Stoffparadies in unscheinbarem Gewand

Ich habe jahrelang nur in Stoffgroßmärkten wie alfatex, auf dem Stoffmarkt und online Stoff gekauft. Kleine Stoffgeschäfte haben mich vielfach enttäuscht. Entweder sie führten vorrangig Gardinenstoffe in Oma-Farben und glänzten durch unfreundlichst mögliche Beratung (Beispiele in Essen, Köln und Witten fallen mir sofort ein, ich nenne mal keine Namen und sage nur vorsichtig “Gardinenhaus”) oder sie waren auf Kinderstoffe und Patchwork spezialisiert und alles in allem zu teuer und zu niedlich.
Doch nun habe ich tatsächlich ein Stoffgeschäft-Kleinod entdeckt, das ich seither sehr regelmäßig besuche: “Petras Stoffelchen” (Achtung, die Website ist exakt so skurril wie der Name schon vermuten lässt) in Witten. Ein sagenhaftes Lädchen. Zwar ist auch dieses Geschäft auf Patchwork spezialisiert und führt mehrheitlich Markenstoffe und hat entsprechende Preise, aber es gibt eben auch eine ordentliche Auswahl an Bekleidungsstoffen und vor allem eine Riesenauswahl an Kurzwaren. Nach wie vor ist für den normalen Stoffkauf für mich zwar alfatex meine erste Anlaufstelle (vor allem aus Preis-Erwägungen), aber ich schaue oft für Kurzwaren, vor allem für Knöpfe hier vorbei und nehme dann auch immer mal kleinere Stücke Kinderstoff oder Reststücke für mich mit. Die Atmosphäre im Laden und die Beratung sind absolut wunderbar. Aber seht erstmal selbst:
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Das Geschäft besteht aus zwei winzigen Räumen, die wirklich bis unter die Decke vollgestopft sind mit Stoff. Nicht selten müssen die beiden Verkäuferinnen auf Höckerchen oder Leitern steigen, um das gesuchte zu organisieren. Am tollsten finde ich den riesigen Knopfschrank, der farblich sortiert eine sehr große Knopfauswahl beinhaltet, die man so in größeren Stoffgeschäften mit mehrheitlich massen-kompatibler Ware wohl nicht findet. Ich habe bisher immer passende Knöpfe gefunden und vor allem auch fachkundige Beratung bekommen. Auch das Garnsortiment ist riesig und es findet sich wirklich jede Farbschattierung, die man sich nur wünschen kann. Dabei ist der Preis für das Markengarn nicht außergewöhnlich hoch.
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Der vordere Raum birgt Bekleidungsstoffe. Hier liegt durchaus ein Schwerpunkt auf Kinderjerseys, allerdings in wirklich sehr schönen Motiven und hervorragender Qualität, aber es finden sich auch Uni-Jerseys in allen Farben des Regenbogens meist in 2-3 verschiedenen Qualitäten/Materialzusammensetzungen und auch wirklich schöne Bekleidungswebstoffe. Das Geschäft führt vor allem Markenstoffe von Polytex, Swafing und Westfalenstoffe sowie den bekannten amerikanischen Quiltstoff-Herstellern. Entsprechend liegen die Meterpreise zwischen 12 und 40 Euro, ein Unijersey wird vermutlich schon 15-17 Euro kosten. Preise, die ich für mich nicht leichtfertig auf den Tisch lege, aber für ein Geschenk zum Beispiel durchaus erwäge. Besonders erwähnen möchte ich die Bündchenware, die es hier in ca 30 Farben uni und gemustert gibt und die vor allem von wirklich exzellenter Qualität ist. Da will ich eigentlich nie wieder andere kaufen. Abgeschnitten wird ab 10cm, eine schöne Abwechslung zum üblichen “erst ab 30cm” in größeren Geschäften.
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Auch im vorderen Raum, rund um den Zuschnitttisch, sind alle Kurzwaren untergebracht. Hier scheint mir, dass die Besitzerin wo immer möglich Alternativen zum Prym-Sortiment sucht, zumindest gibt es recht viel Nicht-Prym in den Fächern und Kisten. Die Preise liegen für die Kurzwaren und Knöpfe im vollkommen normalen Rahmen, oft sogar günstiger als im 0815-Stoffladen. Auch viel Quilting-Zubehör gibt es zu kaufen. Rüschen und Bänder gibt es auch in großer Zahl, vor allem Kinder-Motive, aber Schrägband ist in Satin und Baumwolle in ca. jeweils 15 Farben vorrätig, und wenn ich den Minimensch dabei hab, muss ich immer sehr aufpassen, dass er mir nicht irgendwelche abgefahrenen Webbänder aufschwatzt. Es gibt wohl auch einige Schnittmuster von deutschen Kinderschnittdesignerinnen, aber da mich das nicht wirklich interessiert, habe ich da noch nicht genauer drauf geguckt.
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Das hintere Zimmer ist komplett voller Patchworkstoffe. Obwohl ich ja nicht quilte und also hier noch nie etwas gekauft habe, finde ich das Zimmer wunderschön zum angucken. (und sehr schlecht zu fotografieren).
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Neben der Stoffauswahl und dem schönen Kramladen-Charakter haben es mir vor allem die beiden Ruhrpott-original-Verkäuferinnen angetan. Beiden merkt man an, dass sie gern und viel selbst nähen, so dass sie eine gute und engagierte Beratung machen dabei aber eben, regionstypisch, kein Blatt vor den Mund nehmen. Ich wurde im Geschäft schon mehrfach auf meine Kleidung angesprochen und nach den Schnitten gefragt. Mit schlampigem Verhalten, wie etwa “ach die Garnfarbe passt schon, ich such nicht weiter” kommt man schonmal gleich nicht durch und wird direkt mal zur Akkuratesse gezwungen (“nein nein, da finden wir noch was besseres. Schauen sie mal das. Oder das. Das passt viel besser”). Auch wer etwa plant eine Babydecke aus nur einem Stoff zu nähen, wird gern zurechtgewiesen, dass das ja wohl ein wenig zu unspektakulär wäre und zumindest mal ein paar Quadrate jawohl drin wären (“kommen Sie, ist doch ein Geschenk, legen Sie sich mal was ins Zeug”). Am besten hat mir aber die Erklärung der einen Dame dazu, warum sie ihre Kleidung selbst näht, gefallen:

Da hab ich eine Indianermentalität: Was ich selbst machen kann, muss ich nicht tauschen.

Großartig, oder?

 
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Dieser Post gibt allein meine Meinung wider und wurde nicht gesponsort oder mit dem Geschäft abgestimmt.

Veggieblogtag-Revival #1: Vegetarische Bolognese

Ich habe einen ganzen Haufen Fotos von Essen, das ich dann nicht zu bloggen geschafft hab. Und bevor ich vergesse, was ich da eigentlich gekocht habe, arbeite ich das jetzt mal ab. Ist ja auch Donnerstag, also Veggietag. Beginnen möchte ich mit einem Rezept, das hier quasi als zweite Auflage daherkommt. Dieses Blog wird dieses Jahr fünf Jahre alt und es bleibt nicht aus, dass ich Rezepte, die ich in den Anfangsjahren verbloggte inzwischen überarbeitet und verbessert habe. So wir dieses. Vegetarische Bolognese.
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Mit Bolognese ist es ja so, dass sie mich – wie vermutlich die meisten – an die glückseligsten Stunden der Kindheit erinnert. Umso wichtiger, dass ich eine vegetarische Alternative habe, die den Geschmack trifft, der diese Erinnerungen hervorruft, ohne jedoch Hackfleisch zu benötigen. Es mag sein, dass der Kindheits-Bolognese-Geschmack bei anderen anders schmeckt. Jede Familie mag da ihr eigenes überliefertes Rezept haben. Meines zum Beispiel stammt von meiner Großtante Moni und ist erstaunlich ausgefeilt dafür, dass es der Überlieferung zufolge aus deren Studiums-WG stammt. Wer also ein Familien-Bolognesen-Rezept hat, der kann dieses bequem mit meinem vereinen in dem Sinne, dass er die Soja-Verarbeitung übernimmt und dann gemäß gusto damit weiter verfährt.

Ich verwende inzwischen frischen Tofu eigentlich nur noch für asiatische Gerichte, in geräucherter Form als geschmacklicher Schinkenersatz und gelegentlich für Bratlinge, für die meisten anderen Belange nehme ich getrocknetes Soja oder auch mal Convenience-Soja-Produkte wie Sojahack oder Sojaschnetzel aus dem Kühlregal (vor allem, wenn es schnell gehen soll). Neben der für mich schöneren Konsistenz ist der große Vorteil an Trocken-Soja, das man es gut lagern und passgenau dosieren kann. Vom Tofublock bleibt dann zum Teil was über, das dann verdirbt.

Zutaten für 8 Portionen (ich koche vor und mache die Soße ein):

100g Sojaschnetzel fein
2 Zwiebeln
2 Zehen Knoblauch
1 Stange Lauch
2 Möhren
1/4 Sellerie
2 EL Tomatenmark
2 Dosen Tomaten (gewürfelt)
100 ml Milch

Sojasoße
Gemüsebrühe
Zucker
Oregano
Paprika edelsüß
1 Lorbeerblatt
Pfeffer
Salz
Chilipulver nach persönlicher Präferenz

  • Los geht es mit den Sojaschnetzeln (wer convenience-Soja-Bolognese verwendet, startet sofort beim nächsten Punkt): Die Sojaschnetzel in eine Schüssel geben, dazu kommen 2 EL Sojasoße, 1 EL Zucker, 1 TL Oregano und eine gute Prise Pfeffer, dann das ganze mit einer kräftigen Brühe (ich nehme Brühpulver – ich Banausin) übergießen, so dass die Schnetzelchen gut bedeckt sind und stehen lassen, bis die Schnetzel weich sind. Das dauert je nach Fabrikat 10-20 Minuten. Man kann die probieren, ist zwar nicht sehr lecker aber auch nicht schädlich.
  • Nun alles Gemüsen inkl. Zwiebeln und Knoblauch in feine (!) Würfel schneiden. In einer Pfanne Olivenöl erhitzen. Nun kommen die Gemüsewürfel und das eingeweichte Soja (oder das fertige Soja-Gehackte) inkl. seiner Einweichbrühe dazu. Das ganze jetzt bei mittlerer anschmoren bis alle Flüssigkeit verdunstet ist. Dabei schön geduldig sein, nicht zu oft rühren, das braucht seine Zeit.
  • Wenn die Sojaschnetzel leicht Farbe bekommen, das Tomatenmark zugeben, kurz mitbraten (das vertreibt den “dosigen Geschmack”) und dann mit den Tomatenwürfel ablöschen. Das Lorbeerblatt reinwerfen, kräftig salzen, pfeffern und mit 1 TL Paprikapulver sowie einer vorsichtigen Prise Chili würzen.
  • Jetzt mindestens 45 Minuten mit Deckel drauf auf kleiner Flamme köcheln lassen. Zwischendurch ggf. Flüssigkeit auffüllen.
  • Kurz vor Ende der Garzeit die Milch zugeben und abschmecken.

 

Ich mache die Hälfte der Soße ein, indem ich sie in ein Schraubglas gebe und bei 120 Grad eine Stunde im Ofen sterilisiere (ich mache das wenn ich den Ofen eh brauche oder wenn ich noch anderes eingemacht hab) – man kann sie auch sehr gut einfrieren egal ob mit oder ohne Nudeln. So kann ich entweder für einen anderen Tag eine “Fertigsoße” vorproduzieren oder einige Portionen Büroessen vorbereiten.
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Hat noch jemand vegetarische Rezepte auf Lager und wartet nur darauf, sie zu verbloggen? Her damit!

Heimliches Shawl-Stricken

Bei Monika von wollixundstoffix gibt es seit Ende Januar einen Summer Shawl Knitalong, dessen Zeitplan mich schon beim lesen ganz atemlos macht. In nicht mal 6 Wochen ein Tuch stricken? No way.

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Dabei stricke ich mir schon gerade ein Tuch. Aber nunja, ich stricke daran seit Ende Juni. Und zwar legte ich es für einige kleinere Projekte mal zur Seite. Aber dennoch ist es aussichtslos, es bis Ende Februar fertig zu bekommen. Denn ich stricke gerade am 2. von 4-5 Knäuel. Immerhin habe ich mir für dieses Jahr vorgenommen, mehr zu stricken. Also genauer: mehr zu stricken statt im Internet Zeit zu vergeuden. Es bleibt allerdings das Problem der Strickgelegenheiten. Denn ich schaue eigentlich nie fern, nein auch keine Serien, nur selten mal einen Film. Und wenn wir einen Film schauen, dann bin ich immer dermaßen paralysiert, dass ich vergesse, dass in meiner Hand Strickzeug ist. Ich fahre auch leider leider kein ÖPNV mehr. Folglich stricke ich nur einzelne Reihen, wenn ich den Minimensch beim Spielen beaufsichtige und ab und an bei langen Autofahrten. Da ist das Fortkommen frustrierend langsam. Aber wo alle ihre tollen Tuchpläne zeigen, kann ich ja auch mal mein Tuch bzw. meine Stola zeigen:

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Es ist das Strickmuster Meandering Vines Shawl, von Susanna IC, das es bei ravelry gibt. Ich finde es wirklich sehr schön, vor allem auch, weil man es wohl auch mit dickeren Qualitäten stricken kann – oder so wie im Designbeispiel mit doppeltem Faden. Mir ist ja Lace sonst zu fimpschig. Ich hatte das Muster schonmal aus Drops Lace angestrickt, fand es dann aber viel zu mühsam und hatte für mich mit Lace-Stricken schon abgeschlossen. Dann kam ich irgendwann auf die Idee, es mit Drops Alpaka und einer etwas dünneren Nadel (3,25 statt 4) nochmal zu probieren. Das erste halbe Knäuel verstrickte ich auf dem Hin- und Rückflug nach Melbourne letztes Jahr im Juni. Dann beendete ich zwei Strickufos im Sommerurlaub, strickte zwei Paar Socken und bis Sonntag ein Paar Puschen (bah!) und begebe mich nun erneut an die Stola, die seitdem immer mal wieder mit auf lange Autofahren ging. Leider vergesse ich durch die langen Unterbrechungen das im Prinzip recht simple Muster schnell wieder und finde mich immer nur mühsam ein. Ich bin aber nun entschlossen, die Stola zu Ende zu stricken. Wann allerdings “zu Ende” ist, finde ich noch etwas schwer festzulegen. Ich hätte 250g Wolle und nach den ersten 50g dachte ich “oh, das ist kurz” nun bin ich bei etwa 80g angelangt und denke, dass nach Spannen schon etwa die Hälfte einer guten Stola-Länge erreicht sein wird. Folglich peile ich mal 150-200g an und sage mir, dass ich jetzt schon die Hälfte geschafft hab (ist ja auch psychologisch schlau).

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Das Muster strickt sich übrigens gut und wird, glaub ich, auch ganz schön werden. Es ist eine gute Mischung aus komplex und gut auswendig zu lernen und ich finde die Beispiele auf Ravelry z.T. sehr schön.

Und wenn ich dann fertig bin, stricke ich mir endlich ein Tuch in Bananenform – die Form scheint mir nämlich total super zu tragen. Aber sicher nicht von Stephen West. Sondern zarter und weniger kraus rechts und weniger bunt.

Sonntagssachen #4/2016

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Ich habe Ausschlaftag und übernehme nach dem aufstehen ein quietschfideles Kind, das dringend im Tigerkostüm zum Bäcker gehen muss. Hat sich gelohnt, der Bäcker war derart verzückt, dass er eine halbe Waffel rausrückte. Sonntagsfrühstück, nur echt mit Milchkaffee, O-Saft und Croissant. Der Minimensch träumt derzeit sehr heftig, erwacht mehrmals pro Nacht wild strampelnd und schreiend und schläft daher zur Zeit viel bei uns. Dadurch schlafe ich sehr angespannt und trage eine Beton-anmutende Schulter- und Nackenpartie durch den Alltag. Dem erstmal mit Schmerzsalbe zuleibe gerückt. Wir vertrödeln große Teile des regnerischen Tages, zwischendurch gibt es Green Smoothie aus den vom Kind verschmähten Teilen des Obsttellers. Wir machen Pideteig und später Pide – voller Erfolg. Saulecker, Kind kann super helfen, Küche erfolgreich in Gänze bemehlt. Gegen das Pide-Koma hilft nur ein Espresso. Ich nähe mein Schmetterlings-Anna-Dress zuende, das leider nicht sooo toll geworden ist und schneide direkt aus den Stoffresten Unterhosen zu. Neue Effizienz dank #projektbrotundbutter. Und dann noch ein paar Reihen Puschen stricken auf dem Sofa. Guter Tag.

Me made Mittwoch: Kuscheldecke

 

IMG_20160203_093225909Geht es euch auch so, dass ihr es derzeit ausgesprochen ungemütlich findet? Ich jedenfalls hatte in den letzten Tagen oft, obwohl es ja eigentlich nicht kalt ist, das dringende Bedürfnis, mich sehr kuschelig einzupacken. Decke, warme Socken, Tee, Sofa. Bloß nicht raus in dieses nass-stürmische Grau des herbstesquen Winters. Gerade am Schreibtisch kroch mir da schonmal eine unangenehme Kälte in den Nacken. Igitt! Und so traf es sich gut, dass auf meiner #projektbrotundbutter-Abarbeitungsliste an nächster Position der Cardigan “Hope” aus der La Maison Victor Sept-Okt 2015 stand. Der lag bereits seit Monaten zugeschnitten herum und wurde von mir in grandiosen 30 Minuten am Montagabend zusammengeoverlockt. Und stellte sich dann bei der ersten Anprobe als tragbare Kuscheldecke heraus. Tatsächlich hat das ganze mit einem Cardigan weniger Ähnlichkeit als mit einem komfortablen Schultertuch – nicht gerade meine ansonsten präferierte Silhouette aber momentan doch dann irgendwie genau richtig.

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Eigentlich sieht der Schnitt noch ein umlaufendes Bündchen und Ärmelbündchen vor – das würde vermutlich den Kuscheldecken-Eindruck etwas abmildern. Allerdings hatte ich dafür nicht genug von diesem wirklich tollen rauchlilanen Strickstoff von dem ich in irgendeiner Umnachtung nämlich nur 1,2m gekauft hatte. Ich habe ihn vor 2 Jahren im Alfatex-Winter-SSV erworben, da kaufte ich ca. 70m Stoff um mich für die Durststrecke nach der Elternzeit zu bevorraten, von denen ich heute noch zehre. Möglicherweise war er ein Reststück, konkrete Pläne hatte ich länger nicht. Für einen Nina-Cardigan reichte er nicht und so beschloss ich, es mal mit Hope zu versuchen. Ich musste bei der Armlänge etwas Kompromisse machen und Bündchen wären definitiv sowas von nicht mehr aus dem Stoff zu quetschen gewesen. Ich hatte dann zunächst Ärmelbündchen und Belege aus einem ebenfalls lilanen Crashjersey zugeschnitten, der auch schon länger lagerte. Als ich dann aber die großen Teile zusammengenäht hatte, fand ich die Farbe und pure Anmutung des ganzen so schön, dass ich einfach nur alle Kanten schmal umgeschlagen und abgesteppt habe.

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Aus den wirklich mickrigen Resten des Strickstoffs konnte ich noch genau Armstulpen zuschneiden, die ich nun bei Bedarf noch als zusätzliche Eskalationsstufe ergänzen kann, falls mir die halben Ärmel zu frostig sind.

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Sollte mir im Laufe des Tages warm genug sein – zum Beispiel nach adrenalingeladener Vorlesung – kann ich dann die Decke abwerfen und darunter versteckt sich ein weiteres #projektbrotundbutter-Teil, nämlich ein Shirt (!) im Paisleymuster (!), das blau, lila und türkis ist. Quasi quietschebunt also und kompatibel mit ca 50% meiner Röcke. Heureka. Der Jersey ist ein edler Markenjersey von Polytex aus Viskose, Baumwolle und Elasthan. Es handelte sich um ein Reststück von 63cm, das ich jetzt ein halbes Jahr lang jedes Mal aus der Restekiste meines lokalen Herzens-Stoffgeschäfts zog und ob des immernoch stolzen Preises zurücklegte. Für #projektbrotundbutter habe ich es dann jetzt doch gekauft und in ein Shirt vernäht. Der Schnitt ist Plaintain von Deer and Doe, allerdings nähe ich den stets abgewandelt: Ich nehme die Weite in der Hüfte und die Länge weg, das habe ich einfach von einem Kaufshirt, das gut saß abgenommen, auch das Armloch verkleinere ich leicht. Ich nähe 34 in den Schultern, 38 in der Brustweite und 36 an Ärmeln und Rücken. Aus Stoffmangel habe ich für dieses Shirt zudem die Arme etwas verschmälert und das Armloch weiter verkleinert, das ging weil der Stoff sehr dehnbar ist.

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Ich bin mit Shirt und Jacke sehr zufrieden und finde auch die für mich gewagte Kombi von drei (!) Farben durchaus stimmig. Vermutlich werde ich den Cardigan zuhause ständig tragen, weil er so schön flauschig ist. Unter dem Mantel ist er eher nicht ideal und zu weiten Röcken passt er auch nur mäßig – aber gut, was soll’s – hauptsachen warm!

Die wundervolle Karin zeigt heute meinen Liebling Anna in Lieblingsfarbe blau und mit einer Jacke, die im Gegensatz zu meiner kein unförmiger Sack ist. Wie schön!

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Der Vollständigkeit halber: Der Rock ist ein alter Bekannter. Der Blaurock, nach Knipmode 11/2012. Inzwischen mit neuem Bund und neuem Reißverschluss und ohne Bindeband.

Sonntagsbilder #3/2016

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Einen Plan für Projekt Brot und Butter fotografiert. Täglich grüßt das Murmeltier: Knöpfe angenäht. Geschenke eingepackt und los gefahren zu leckerem Frühstück in gemütlicher Runde. Brav den Reißverschluss auf Telisabie getrennt. Viel Wäsche gefaltet. Tiere gestapelt. Immer mal wieder das Linkup gecheckt. Mit eifrigem Helfer Kartoffeln geschält.

#projektbrotundbutter: Zweites Treffen – Der Plan

Hallo in die Runde. Ich bin vollkommen geflasht, wieviele sich beim ersten Treffen verlinkt haben und mitmachen wollen bei “Projekt Brot und Butter”. Es war auch ganz toll, dass ich bei der AnNÄHerung live bei der Umsetzung einiger Brot-und-Butterteile dabei war und dass zwischendurch viele von euch schon Teile für die Aktion gezeigt haben. Ich freue mich sehr.

Heute soll es nun konkret werden. Welche Schnitte und welche Stoffe habt ihr euch rausgesucht? Habt ihr schon alles da, oder müsst ihr noch shoppen gehen, abpausen und passende Knöpfe finden? Braucht ihr Rat oder einen kleinen Schubs? Habt ihr schon angefangen zu nähen oder gar schon was fertig?
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Ich habe meinen Plan nun fast komplett fertig und kann auch die meisten Teile aus meinem Vorrat bestreiten, so dass ich, wann immer ich Zeit finde, direkt ein Teil anfangen kann. Das plane ich:

  1. Oberteile

Ich habe vor mindestens 5 Oberteile zu nähen. Dabei sollen möglichst gute Kombiteile entstehen, das heißt farblich sollte lila, petrol, rot, beere, blau, grau, schwarz vertreten sein. Schön wäre, wenn es ein paar Musterteile gäbe, außerdem sollte mindestens eins eine Bluse sein, einfach weil das schon solang auf meiner Wunschliste steht, mal von den immer gleichen Shirts wegzukommen.

Schon fest geplant sind:

2 klein gemusterte Shirts nach meinem bewährten Oberteilschnitt, das Plaintain-Top von Deer and Doe. Einmal Paisleymuster in blau, den Viskose-Jersey habe ich aus der Restekiste meines lokalen Stoffladens und es waren nur 63cm Stoff. Einmal sehr feine Blümchen in petrol-braun, auch Viskosejersey, den ich in Bielefeld vom Tauschtisch genommen habe.

Mindestens 2 schwarze Shirts, eins aus sehr feinem Merinojersey, eins aus normalem Viskosejersey. Beides ist vorhanden. Vermutlich nehme ich da auch Plaintain.

Eine Bluse nach dem Schnitt Oakridge oder dem Schnitt Alma von Sewaholic. Hier hätte ich dreimal Stretch-Popeline von fashion for designers in rot, lila und beere. Alma habe ich bereits mit kurzen Ärmeln genäht und würde ich jetzt mit langen Ärmeln fertigen. Oakridge reizt mich wegen der Knopfleiste OHNE Hemdkragen, wäre aber mehr Anpassungsarbeit und ich habe keine passenden Knöpfe- hier muss ich mich noch entscheiden.

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Jersey für mindestens 3 weitere Shirts hätte ich hier in petrol, lila und blau. Da würde ich vielleicht mal das Cabarita Knit Top probieren wollen, aber da müsste ich Ärmel ansetzen. Mal schauen, wieviel Luft für Experimente mir bleibt.

2. Röcke

Ich möchte gern drei Röcke im Rahmen der Aktion nähen.

Fest geplant ist:

Ginger Skirt von Colette aus diagonal gestreiftem dickerem Hosen/Rockstoff in schwarz mit grauen Streifen. Zwar habe ich mit meinem Probe-Ginger einen Reinfall erlitten, denke aber, dass das ein Zuschnittfehler war und bin daher optimistisch, dass das ein einfaches und schnelles Projekt ist.

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Faltenrock aus Flanell in Bordeauxrot. Das ist ein Versuch, den schwarzen Faltenrock zu klonen, den ich zu meinem Blazer vorletzten Mittwoch trug. Ich habe den Rock genau vermessen und einen Schnitt konstruiert. Als möglichst tragbare Probe würde ich diesen Salt-and-Pepper-Flanell nehmen, der ein Rest-Stück von meinem letztjährigen Wintermantel ist, das ich weinrot gefärbt habe. Der Stoff reicht gerade so, aber ein Reinfall würde nicht schmerzen und der Fall passt gut.

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Weitere Rockstoffe sind vorhanden, bspw. dieser Wollstoff in lila-schwarzem Muster. Auch graue und blaue Woll- und Baumwollstoffe mit festem Fall gibt es reichlich. Bei den Schnitten bin ich noch nicht 100% entschieden. Einen Simplicity 2451 könnte ich zum Beispiel auf jeden Fall noch integrieren. Auch der Bahnenrock aus der Burda, den ich schon in lila zur Probe genäht hab, böte sich an. Beide Schnitte sind kopiert und angepasst, das werde ich wohl nach Laune entscheiden.

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Ein Rock zum Blazer fehlt auch noch, da werde ich vermutlich einen Tellerrock und einen Simplicity 2451, schmale Variante, das muss aber nicht beides in den nächsten zwei Monaten sein.

3. Kleider

Eigentlich hatte ich nur ein Trägerkleid und ein Jerseykleid geplant. Allerdings hat mir das Trägerkleid, das ich am Mittwoch gezeigt habe, so gut gefallen, dass ich es wohl klonen werde. Es scheint mir sehr alltagstauglich und war nicht kompliziert zu nähen. Beim nächsten Mal lasse ich den Reißverschluss hinten einfach weg, dann geht es noch schneller. Als Stoff habe ich diesen sehr weich fallenden aber sehr schweren grau-schwarzen Stoff ins Auge gefasst, den ich von meiner Schwiegermutter bekam und von dem ich vermute, dass er zum Großteil aus Viskose ist.

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Außerdem ein Anna-Dress aus Jersey. Der Schnitt ist bekannt und geliebt, allerdings ist es natürlich ein Experiment, ihn aus Jersey umzusetzen.

4. Jacken

Ein Blazer stand schon lang auf meiner Wunschliste. Den habe ich jetzt schon fertig und kann ihn als Erfolg verbuchen.

Zusätzlich werde ich einen Cardigan nach dem Schnitt “Hope” aus der La Maison Victor Herbstausgabe 2015 nähen. Aus einem rauchlilanen Wollstrick mit langen Ärmelbündchen aus Viskosejersey.

Strick für noch einen Nina-Cardigan ist vorhanden, das wäre ein Bonusprojekt.

Und was habe ich schon geschafft?

Zuerst habe ich den Blazer genäht. Das bot sich an, dieses Mammutprojekt zu Beginn mit dem frischen Schwung des neuen Jahres und auf der AnNÄHerung mit reichlich Unterstützung anzugehen. Der Blazer ist fertig und schon mehrfach getragen, ich bin sehr zufrieden und freue mich, ihn z.B. demnächst mit einem roten Faltenrock kombinieren zu können.

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Dann habe ich das Trägerkleid Telisabie genäht, das ich auch schon für die AnNÄHerung zugeschnitten hatte. Auch das hat sich schon als Alltagsstück bewährt, ich werde es aber noch etwas enger machen, da der Stoff beim tragen sehr nachgibt und es jetzt in der Taille ziemlich bollert.

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Da habe ich mir natürlich gleich zu Anfang mal die eigentlichen Außenseiter meines Plans (keine Röcke, keine Oberteile) vorgenommen. Als mir das irgendwann Mitte letzter Woche aufging, habe ich sofort pflichtschuldig drei Kinderunterhosen genäht drei Shirts zugeschnitten und auch bereits eins davon genäht:

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Das Paisleyshirt ist fertig. Es Zuschnitttetris-Profilevel von Nöten, aber ich habe tatsächlich aus 63cm Jersey mit nur einer Dehnrichtung ein langärmeliges Shirt gequetscht. Es sitzt auch gewohnt gut und wird fortan meine blauen Röcke gut ergänzen.

Zugeschnitten außerdem das petrol-braune Blümchenshirt sowie das Merinoshirt.

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Bereits für die AnNÄHerung hatte ich das Anna Dress zugeschnitten und zwar aus diesem roten Baumwolljersey mit Schmetterlingen. Das liegt hier also und wartet drauf, genäht zu werden.

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Auch schon länger zugeschnitten ist der Hope Cardigan.

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Diese Teile werde ich also dann jetzt erstmal wegnähen, bevor die Projektstapel hier überhand nehmen. Danach werde ich mutmaßlich erstmal den Ginger oder den Faltenrock machen, allein schon um mal wieder was aus festem Webstoff zu nähen. Danach werde ich dann die nächsten paar Teile zuschneiden.

Bevor ich an euch weitergebe noch ein kleiner Hinweis, weil die Frage danach aufkam: ihr könnt selbstverständlich die im Rahmen dieser Aktion fabrizierten Dinge auch schon vor den Terminen auf eurem Blog zeigen, zum Beispiel im Rahmen des MMM. Die monatlichen Treffen hier sind ja ohnehin eher Sammel- und Planungsposts und fassen dann ja hoffentlich immer gleich mehrere Teile zusammen.

Und nun bin ich sehr sehr gespannt, was ihr plant und wie weit ihr schon seid! Das Linktool bleibt wieder eine Woche geöffnet, bitte verlinkt zurück auf diesen Post und keine Werbung, bitte!

Me made Mittwoch: Telisabie

Für mein heutiges Kleid bekam ich eben eine Kompliment von meinem Chef. Das passiert nur alle paar hundert Monde mal und ist deshalb ein eindeutiges Qualitätsmerkmal auch was sein Kompatibilität mit meinem Alltag anbelangt. Es ist schön UND passt offenbar gut in mein Arbeitsumfeld, ist bequem und trotzdem “sehr stilsicher” (Zitat Chef). Es ist außerdem petrol und damit hat es eh einen festen Platz in meinem Herzkleiderschrank.
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Es handelt sich um mein zweites anNÄHerungsprojekt, das ich in Bielefeld nur noch begann und dann zuhause fertigstellte. Der Schnitt ist eine Fusion aus dem Oberteil von Elisalex (by hand London) mit dem Taillenband und den Taschen von Cambie (sewaholic) und einem selbst konstruierten 2/5-Teller (ich habe eigentlich natürlich einen halben Teller konstruiert, aber mich beim Winkel oben ein bisschen verzeichnet, das macht dann im Saum schon satte 20 cm aus und da ich die etlichen damit produzierten Röcke gern trage, bleibt es jetzt halt bei 2/5-Saumweite). Daher Teller-Elisalex-Cambie oder kurz Telisabieimage

 

Der Stoff ist ein Flanell-Köper aus Wollbaumwollmischgewebe von Alfatex, relativ fest und sehr angenehm zu vernähen und zu tragen. Er ist leicht petrol-schwarz changierend weil die Schussfäden schwarz und die Kettfäden petrol sind.image

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Das Oberteil ist mit dem Rest des mintfarbenen Mantelfutters gefüttert und der Saum ist überhaupt der weltschönste, den ich je nähte: Verstürzt mit wundervollem Blümchenschrägband. Ich bin hellauf begeistert, wie toll das aussiehtimage

Ein ganz kleines bisschen ist das Kleid ein potemkinsches Dorf, denn das Futter flattert innen noch lose herum. Das liegt daran, dass mir bei der Anprobe das Oberteil unter der Brust und im Taillenband etwas weit schien, ich aber erst den Bequemlichkeitstest im Alltag machen wollte. Denn ein Brot-und-Butter-Kleidungsstück soll ja auch genug Platz zum bewegen, atmen, essen und vor allem am Schreibtisch sitzen bieten. Schon auf den Fotos sieht man aber, dass sowohl unter der Brust als auch im Rücken noch Weite weg kann. Nach einem Tag tragen hat sich inzwischen alles nochmal ziemlich geweitet und schlackert jetzt an mir herum. Das Futter allerdings nicht. Ich werde also wohl das Futter noch etwas raus lassen und das Kleid noch etwas enger machen. Im Rücken habe ich auch wiederum ein bisschen viel Länge – obwohl ich schon von vornherein welche rausgenommen hab, aber ich bin da, gerade bei rückwärtigem Reißverschluss wohl immernoch zu zaghaft mit der Hohlkreuzanpassung.

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Dann wird das Kleid aber tatsächlich ganz Brot und Butter sein, denn es lässt sich mit Shirt oder Bluse drunter tragen. Ich finde solche Träger-Kleider mit Oberteil drunter haben immer eine leichte Uniform-Anmutung und das passt ja auch irgendwie zu dem Gedanken, dass Brot-und-Butter-Kleidung letztlich unsere Alltagsuniform ist.

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Beim Me made Mittwoch gibt es heute wieder haufenweise Alltagskleidung zu sehen. Unter anderem ganz viele Kleidungsstücke aus dem #projektbrotundbutter. Sehr schön!

Sonntagssachen #2/2016

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Milchkaffee mit zufälligem Palmwedel. Bücher vorgelesen, sehr viele Bücher. Den Klamottenablagestuhl aufgeräumt. Den Kopfschmerzen einen mit der medizinischen Keule drüber gegeben. Einen Faltenrock konstruiert. Das Zwischenübernachtungszelt zur Probe im Wohnzimmer aufgebaut, zur großen Freude des Minimensch. Auf besonderen Wunsch Apfelunterhosen in Gr. 98 zugeschnitten. Incentives sind alles. Puschen gestrickt. Mit fleißiger Unterstützung Pizza gebacken. Urlaubsplanung.

Me made Mittwoch: Der anNÄHerungs-Blazer

Heute trage ich meinen neuen Blazer, den ich am Wochenende in Bielefeld genäht habe.
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Man muss vielleicht dazu sagen, dass ich eigentlich zu keinem Zeitpunkt jemals tatsächlich ein Kostüm brauche. Ich besitze ein schwarzes Kostüm und einen grauen Blazer, die ich zu formellen Anlässen trage und die damit vollkommen ausreichend sind. Ein Blazer oder dann auch später ein Kostüm ist daher für mich eher eine Variante oder Spielerei um der Rock-Oberteil- und Kleid-Uniform noch etwas hinzuzufügen. Ich würde ein Kostüm daher auch eher wie ein Kleid tragen. Entsprechend ist mein Blazer auch aus einem eher unkomplizierten Stoff, einem robusten Baumwollstoff mit leicht flanelliger Rückseite in dunkelgrau mit schwarzem und dunkelrotem Webkaro. Das dunkelrote Karo ist aus einem Lurex-Faden und deshalb kaufte ich den Stoff vor ca. 2 Jahren, dieser dezente Glitzer gefiel mir auf Anhieb. Der Stoff ist von der Haptik etwa wie Jeansstoff, aber nicht Köper- sondern Leinwand-gewebt. Leider hat er in der ersten Wäsche eine enorme Menge Flusen auf sich selbst verteilt und auch ziemlich ausgeblutet, so dass er jetzt mehr ‘used’ aussieht, als eigentlich meine Absicht war. Ich nehme ihn aber wie er ist- jetzt also in used.

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Der Schnitt ist auch schon seit 1,5 Jahren getestet und angepasst gewesen. Aber dann fehlte immer die Zeit ein solches Mammutprojekt anzugehen, vor allem weil ich die Taschen des Originalschnittmusters dringend abwandeln wollte und aber noch nie Paspeltaschen genäht hatte. Da fand ich natürlich auf der anNÄHerung fachkundige und nette Unterstützung, so dass ich nun perfekte Paspeltaschen habe. Ich bin sehr sehr stolz.
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Ich trage den Blazer heute mit einem alten Faltenrock aus sehr fester schwarzer Gabardine von H&M, weil ich natürlich noch Stoff aber noch keine Zeit hatte, einen passenden Rock zu nähen. Obwohl der Stoff grau mit schwarzem Karo ist, wirkt er neben dem schwarz recht blau. Ich werde wohl auch noch einen dunkelroten und einen grauen Rock nähen, so dass ich dann eine kleine Blazer-Entourage habe. Also irgendwann, wenn ich halt passend grauen und dunkelroten Stoff gefunden habe.

Der Rock ist übrigens der einzige Faltenrock der Welt, der mir gut steht. Alle Versuche einen schönen Faltenrock zu nähen sind bisher gescheitert, ich vermute, dieser lebt von der Kombi aus Keller- und anderen Falten sowie dem sehr festen Stoff. Irgendwann, eines schönen Tages, baue ich ihn aus einem Grundschnitt heraus nach.

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Praktischerweise habe ich vor ca. 4 Jahren einen Kragen im perfekten Dunkelrot gestrickt, der mir heute ganz hervorragende Dienste leistete und den ich – gemeinsam mit Stulpen – genau perfekt grungig zum etwas abgerockten Stil des Blazers fand.

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Die Rückenansicht offenbart: Ich könnte noch ein wenig an der Hohlkreuzkorrektur optimieren und ich habe vergessen, die Schulterpolster einzusetzen. Letzteres hole ich noch nach, bei ersterem bin ich noch etwas ratlos und werde mich wohl noch etwas weiterbilden müssen.

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Und nun noch eine kleine Flut von Detailfotos ohne schlechtes Bürolicht und auf dem Bügel:

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Der Schnitt ist aus der Knipmode 3/2011 und ich habe ihn schonmal zur Probe genäht und dabei die Änderungen identifiziert. Ich habe dieses Mal zusätzlich die Ärmel angepasst. Im Original sind weite Ärmel mit Manschette vorgesehen, ich hatte letztes Mal 3/4-Ärmel, dieses Mal habe ich daran gedacht, die Schnittteile entsprechend zu verlängern. Zusätzlich habe ich Falten in der Armbeuge gelegt, die dadurch eine gerundete Ärmelform geben, das macht die Ärmel unendlich bequemer als gerade Ärmel. Der Oberärmel ist 5cm länger als der Unterärmel und diese Mehrlänge steckt in den drei Falten. Das Prinzip habe ich von meinem Kaufblazer abgeguckt und dann mittels heften und probieren am Samstagvormittag nachgebaut.

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Außerdem habe ich Paspeltaschen und -knopflöcher genäht und die aufgesetzten Taschen aus dem Schnitt weggelassen. Die senkrechten Abnäher habe ich nach innen versetzt und deutlich verlängert, die Schultern verschmälert und die Ärmel verschmälert. In der Hüfte habe ich an der Seitennaht etwas zugegeben.

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Dieses Bild gibt die Farbe am besten wieder

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Ich bin sehr sehr zufrieden und freue mich schon auf die 1-4 Röcke dazu. Ich besitze sogar eine farblich sehr gut passende Jeans dazu (hört, hört!) und habe mich heute im Büro auch sehr gut angezogen und bequem gefühlt, besonders knautschig ist der Stoff auch nicht und ich werde den Blazer auch waschen. Er ist also tatsächlich auch ein Brot- und Butter-Teil geworden.

 

Dodo zeigt am heutigen MMM einen sehr schönen Mantel und ich habe schon zahlreiche andere anNÄHerungs-Produkte entdeckt!

 

Details:

Schnitt: Jasje 4, Knipmode 3/2011 (Danke Katharina und Sarah fürs leihen), Größe 40

Änderungen:

  • Ärmel verlängert, verschmälert, Bewegungsfalten zugegeben und keine Manschette angenäht.
  • Aufgesetzte Taschen durch Paspeltaschen ersetzt
  • Schultern schmäler, Abnäher nach innen versetzt und verlängert, Hüfte etwas rausgelassen
  • Futter komplett mit der Maschine verstürzt, Paspelknopflöcher genäht

Stoff und Material: Karierte feste Baumwolle von Alfatex (5,90/m), Futter von fashion for designers (Coupon, vermutlich teurer als der Oberstoff), Knöpfe aus dem lokalen Stoffladen, Gewebeeinlage