwohl mein Stoff schon seit Wochen bei mir ist, er kam, glaub ich, schon Mitte September. So sah das Paket beim öffnen aus.
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Ein wundervoller Karostoff. In petrol. Ich war sofort hin und weg. Wolle mit etwas Kunstfaser, schön weich, gar nicht kratzig oder knisternd. Kariert. Mit einem Hauch von pink. Hin und weg. Vollkommen.
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Dabei war ein netter Brief, der darauf schließen lässt, dass die Absenderin mich entweder kennt, zumindest schon länger mein Blog liest oder sehr sehr gut recherchiert hat. Ich habe dennoch keinen Schimmer, von wem das Paket ist. Der Absender war eine Adresse in Frankfurt, das ist somit auf keinen Fall die echte Absenderin. Irritierenderweise wusste Lotti verdächtig genau über den Stoff Bescheid, sie kann aber nicht die Absenderin sein. Aber vielleicht war sie beim Stoffkauf dabei? Das würde auf eine Berliner Absenderin hindeuten. Andererseits wusste Frifris auch erstaunlich gut Bescheid obwohl sie nicht in Berlin wohnt und nicht bei Stoffwechsel mitmacht. Sehr mysteriös alles.
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Die unbekannte Absenderin schlägt mir vor aus dem Stoff einen Rock zu nähen, vielleicht passend zu meiner Lieblingsbluse. Aber weil sie unsicher ist, ob ich einen Rock oder ein Kleid nähe, hat sie mir keine Kurzwaren, sondern stattdessen eine farblich perfekt passende Ansteckbluse dazu gepackt. Keine Sorge, liebe Unbekannte: passende Kurzwaren zu petrol habe ich immer im Haus.
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Ich brauchte nur wenige Stunden, dann hatte ich die perfekte Vision für diesen Schnitt: ein Trägerrock im Stil der 40er. Und regelmäßige Leserinnen wissen, dass ich auch direkt zur Tat schritt und einen Proberock nähte, den ich seitdem sehr gern trage und dessen Schnitt nun also auch diesem Karotraum zur Ehre gereichen wird. Ich werde allerdings etwas basteln müssen, um den Karoverlauf trotz nur 1,60m Stoff sauber hinzubekommen. Aber ich bin ja nicht umsonst die stellvertretende Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Stoffknauserinnen (Vorsitzende ist natürlich Frau Kreuzberger Nähte). Mit ein wenig Zuschnitttetris wird das doch wohl zu schaffen sein. Problematisch ist natürlich auch, dass ich mir dann ganz dringend noch ca 4 Blusenreplikate in schwarz, petrol, pink und nochmal schwarz nähen muss. Und vorher den Schnitt abnehmen.
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Zum Glück geht just heute für mich eine sehr arbeitsreiche Phase zu Ende und ich habe nun wieder Zeit und Muße, dieses und andere Projekte anzugehen.

Habt ihr schon gesehen, was für tolle Stoffe die anderen alle bekommen haben? Da sind wirkliche Schätze dabei! Ich bin schon wieder ganz begeistert, wie passgenau die Stoffsucherinnen genau das richtige für ihre Wichtelchen gefunden haben. Und spannend ist es auch.