Me made Mittwoch: Nicht-so-toll-Faltenrock

Pünktlich zum Temperatursturz ist der MMM aus der Sommerpause zurück und ich trage einen neuen Rock. Das trifft sich ja ganz gut. An der bescheidenen Menge von Fotos kann die geneigte Leserin aber schon ablesen: Zufrieden bin ich nicht.
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Der Rock hat eine etwas verworrene Entwicklungsgeschichte. Sie begann damit, dass ich mir rote Schnürschuhe bei Kleiderkreisel bestellte, die sich dann, als sie ankamen, als sehr schön und sehr himbeerrot herausstellten. Ich mag Himbeerrot. Aber ich hatte tatsächlich exakt kein passendes Kleidungsstück im Schrank. Also musste nun Kleidung für die neuen Schuhe her. (ja, ich habe auch NOCH ein Paar Himbeerschuhe bestellt.) Bei meinem Alfatex-Beutezug bei dem ich den Stoff für marrus gekauft habe, wanderte daher auch der Stoff dieses Rockes in meine Tüte mit dem Plan daraus einen Tellerrock zu nähen. Dann waren wir auf einer Hochzeit, zu der ich einen sehr geliebten schwarzen H&M-Faltenrock trug und ich beschloss, dass ich doch nochmal einen Faltenrock-Versuch machen sollte. Denn ich liebe das Aussehen von Faltenröcken. Ich mag nur die meisten davon so gar nicht an mir. Meine bisherigen Faltenröcke sind alle direkt nach Fertigstellung entsorgt worden, es klappte einfach nicht. Aber dieser eine Rock, der ist toll, sowas muss sich doch hinkriegen lassen. Er hat eine sehr ausgeklügelte Kombi aus Keller- und Andersrum (wie heißt das???)-Falten und Taschen im Faltenboden, der nach vorn verlegten Seitennaht. Dann fiel mir die Fashion Style April (?) in die Hände, darin dieser Schnitt. Und weil ja der Stoff, die Himbeerschuhe usw. da waren, beschloss ich, einfach noch mal einem Faltenrock-Schnitt eine Chance zu geben, bevor ich mir die Mühe mache, den geliebten Rock nachzukonstruieren. Dödöööö. Weitere Monate später war dann auch der Schnitt abgepaust, der Stoff gewaschen und ein Nähkränzchen angesetzt und ich nähte den Rock. Aufmerksame Leserinnen haben ihn schon in den Sonntagsfotos von vor 2 Wochen gefunden. Das nähen gelang nicht unbedingt reibungslos. Ich trennte jede Naht, zum Teil mehrfach, was aber nicht am Rock oder der Anleitung lag, sondern daran, dass ich nicht in die Anleitung schaute, dafür aber recht viel quatschte. Außerdem stimmten der Rock in meinem Kopf und der im Heft einfach nicht überein. So versuchte ich, den innenliegenden Bundbeleg oben als Bund anzunähen, weil ich einfach dachte, es müsse einen Bund geben, der aber gar nicht da ist. Und ähnliches. Am Ende war der Rock fertig, aber monster zu groß und vor allem fast knöchellang. Das hab ich bei der Knip manchmal, aber so krass noch nie. Ich kürzte als um 18 (!) cm und nähte ihn noch ordentlich enger so dass er eine tragbare Form erhielt. Aber mehr halt auch nicht.
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Er ist immernoch zu weit, sitzt für meinen Geschmack zu hüftig und ist deshalb auch wieder zu lang. Das bundlose Dasein finde ich auch höchst irritierend, dadurch dreht er sich beim gehen und ich muss das Shirt darübertragen. Und ich finde er hat auch viel zu wenig Falten und die springen genau an der breitesten Stelle meiner Hüfte auf. Hmpf. Das ist nicht, was ich mir wünsche. Aber ich hab auch nicht so viel Lust nochmal zu ändern, denn ich hab noch zwei Röcke zu flicken und sowas macht einfach keinen Spaß. Also trag ich ihn erstmal so. Ich hab aber auch kein Shirt, das richtig gut passt. Dieses ist eigentlich zu pink und trotzdem immernoch besser als alle anderen. Aber meine Motivation ein passendes Shirt zu nähen, hält sich auch in Grenzen. Ihr seht: Ich mag ihn nicht, den Faltenrock. Aber ich habe natürlich ein bisschen was darüber gelernt, wie ein Faltenrock sein sollte. Also probier ich es halt bald mal wieder… oder eben nicht.
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Einen Hinweis in eigener Sache möchte ich aber noch unterbringen: Ich habe gestern einen Post zur Aktion “Blogger für Flüchtlinge” beigetragen, und weil der jetzt durch den MMM-Post im Blog nach unten rutscht, möchte ich ihn hier nochmal explizit verlinken, denn die Sache ist (mir) wichtig.

Und jetzt ein letzter Hauch vom Sommer bei MMM.

#bloggerfuerfluechtlinge: Kurzsichtigkeit und Geschichtsvergessenheit

Blogger für Flüchtlinge-Logo

Im Internet tummeln sich – neben braunem Mob und anderen zu umgehenden Gruppierungen – ein Haufen tolle Menschen. Sehr viele haben sich bereits der Initiative “Blogger für Flüchtlinge” angeschlossen, die Spenden sammelt für Flüchtlinge und vor allem auch eine breite und bunte Front gegen rechts  im Netz formiert und unter dem Hashtag #bloggerfuerfluechtlinge haben viele ihre sehr persönlichen Meinungen und Ansichten zur derzeitigen “Flüchtlingskrise” veröffentlicht. Und es lohnt sich sehr, da hinein zu lesen. Viele der Blogposts haben mich tief berührt. Eindrücke von Helfern, die selbst hart zu knabbern haben an dem, was sie in den Aufnahmestellen, insbesondere in Berlin, erleben genauso wie persönliche Einblicke in Fluchtgeschichte in der Familie, dem Bekanntenkreis oder auch dieser Post mit einer naheliegenden Parallele, die uns aufzeigt, wie zerbrechlich unsere heile Welt ist. Ähnlich und genauso schmerzhaft: dieses virale Video. Ich finde es sehr wichtig, diese vielen Posts, auch wenn sie mich wirklich tief treffen, zu lesen. Ich sitze teilweise weinend vor dem Handy oder dem Rechner. Und bin sprachlos, ungläubig, dass es nicht jeder und jedem so geht. Wenn ich im Bus, im Supermarkt, im Internet mitbekomme, dass “die ja nur hier her kommen wegen des Taschengeldes”, “die ja hätten wissen können, dass hier auch nicht alles rosig ist” oder “die eh alle kriminell sind und nur an unser Geld und unsere Jobs wollen”. Ich kann das wirklich nicht glauben. Hass und Gewalt gegenüber Menschen, die schon alles, wirklich alles, verloren haben ist etwas, das ich weder emotional noch kognitiv fassen kann. Ich kann das nicht verstehen.  Und glücklicherweise gibt es ja wirklich viele Menschen, die sich ein Herz fassen, etwas tun, Vorbehalte überwinden und einfach mal anfangen. Hier in unserer Stadt zum Beispiel hat sich gleich mal ein Verein gegründet, alles läuft total reibungslos und es werden nicht mal mehr Sachspenden gesucht, weil so schnell aller Bedarf gedeckt werden konnte. Sehr viele ehrenamtliche Helfer sorgen dafür, dass Notunterkünfte laufen, Kleider sortiert und ausgegeben werden, Essen verteilt wird und Spenden ihren Bestimmungsort erreichen. Es formieren sich Facebook-Gruppen, die Hilfe koordinieren, Vereine, die als Ansprechpartner dienen usw. Das ist ziemlich toll und macht mich sehr froh, denn so sollte es doch sein, oder? Dass geholfen wird, wenn Hilfe gebraucht wird und die die können, denen helfen, die gerade nicht können.

Bei all der Freude über die große Resonanz für Hilfsaufrufe, das Engagement und die breite Front gegen rechts, kann ich aber natürlich den Kopf nicht abschalten. So bin ich. Denn natürlich läuft vieles ganz und gar nicht rund. Und das ist sicher am allerwenigsten die Schuld der Flüchtlinge. Viele Städte und Gemeinden sind mit der Menge an Flüchtlingen maßlos überfordert. Und die Länder, in denen die Flüchtlinge europäischen Boden betreten, Griechenland, Italien, Spanien, Ungarn noch viel mehr. Und erst recht die nicht-europäischen Länder an den europäischen Außengrenzen, die quasi als Durchgangsstraße des Flüchtlingsstroms zur Sackgasse oder zumindest zum Flaschenhals werden. Und hätte es denn so weit kommen müssen? Dass wir einen Zaun bauen, wo nicht eh ein Meer ist? Dass Flüchtlinge an den Rändern Europas verdursten? Dass auf deutschem Boden bei Registrierungsstellen Menschen ohne Nahrung, Dach und sanitäre Notversorgung tagelang ausharren? Dass recht sicher Menschen über den Winter in Zelten schlafen werden, weil die Containerproduktion nicht nachkommt? Ich glaube nicht.

Denn ich kann ein wenig weiter als gestern zurückdenken. Zum Beispiel vor etwa einem Jahr, da kursierte im Internet diese sehr sehr berührende Fotoreportage, wo ein Fotograf die Schuhe von syrischen Flüchtlingen fotografiert hatte. Und da dachten wir alle “oh krass”. Und da wurde um Spenden gebeten, damit die UN und diverse NGOs die Flüchtlingslager im Libanon, in Jordanien und in der Türkei mit Decken ausstatten und den um sich greifenden Seuchen Herr werden konnten. Und ist seitdem die Lage in Syrien besser geworden? Oder in einem der anderen Länder der Region? Wohl kaum. Was hat uns also glauben machen, dass die Millionen Syrer auf der Flucht alle irgendwo friedlich sitzen bleiben? In einer Region die gebeutelt und erschöpft und zudem klimatisch unwirtlich ist. Wir hätten schon darauf kommen können, dass die Leute versuchen würden, wohin zu kommen, wo es wirklich sicher ist. Nicht nur wohin wo es etwas weniger unsicher ist.

Und als reihenweise Boote im Mittelmeer kenterten. Haben wir da aufgemerkt und sofort eine europaweit koordinierte Flüchtlings-Verteilung anlaufen lassen? Haben wir sofort Unterkünfte und Registrierungsstellen aufgerüstet und haufenweise Menschen mit arabisch-Kenntnissen ausgestattet? Oder uns die Hilfe von bereits hier lebenden Arabern erschlossen? Nein. Vermutlich dachten wird, dass Italien einen Anbau an Lampedusa macht, und da bleiben die dann alle. Umzäunt am besten. Oder dass Griechenland das schon bürokratisch und finanziell hinkriegen würde, dass alle dort angelandeten dort auch registriert werden. Und Ungarn natürlich auch. Sind ja alles sehr reiche, gut organisierte Staaten ohne eigene Probleme, die das schon für uns wuppen können.

Und die angeblichen Wirtschaftsflüchtlinge aus dem Balkan. Diese bösen Asylbetrüger, die in krimineller Absicht nach hier kommen, obwohl ihr Land doch ein sicheres Herkunftsland ist. Europa hat die Unabhängigkeit des Kosovo stark unterstützt, im vollen Wissen, dass das Land keine funktionierende Wirtschaft, keine Infrastruktur hat, umgeben ist von Feinden und ohne fremde Hilfe nicht einen Monat überlebensfähig. Da konnte man sich auch mit wenig nachdenken ausmalen, dass die Situation dort nicht unbedingt rosiger und alle glücklich und zufrieden werden. Die EU kooperiert und verhandelt auch mit zahlreichen Balkanländern, schließt Assoziierungsabkommen, immer zum Wohle der Handelsbeziehungen und der Verbreitung des Euro als Sicherheitswährung. Und das, obwohl seit Jahren bekannt ist, in welchem Ausmaß die Roma in diesen Ländern diskriminiert, verfolgt und vertrieben werden. Auch im EU-Land Rumänien. Und dann wundern wir uns, dass diese Menschen ihr Glück woanders suchen, dass sie leichtgläubig Schleppern ihr Erspartes anvertrauen im Glauben, hier ein sicheres Einkommen, Ruhe vor Verfolgung und unendlichen Wohlstand zu finden? Das hätten die ja wissen können? Ja woher denn? Viele dieser Menschen wurden vom staatlichen Schulsystem ausgeschlossen in ihrem sicheren Herkunftsland, können weder lesen noch schreiben und haben keinen Zugang zu unabhängigen Medien. Und sie finden vermeintlich Hilfe, die einzige Hilfe, bei Schleppern, organisiert Kriminellen, Mafia und Banden. Weil sie keinen legalen Weg haben, ihre Situation zu verbessern. Nicht in ihren Heimatländern und nicht in Europa. Und dass da wenig unternommen wurde hat natürlich auch damit zu tun, weil Roma-Feindlichkeit auch in Südeuropa quasi institutionalisiert ist. Und außerdem eine jahrhundertealte Tradition hat. In ganz Europa.

Und zwar ist die gegenwärtige Flüchtlingswelle die größte seit dem zweiten Weltkrieg, so hört man. Aber ich zumindest erinnere mich daran, dass es auch in den 90ern mal eine große Flüchtlingswelle gab. Und die dazugehörigen Hass-Aktionen. Und haben wir aus dieser Zeit gelernt? Haben wir uns bemüht, das Asylgesetz und die Asylverfahren zu verbessern und europaweit zu vereinheitlichen? Haben wir in Erinnerung behalten, dass hunderte Flüchtlinge an einem Ort nicht besonders gut zu managen sind und zudem Unmut der Bevölkerung schüren? Und haben wir die damals aufgebaute Unterbringungs-Infrastruktur erhalten, ausgebaut und verbessert? Konzepte zur Integration entwickelt, Abläufe, wie möglichst schnell Schulbesuch, medizinische Versorgung, Unterbringung geregelt werden kann? Nein das haben wir nicht. Wir haben die Container verschrottet, den Mantel des Vergessens über Lichtenhagen et al. gebreitet und uns eingebildet, dass bestimmt gar nie mehr so viele Flüchtlinge kommen. Weil ja die Welt, wie wir alle wissen, ununterbrochen friedlicher geworden ist, seit den 90er Jahren.

Bekannte, die in der Kommunalpolitik aktiv sind, erzählen, dass viele Gemeinden monatelang den Kopf in den Sand gesteckt und die Entscheidung Unterkünfte einzurichten herausgeschoben haben, in der Hoffnung, es komme Unterstützung vom Land, vom Bund von sonst wem. Und nun sitzen wir da. Schönes Schlamassel.

Also bitte! Lernen wir. Dieses Mal wenigstens. Verbessern wir das Asylgesetz, schaffen wir legale Möglichkeiten nach Europa zu fliehen und europaweit einheitliche Asylverfahren. Schaffen wir ein Einwanderungsgesetz, das Zuwanderung ermöglicht. Sorgen wir für Integration nicht nur für Daseinsberechtigung. Und zwar vor allem von klein auf. Vor allem durch Bildung. Konservieren wir das Wissen, dass wir jetzt aus der Not heraus entwickeln und werfen es nicht wieder weg. Denn neben den vielen Krisenherden und der enormen Ungleichverteilung werden wir schon bald noch einen Grund sehen, seine Heimat zu verlassen: Dass es bald Gegenden in der Welt geben wird, wo die klimatischen Bedingungen ein Überleben nicht mehr möglich machen. Also besser schnell den Kopf aus dem Sand ziehen und zur Abwechslung mal was vorausschauendes tun. Bitte Regierung. Bitte Europa.

Sonntagssachen #8/2015

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Der Sonntag begann für unsere Verhältnisse spät und dann auch sehr kuschelig. Alle inkl Teddy mussten noch was chillen. Danach erstmal die Balkonpflanzen wässern solang es noch kühl ist. Brötchendienst mit interessanten Entdeckungen: um den Stab gewickeltes Straßenschild. Danach erstmal spielen und stricken auf dem Balkon. Und während der heißen Mittagsstunden ein Täschchen für die scheidende Babysitterin genäht und aus dem übrig gebliebenen Pizzateig Tear-Apart-Bread gebacken. Am Nachmittag aufgerafft und doch eine Runde in den Wald gegangen. Dabei die neuen Barfußschuhe eingeweiht (sie sind gut, könnten aber noch barfüßiger sein). Und danach noch einmal grillen. Tofuwürstchen, Grillgemüse und Kartoffelsalat. Und abends ein wenig weitergenäht am Hochzeitsgastkleid Nr.1. Ein Belladonne-Hack aus Pest-Viskose.

Ich habe übrigens 3 Fragen an Fashion for Designers gestellt. Samstag kamen die Antworten.

Sonntagssachen #7/2015

Auch gestern wieder Bilder gemacht:
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Der Tag begann recht früh. Der Minimensch erwachte vom Platzregen und sehnte sich nach Gemütlichkeit. Also wurde eine Höhle zum verkriechen gebaut und ein paar Bücher gelesen. Das obligatorische Frühstücksbild vergessen, zum Glück musste niemand zum Bäcker bei dem Regen. Noch schnell die Ladung Marmelade vom Vortag gelabelt (ja, Kreppband und Edding, mehr Liebe gibt’s hier nicht in Sachen Labels) und dann auch schon das Nähkränzchengepäck zusammengesucht und ab aus dem Haus. Die Anfahrt zu Freundin L. gestaltete sich allerdings schwierig, ein Radrennen blockierte den Weg und der Regen verlangsamte den Verkehr zusätzlich. So traf ich als letzte ein und Frau Pepita und Nähfreundin Z. waren auch schon da. Ich nähte einen Faltenrock aus der Fashion Style. Und trennte ca. jede Naht dreimal weil ich die Anleitung ignorierte und nebenher zu viel quatschte. Und natürlich gab es auch reichlich leckeres Essen, das probiert werden wollte. So verging der Nachmittag wie im Flug und schwuppdiwupp stand der Heimweg an. Immernoch im strömenden Regen, schön ist anders und langsam ging’s auch schon wieder. Grmpf. Zuhause wurde dann Gulasch gegessen, das Kind ins Bett gebracht und schließlich noch der Rock gepüstert (18cm zu lang!!!) sowie – huch, wie konnte das passieren – ein Schlüpper genäht. Ja. Ich weiß. Ich sagte, ich würde niemals Unterwäsche nähen. Geschwätz. Gestern. Und dann aber hopp ins Bett mit ebook und der Aussicht auf einen Regenmontag.

Macht euch eine schöne Woche!

Stoffwechsel III – Mein Kleid

So. Seit vorgestern ist mein Kleid nun auch fertig und gestern warf ich es kurz für Fotos über, obwohl die schwüle Wärme natürlich nicht ganz adäquat für das Kleid ist.

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Ich hatte ja einen wunderschönen türkisen Baumwollstoff bekommen mit feinen rot-weiß-Ornamenten. Es war für mich sofort klar, dass ich das rot mit Paspeln aufgreifen möchte und so schwankte ich lediglich zwischen dem Frau-Kirsche-Kleid (Knip 9/2011) und dem Cambie-Dress (sewaholic). Da ich aber ohnehin viel zu wenig Kleider mit Ärmeln habe und das Frau-Kirsche-Kleid außerdem der für mich routiniertere Schnitt ist, wurde es ein Frau-Kirsche-Kleid. Und zwar ein tolles.

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Ich habe mir, wie immer beim Stoffwechsel, extra viel Mühe gegeben. Irgendwie möchte man es einfach so gut wie irgend möglich machen, um dem mit Liebe ausgesuchten Stoff auch gerecht zu werden.

Ich habe daher das Oberteil, das ich sonst immer etwas ad-hoc angepasst habe nochmal vernünftig angepasst nach Abgleich mit meinem Grundschnitt. Ich habe Gr. 38 genäht, ein FBA gemacht und die Schultern zusätzlich verschmälert. Ungewollt habe ich auch das Taillenband um 1cm verbreitert, weil ich vergaß, wieviel Nahtzugabe ich zugegeben hatte. Nunja. Ansonsten habe ich nur den Rock in Falten gelegt statt ihn zu kräuseln und den Ausschnitt tiefer ausgeschnitten.

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Mit dem Ausschnitt bin ich nicht ganz zufrieden, der steht ein bisschen ab. Und unter der Brust und im Rücken ist etwas viel Stoff. Das ist mir in letzter Zeit ständig passiert und das obwohl ich eigentlich über den Urlaub sogar zugenommen hab. Ich frage mich, ob mein Unterbewusstsein damit rechnet, dass ich noch mehr zunehme oder was da los ist. Hier ist es aber noch erträglich und stört mich nicht. (Wahrscheinlich bin ich einfach pingeliger geworden)

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Ich finde das Kleid toll, ich werde es sicher, sobald die Temperaturen wieder unter 25 Grad sind, gern und viel tragen. Leider passen die Schuhe, die meine Stoffpatin zum Gedanken an rote Akzente inspirierten, gar nicht zur Paspel. Zu himbeerig. Muss ich mir wohl rote Stiefel kaufen… Aber ich habe das Kleid ja extra für Strumpfhose, Stiefel, Petticoat konzipiert damit ich es dieses Jahr noch ganz viel tragen kann.

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Innen in den Taschen verstecken sich Reste von einem anderen Lieblingskleid. Und hier sieht man auch nochmal den allertollsten Stoff. Und vom wem kam er? Ich dachte erst an Muriel, dann fiel mir auf, dass ich wusste, wem Muriel Stoff schickt. Die Patin schreibt, sie liest mein Blog schon lange. Der Brief war mit viel Mühe mit kleinen Bildchen gestaltet. Ich könnte mir Frau Kreativsucht oder Frau Schildkröte vorstellen. Und??????

Stoffwechsel III – Das Finale

Ihr Lieben, ein Hallo in die Runde vom Krankenbett. Mich hat seit gestern abend eine böse Erkältung erwischt. Daher bin ich etwas spät dran mit dem Finalpost und habe auch entgegen meiner – leicht knäpplichen – Planung gestern abend nicht das Kleid fertig genäht. Aber, im Bett liegend kann ich mir ja zumindest schonmal ganz toll EURE Kleider/Röcke/Hosen/Schlafanzüge angucken. Ich bin schon sehr gespannt. Dieses Mal waren ja einige echte Herausforderungen aber auch einige – vermeintliche – Selbstläufer dabei. Habt ihr alle Klippen umschifft und am Ende ein Traumstück genäht? Oder fremdelt ihr noch? Oder seid ihr gar – so wie ich – noch etwas auf der Zielgeraden stecken geblieben? Ihr könnt euch die ganze Woche lang verlinken. Bitte verlinkt, selbst wenn ihr noch nicht fertig seid, einen Zwischenstand, damit eure Stoffsucherin sieht, was denn so aus ihrem Stoff wird. Und natürlich dürfen sich dann nun auch die geheimen Stoffsenderinnen zu erkennen geben. Mitorganisatorin Lotti (es war mir eine Freude, meine Liebe!) ist schon fertig und steht in den Startlöchern, sich zu verlinken. Bei mir fehlen noch Ärmel, Belege, RV und Saum, ich bin aber schon sehr verliebt und werde im Laufe der Woche das Kleid zeigen. Jetzt aber erstmal ihr:

 

Sonntagssachen #6/2015

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Etwas spät, aber gut. Wir sind wieder aus dem (regnerisch-stürmischen) Urlaub zurück mit dem festen Vorsatz ab jetzt nur noch Camping in Frankreich zu machen und mit Sonntagsbildern.
Nachdem der Tag mit “Mama, aua, Zähne tun weh” begann, konnte der Mann das Wunder vollbringen, das Kind um 6 nochmal einzuschläfern,  so dass wir alle total entspannt bis fast 8 schliefen. Juhuuu. Diese Woche hatte ich den Kaffeedienst und der Mann den Bäckerdienst. Danach wurde erstmal eine große Läusebekämpfungsmission an den Balkonbäumchen begonnen. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass Wespen es lieben, die Läusepisse von unseren Bäumchen zu weiden. Und damit die Wespen gehen müssen die Läuse auch weichen. Und alle Blumen eine Zitronenöl Behandlung über sich ergehen lassen. Danach wurde kurz über die Farbzusammenstellung der neuen Kindergartenpuschen debattiert, nur um dann festzustellen, dass kein passendes Webband im Hause ist. Mission Puschen vertagt, lieber mal ein Stück des Urlaubswäsche-Bergs abgetragen. Dann war es auch sehr heiß und endlich konnte wieder nach Herzenslust mit Wasser gespielt werden, und die Eltern sitzen strickend, lesend und Outdoorkataloge wälzend (nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub) daneben. Irgendwann habe ich mich auf gerafft endlich (nach 1 Jahr darum drücken) ernsthaft darüber zu grübeln, wie ich ein FBA an das Oberteil des Kirschenkleides basteln könnte, ist ja auch nur noch eine Woche bis Stoffwechsel-Finale, da ist evtl angeraten mal anzufangen. Abends wurde Tofu gegrillt und Salat verspeist (all das was bei Sturm und Regen und kalt nicht ging wird jetzt konzentriert nachgeholt) und durch einen Frau-Dreikah-Gedenk-Espresso konnte ich dann sogar noch das Stoffwechsel-Kleid zuschneiden.

Der Griechenland-Gedanken zweiter Teil: Und was hat das ganze mit dem Euro zu tun?

Wow, mein Post zur Entstehung der griechischen Krise hat sehr viele neue Leser auf mein Blog gelockt – die sich vermutlich dann fragten, was sie in diesem Gemischtwarenladen suchen. Herzlich Willkommen – wer keinen Nähkram lesen will, halte sich an das Tag “just my 2 cents”. Es freut mich, dass ich offenbar zur Erhellung einiger dunkler Flecken beitragen konnte und ich wundere mich, warum das scheinbar der Presse nicht gelingen will. Aber gut. Schweifen wir nicht ab. Lieber zurück zur Frage: Warum wurde aus der griechischen Krise eine Euro-Krise und was hat denn überhaupt eine Staatsschulden- und Bankenkrise mit der Währung zu tun? Auch hier ist es wieder sehr viel komplexer als man denkt. Im Prinzip hat die Verknüpfung von Staatsschulden und Währungskrise vier Dimensionen: 1. Der Wechselkurs als Korrektiv fällt weg und das kann eine bestehende Wirtschaftskrise verschärfen. 2. Der Regierung entgehen durch die Aufgabe der Währungsautonomie Finanzierungsmöglichkeiten über den sogenannten “Münzgewinn” (auch Inflationssteuer oder Seigniorage genannt) und über die Möglichkeit auf die Rücklagen der Zentralbank zuzugreifen. 3. Die Finanzierung der fiskalpolitischen Maßnahmen in der Finanzkrise führt zur Verletzung der Stabilitätsziele der Eurozone und damit zu Zweifeln an der Stabilität der Währung selbst, damit sind auf einmal alle anderen Länder mit an Bord des sinkenden Schiffes, insbesondere die, die in ähnlich prekärer Lage sind. 4. Durch die Einführung eines gemeinsamen europäischen Bankenmarktes sind die Banken sehr viel enger miteinander verknüpft und daher sind viele Banken in anderen europäischen Ländern von einem möglichen Zusammenbruch der griechischen Banken oder einer möglichen Staatspleite indirekt betroffen, da sie in großem Umfang Forderungen gegenüber griechischen Banken und dem Staat haben.

Während der erste und der letzte Punkt sehr viel Beachtung finden, sind der zweite und der dritte keinesfalls weniger wichtig. Also gucken wir uns mal die Punkte im Detail an:

1. Der Wechselkurs als Korrektiv. Das klang ja in meinem letzten Post schon an. Für eine kleine offene Volkswirtschaft mit flexiblem Wechselkurs ist der Wert der Währung gleichzeitig immer auch ein Barometer für das Vertrauen in die Funktionalität der Volkswirtschaft als ganzes. Eine Währung wertet auf, wenn die Nachfrage danach steigt. Dies geschieht zum Beispiel, wenn die Nachfrage nach den im jeweiligen Land produzierten Gütern hoch ist, wenn die Nachfrage nach Finanzanlagen (Wertpapieren oder Aktien) in diesem Land hoch ist, wenn die Währung selbst als wertstabil angenommen wird und damit selbst als Anlage dienen kann (das Musterbeispiel ist hier der Schweizer Franken, der als sicherer Hafen gilt). Eine viel nachgefragte Währung bildet also letztlich ab, dass auf den verschiedenen Märkten (Güter, Dienstleistungen, Anlagen, Devisen) dem Land ein hohes Vertrauen entgegen gebracht wird. Umgekehrt spiegelt eine (drastische) Abwertung in der Regel wieder, dass auf zumindest einem dieser Märkte das Vertrauen in die Stabilität der Volkswirtschaft einen Dämpfer erhalten hat. Z.B. wenn scharenweise Investoren ihre griechischen Anlagen verkaufen und stattdessen Bundesschatzbriefe kaufen wollen. Vor dem Euro hätte das zu einem erhöhten Angebot an Drachmen und einer erhöhten Nachfrage nach DM geführt und entsprechend zu einer Abwertung der Drachme und einer Aufwertung der DM. Und genau dieser Mechanismus: Aufwertung in guten Zeiten, Abwertung in schlechten Zeiten ist durchaus begrüßenswert. Denn so wird ein sehr starker Aufschwung abgefedert, indem durch die Aufwertung der Währung inländische Güter und Anlagen international dann mehr kosten und weniger attraktiv sind – was verhindert, dass eine einzelne Volkswirtschaft auf Dauer “über Kapazität” produziert und sehr viel Nachfrage auf sich konzentriert. Umgekehrt führt eine Abwertung in Rezessionszeiten dazu, dass die inländischen Güter für Ausländer billiger werden, was die Exporte stimulieren und damit der Wirtschaft aus der Rezession verhelfen kann (so es nennenswerte Exportindustrie gibt). In der Währungsunion funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr. Natürlich könnte es sein, dass die drohende Pleite Griechenlands den Wert des EURO schmälert, das ist durchaus zu beobachten. Allerdings ist Griechenland zum Glück innerhalb des EURO-Teichs ein ziemlich kleiner Fisch und die Abwertung des EURO liegt um Meilen geringer, als die hypothetische Abwertung der Drachme wäre. Somit ist der Wechselkurseffekt direkt schonmal sehr klein. Falls es nun aber einen positiven Handelseffekt aus der Abwertung des EURO gäbe – würden denn dann die Griechen den wenigstens spüren? Eher nicht. Denn kleiner Fisch. Der große Fisch im EURO-Außenhandel ist Deutschland. Wenn der EURO abwertet ist das mal per se und als erstes gut für uns. Und für ein paar andere, sehr exportstarke Länder. Griechenland ist leider nämlich überhaupt nicht besonders exportstark. Und sowieso schonmal nicht mit Ländern außerhalb der EURO-Zone. Denn: zwischen den EURO-Ländern ist der Wechselkurs ja 1:1, das heißt hier gibt es schonmal per se gar keine positiven Handelseffekte aus Kursänderungen des EURO zu erwarten. Da aber die EURO-Länder zu sehr großem Anteil untereinander oder zumindest mit anderen EU-Ländern (die ja, wir erinnern uns, teilweise einen festen Wechselkurs zum EURO haben) handeln, gibt es da schonmal gleich gar nix zu holen. Wollten wir Griechenland über den Handel helfen müssten wir also alle im Rest von Europa sehr viel Feta, Olivenöl und griechischen Joghurt kaufen.

2. Finanzierung von Staatsausgaben via Zentralbank. Das funktioniert nur, wenn die Zentralbank der Regierung untersteht. Die EZB und auch früher die Bundesbank waren unabhängig und damit nicht gehalten, zur Finanzierung der Fiskalpolitik beizutragen. Aber, wenn die Zentralbank der Regierung gehört, wie z.B. die Fed, dann kann die Regierung sich via Zentralbank finanzieren. Es gibt da zwei Wege. Zum einen kann die Regierung bei der Zentralbank Kredite aufnehmen. Dies führt zu einer Erhöhung der sog. heimischen Komponente in der Zentralbankbilanz. Die Zentralbank hält grundsätzlich als Gegenwert zum Umlauf an Zentralbankgeld Forderungen gegenüber der Regierung, inländischen Banken, Devisen, Wertpapiere, heimische und ausländische und Gold. Wenn die Regierung nun mehr Kredite erhält, weitet sich die Forderungsposition der Zentralbank aus. Nun muss die Zentralbank im Gegenzug entweder andere Positionen verkaufen, zum Beispiel Devisen auflösen oder die Kreditvergabe an Banken drosseln, oder eben den Geldumlauf erhöhen. Das ist das, was gemeinhin als ‘die Notenpresse anwerfen’ bezeichnet wird. Natürlich kann die Zentralbank auch ohne Ausweitung des Regierungskredits die Geldmenge erhöhen, durch einen Erhöhung eines der anderen Posten, z.B. Devisenankauf oder Kreditausweitung im heimischen Bankenmarkt. Und auch in diesem Fall würde die Regierung davon finanziell profitieren. Sie schöpft aus einer Geldmengenerhöhung den sogenannten “Münzgewinn”, die Seigniorage ab (auch etwas verwirrend Inflationssteuer genannt). Dieser Begriff fasst verschiedene Gewinnmöglichkeiten zusammen. Einerseits steht der Regierung das neu gedruckte Geld unmittelbar zur Verfügung, während die durch Geldmengenerhöhung eintretende Inflation erst verzögert auftritt, hierdurch ist das neue Geld für die Regierung mehr Welt als später für die Konsumenten. Zudem steigen durch die ausgelöste Inflation die Steuereinnahmen aus Mehrwertsteuer und anderen Wertsteuern, da diese auf den Nominalpreis entfallen, wenn dieser steigt, steigt auch die Steuer. Außerdem würde, wenn die Zentralbank der Regierung gehört auch der Zins auf neu ausgegebene Kredite an Geschäftsbanken oder ein potenzieller Gewinn aus Devisenverkäufen an die Regierung fallen und entsprechend zur Finanzierung beitragen. Im Falle eines festen Wechselkurses, kann die Zentralbank nicht autonom die Geldmenge erhöhen, das bedeutet, dass auch Seigniorage nicht möglich ist. Wohl kann aber auf die heimische Komponente zurückgegriffen werden und die Zentralbank um Kredit gebeten. In der Währungsunion geht auch das nicht mehr, da die Regierung ja keine Zentralbank mehr unter ihren Fittichen hat und die EZB durch strenge Regeln gebunden ist. Natürlich hat die EZB der griechischen Regierung Kredite gegeben. Aber im Gegensatz zu einer abhängigen Zentralbank eher zurückhaltend und unter Auflagen.

Das waren die beiden Punkte, in denen Griechenland mehr unter der Krise zu leiden hat, weil es in einer Währungsunion ist. Die nächsten beiden Punkte betreffen die Währungsunion selbst. Denn die hat natürlich auch mehr unter der griechischen Verschuldungskrise zu leiden, als wenn Griechenland nur Mitglied er EU wäre.

3. Ansteckende Instabilität. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt ist ein Instrument die Fiskalpolitik zumindest vom Umfang her zu vereinheitlichen, de facto wäre es notwendig die Fiskalpolitik auch zeitlich und inhaltlich zu koordinieren, dies wird aber unter Berufung auf die Budgetautonomie der nationalen Regierungen abgelehnt. Obwohl der Stabilitäts- und Wachstumspakt bereits Dutzende Male von etlichen Ländern gebrochen wurde, hat er doch für den EURO einen hohen Wert. Er signalisiert den Willen der Mitgliedsstaaten, sich den Zielen von moderater Verschuldung, Ausgabendisziplin, moderatem Wachstum und moderater Inflation dauerhaft und bindend zu verpflichten. Damit dient er als Garant für die Kreditwürdigkeit und Zuverlässigkeit des Euroraums als ganzem und damit der Wertstabilität des EURO. Neben Handels- und Kapitalverkehrsvereinfachungen war die Eindämmung von Inflation und Zinsschwankungen ein wesentliches Ziel bei der Einführung des EURO. Die südeuropäischen Staaten hatten zuvor deutlich höhere Inflationsraten und stark schwankende Zinsen, eben weil das Vertrauen in die Stetigkeit und Zuverlässigkeit der jeweiligen Zentralbanken nicht sehr ausgeprägt war. Der EURO ist damit auch ein Instrument der Erhöhung der Glaubwürdigkeit und der Verstetigung der europäischen Geldpolitik. Wenn nun ein Land nicht nur einmal, sondern dauerhaft und nicht nur in geringem Umfang sondern sehr nennenswert die Maßgaben des Stabilitätspaktes verletzt, nichtmal die vorgesehenen Vertragsstrafen zahlen kann und am Ende “damit durchkommt” sprich entschuldet wird oder gar aus dem EURO ausscheidet, so kann das durchaus verheerende Implikationen für die Glaubwürdigkeit der europäischen Geldpolitik haben. Griechenland selbst ist denkbar klein auch im europäischen Finanzmarkt, aber würde bspw. durch einen Bankrott Griechenlands auch Zweifel daran bestehen, dass Portugal, Spanien und Italien sich in der Zukunft weiterhin an die Stabilitätsziele halten, dann fehlt auf einmal das Vertrauen in ein Viertel der EURO-Länder, das würde ganz sicher zu Kursverwerfungen des EURO führen und es der EZB schwerer machen, eine moderate Zins- und Inflationspolitik auch glaubwürdig weiter vertreten zu können. Im Rahmen des EWS kam es 1992/1993 zu einer Währungskrise im Rahmen derer, kaum dass die eigentlich in Schieflage geratenen Staaten Portugal, Italien und Spanien ihre Währung gegenüber der DM abgewertet hatten, gegen den französischen Franc spekuliert wurde, obwohl die Wirtschaftssituation in Frankreich solide war und die französische Nationalbank einen deutlich vorsichtigeren Ruf hatte. Am Ende musste das Schwankungsband der Währungen sehr weit ausgedehnt werden, damit nicht der Abwertungsdruck einfach beständig von einem Land auf das nächste übergriff.

4. Die Sache mit den Banken. Tatsächlich hatte die griechische Regierung zu Beginn der Wirtschaftskrise auch in nennenswertem Umfang Schulden bei privaten Gläubigern (europäischen Banken und Hedgefonds/Investmentfonds) diese sind jedoch zum Großteil im Rahmen des ersten Schuldenschnitts an öffentliche Gläubiger übergegangen oder erlassen worden, so dass die Regierung heute zu weit weit höchstem Teil gegenüber den öffentlichen Gläubigern (ESM, IWF, EZB, EFSF) verschuldet ist. Eine Entschuldung würde also NICHT die deutschen Banken mit Geld versorgen. Anders sieht es natürlich mit den griechischen Banken aus. Diese sind natürlich schon innerhalb des europäischen Bankensystems bei anderen europäischen Banken verschuldet, das ist normal, denn das Bankensystem ist darauf ausgelegt, dass die Banken sich in erster Linie mal gegenseitig mit Liquidität versorgen, bzw. am Ende des Geschäftstages ihre offenen Positionen miteinander tauschen (im Rahmen des Target2-Systems für Zahlungsabwicklung) und wenn die griechischen Banken zahlungsunfähig sein sollten, würde dies durchaus zum Platzen der einen oder anderen Position in den Bilanzen von Banken in Überschussländern führen. Dennoch fließt die Hilfe, die aus dem ESM möglicherweise an Griechenland fließt nicht zwangsläufig an die Banken, dies nur, falls die griechische Regierung die Banken rekapitalisieren würde und dies ohne weitere Auflagen oder Verhandlungen mit den Gläubigern. Würde dies hingegen durch europäische Institutionen geschehen, würde mutmaßlich ein Teilverzicht mit den Banken anderer Länder ausgehandelt oder zumindest eine Stundung oder Restrukturierung der Schulden, wie man das halt in Insolvenzverfahren so macht. Auch hier gilt jedoch: die Gefahr für das europäische Bankensystem als ganzes geht nicht von Griechenland aus, kleiner Fisch, ich sagte es ja schon. Entscheidender ist, dass es Banken in Italien und Spanien sehr sehr ähnlich geht und sie nur ein winziges bisschen besser mit Kapital versorgt sind. Würde der Eindruck entstehen, das Eurosystem verstaatliche in großem Stile in Bedrängnis geratene Banken, so könnte dies vor allem wiederum die spanischen und italienischen Banken empfindlich treffen, dann nämlich, wenn befürchtet würde, diese würden auch demnächst ihre Gläubiger prellen. Und wenn man sich die Target2-Salden anguckt, dann sieht man, dass die hohen negativen Target2-Salden innerhalb der Eurozone nicht bei Griechenland, sondern bei Italien und Spanien liegen.

Target2-Salden innerhalb des Euro-Bankensystems. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/TARGET2

Wir fassen zusammen: Es ist für Griechenland ziemlich doof, dass es im Euro ist, weil es daher auf verschiedene Instrumente, seine Wirtschaftskrise zu überwinden, nicht zurückgreifen kann. Es ist auch für die Eurozone ein bisschen doof, dass Griechenland dabei ist, aber ich wage zu behaupten, weniger schlimm als umgekehrt. Der Effekt für die Eurozone ist nämlich weniger, dass Griechenland uns alle ins Verderben stürzt sondern mehr, dass Griechenland das minikleine Loch in dem Damm wäre, den dann Italien und Spanien einreißen würden. Man kann nur sehr vage Mutmaßungen anstellen, ob es besser wäre, wäre Griechenland nicht im Euro. Vielleicht hätten ihnen auch alle weiteren Instrumente nicht viel gebracht. Vielleicht hättten sie trotzdem einen festen Wechselkurs zum Euro und damit sehr ähnliche Probleme. Natürlich müsste dann der ESM nicht dafür gerade stehen und die EZB nicht die Liquidität der griechischen Banken sichern (was sie muss!), dann wäre der IWF mehr als jetzt noch in der Pflicht, denn letztlich ist es ganz genau die Aufgabe des IWF in derlei Situationen einzuspringen. Womöglich hätten wir aber dann schon ca 2012 Italiens Banken rekapitalisiert.
Letztlich hat das Eurosystem ein paar erhebliche Designschwächen und die sind nun an Griechenland offenbar geworden, da wären sie aber auch ohne Griechenland.

Und nun ist schon wieder ein ziemlich langer Post entstanden. Im nächsten dann die Frage: “und nun?” Aber das wird etwas dauern.

Expertise zu den griechischen Schulden vom DIW mit zahlreichen Grafiken (PDF, Fachliteratur aber gut lesbar)

Ein Artikel, der zurecht betont, dass die EZB zur Sicherung der griechischen Liquidität verpflichtet ist.

Und einmal noch zur Struktur der griechischen Schulden und der Frage nach den Banken. (Englisch)

Me made Mittwoch: Cambie dress love

Ich habe ein neues Kleid genäht, das ich uneingeschränkt liebe. Das an sich ist schon eine Erwähnung wert, denn in letzter Zeit überwogen ja die Pannen und eher halbgaren Ergebnisse. Zudem ist es auch noch ein Fall von “was lange währt wird endlich gut.” Der Stoff ist nämlich einer der ältesten in meinem Lager (außer Erbstücken, die schon woanders lang lagerten) – ich kaufte ihn im Februar 2012 in Israel auf der Stoffstraße in Tel-Aviv (nahe des Kamel Market, falls jemand mal hinkommt). Tatsächlich hüte ich sogar noch einen der dort gekauften Stoffe. Diesen streichelte ich nun wirklich lang. Denn ich finde ihn wirklich wirklich schön und ich hatte nur 1,10*2,00m was nun selbst für meine Verhältnisse knapp ist um ein Kleid daraus zu bekommen. Ein Tellerrock war schon mal nicht drin. Etwa seit irgendwann 2013 habe ich eine Kopie des Cambie Dress von sewaholic patterns. Und auch diese schmachtete ich lang an und wusste nicht recht, aus welchem Stoff. Nun hab ich aber beschlossen, dass ein schöner Stoff im Lager mir gar nix bringt und halb schöne Probekleider auch doof sind und so wagte ich den tollen Stoff mit unbekanntem und von vielen übel beschimpftem Schnitt. Und es war gut so:
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Da ich weiß, dass Sewaholic-Schnitte weit ausfallen und ich hier auch nochmal explizit gewarnt wurde, habe ich zuerst das Futter zusammengesetzt, angepasst und dann die Änderungen auf die Schnittteile übertragen, erst dann hab ich das Oberkleid zugeschnitten. Viel musste ich aber gar nicht ändern. Lediglich die Abnäher anpassen und den Rock etwas verlängern.
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Ich bin sehr begeistert vom Schnitt, es hat mich sehr verwundert, wie leicht es ging, das Futterkleid und Oberkleid komplett miteinander verstürzt sind sogar am Reißverschluss und das ganz ohne Kochlöffel, offene Seitennähte oder ähnliches. Man näht beide komplett fertig bis auf die Ansatznaht zwischen Träger und Vorderteil und wendet dann durch die Träger – einfach und genial. Leider habe ich ob dieser verblüffenden Erfahrung vergessen, auch den Ausschnitt zu paspeln. Aber nun gut. Ist auch so schön.
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Nach einem halben Tag im Büro sitzen ist es jetzt unter der Brust und am Taillenband etwas weit. Dafür ist es sehr bequem und ich nehme an, nach der Wäsche ist das wieder weg. Die Träger werde ich noch etwas kürzen. Minimale Kritikpunkte wären, dass der Ausschnitt einen Hauch absteht und ich einen minimalen Versatz im Taillenband am Reißverschluss habe. Aber das ist mir vollkommen schnurz. Ich liebe dieses Kleid. Es wird zahlreiche Geschwisterchen bekommen. Denn das beste ist: Es nähte sich wundervoll schnell. 4 Abende a je 1-2 Stunden, inkl Zuschnitt, Anpassungen und …
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… einer handgeknüpften Garnschlaufe oberhalb des Reißverschlusses. Das kam so: Ich wollte eigentlich, da der Ausschnitt weit genug ist, den Reißverschluss ein Stück nach unten versetzt einsetzen und darüber zunähen. Ich finde das sehr angenehm und hübsch (und außerdem hatte ich nur noch 40cm-Reißverschlüsse). Allerdings, geht das exakt nicht bei dem tollen Wendemanöver. Also trennte ich das Stück oberhalb des RV wieder auf und verstürzte den Schlitz mit dem Futter. Und so hat das Kleid jetzt oben einen wirklich hübschen Schlitz und einen wirklich hübschen Knopf und eine verdammt tolle Garnschlaufe.
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Die Details:

Schnitt: Cambie Dress von sewaholic

Größe: 10, Oberteil vorn in 12

Stoff: Baumwollpopeline

Änderungen: Oberteil um 1 cm gekürzt, Taillenband um 1,5cm verbreitert, Abnäher im vorderen Oberteil verbreitert, Rückteile am RV 1cm verschmälert, Rock 5cm verlängert (Blindsaum, 3cm)

Und nun gebe ich ab an Meike, deren Viskose-Gefluche fast genauso klingt wie meins letzte Woche. Es wäre wirklich schön wenn wir herausfänden, wie eine der Viskose das nervige Verziehen abgewöhnen kann, denn ein schönes Material ist es allemal.

Ein paar Gedanken zu Griechenland – Wie kam es zu der jetzigen Situation?

Ich hab schon lang hier nichts mehr mit volkswirtschaftlichem Flavour geschrieben. Bzw. tue ich das ohnehin sehr selten. Wenn dann ging es um Nachhaltigkeit, die sowohl mein berufliches als auch mein privates Schaffen prägt. In den vergangenen Wochen habe ich aber auf Twitter, Facebook und in echt hier und da mal zum Thema Griechenland diskutiert und dabei sind 140 Zeichen definitiv zu kurz und vieles müsste ich auch im Gespräch erst nachschlagen. Deshalb verblogge ich nun doch mal meinen ungaren Gedanken zu diesem Thema. Denn, das gleich vorweg, ich bin zwar Volkswirtin, aber ich beschäftige mich eigentlich nicht mit Währungspolitik/Fiskalpolitik/Finanzierungskrisen. Zumindest nicht für Industrieländer. Ich beschäftige mich normalerweise schwerpunktmäßig mit Entwicklungsländern. Und letztlich ist meine – diffuse – Meinung auch von diesem Blickwinkel geprägt. Denn es gibt mehr Parallelen, als man denkt. Ich kann deshalb sicher nicht als Expertin gelten evtl. aber etwas besser informiert als das Mittel.
Ich habe versucht mich – neben der Presse – auch ein wenig in der Fachliteratur umzusehen und nach belastbaren Daten gesucht – letzteres ist sehr viel schwerer als ich gedacht hätte. Ich denke, ich teile meine Gedanken in drei Teile. Zunächst ein Überblick, wie es überhaupt zu der jetzigen Situation kam, dann eine Erläuterung der beiden Rahmenbedingungen, was wird als Optionen diskutiert, was macht aus welchen Gründen mehr oder weniger Sinn, usw. Und dann ein paar Parallelen zu anderen Krisen in der Wirtschaftsgeschichte.

Zunächst also: Warum ist die griechische Regierung nahezu zahlungsunfähig, wie ist es so weit gekommen? Das erfordert im Grunde sehr weit auszuholen. Griechenland ist, unter den Euro-Ländern eigentlich an vielen Stellen auf unterschiedliche Weise außergewöhnlich.

Bei Gründung der EWG 1957 war Griechenland, im Gegensatz zu vielen anderen Euro-Ländern nicht Mitglied und ist auch nicht mit der ersten Erweiterungswelle der EWG in den 70er Jahren hinzugestoßen, sondern, wie Spanien und Portugal auch, erst in den 80er Jahren. Das heißt, die Integration ist zwischen den ursprünglichen EWG-Staaten einfach schon älter, von jeher intensiver, sie sind durch viele stärkere Handelsbeziehungen verbunden und liegen sich natürlich auch geographisch näher (was in vielerlei Hinsicht sehr wichtig ist). Griechenland war nach dem zweiten Weltkrieg noch über Jahre von Bürgerkrieg geprägt, dann folgte eine sozialistische Epoche, jedoch ohne eine direkte starke Orientierung in Richtung der Sowjetunion und schließlich eine Militärdiktatur, bevor Griechenland erst 1975 zu einer demokratischen Republik wurde. Damit war es lange Zeit von der kerneuropäischen Integration, der NATO und dem Westen teilweise bis vollständig isoliert. Die Militätjunta tat mit der Wirtschaft des Landes, was diktatorische Regierungen im allgemeinen zu tun pflegen: Sie bediente sich an den Ressourcen des Volkes zum Übermäßigen Ausbau des Militärs, der Alimentierung der Regierung und der Unterminierung demokratischer Tendenzen. Die Produktionsstruktur war nicht auf Handel ausgelegt und von einem hohen Ausmaß an Planwirtschaft und Ineffizienz gekennzeichnet.

Im Verlauf der frühen 80er und späten 90er Jahre hat Griechenland, ebenso wie Spanien und Portugal, Phasen starken Wirtschaftswachstums durchlaufen. Wobei die Wachstumsraten erheblich mehr Schwankungen aufwiesen als im EU-Vergleich und durchaus auch Perioden erheblicher Wachstumseinbußen zu verzeichnen waren.

Nettonationaleinkommen (=Volkseinkommen, ehemals Nettosozialprodukt) pro Kopf, 1980-1999

Nettonationaleinkommen (=Volkseinkommen, ehemals Nettosozialprodukt) pro Kopf, 1980-1999*

Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes, jeweils % Änderung zum Vorjahr*

Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes, jeweils % Änderung zum Vorjahr*

Einen derartigen Aufholprozess nach Ende eines diktatorischen Regimes kennen wir z.B. von vielen Schwellenländern nach Ende diktatorischer Epochen, auch von Deutschland nach der Wiedervereinigung. In diesen Staaten wurde das Produktionskapital, Anlagen etc. stark heruntergewirtschaftet, durch die Integration in den Weltmarkt für Waren, Dienstleistungen und Kapital erschließen die Länder neue Finanzierungsmöglichkeiten und neue Technologien und werden sehr schnell sehr viel produktiver. Mit Eingliederung in die EWG wurde es für die südeuropäischen Länder sehr viel einfacher externe Investitionen zu erhalten, sowohl  aus den europäischen Strukturfonds als auch von privaten Kreditgebern. Länder die schnell an Produktivität gewinnen sind, zumal wenn sie gleichzeitig (noch) niedrige Steuern erheben und von der EU Fördergelder bereitgestellt werden, attraktive Investitionsstandorte, Griechenland erhielt allerdings im Verhältnis recht wenig Direktinvestitionen und recht viel Kredite, die zum Großteil nicht produktiv eingesetzt wurden. Dennoch war der Zufluss an ausländischem Kapital nach Griechenland ab 1981 relativ stetig und hoch. Ein stetiger Zufluss an Kapital bedeutet in der Regel auch einen ausgeprägt negativen Leistungsbilanzsaldo, also einen Importüberschuss. Zudem ist es natürlich für eine Regierung, die einen maroden und restrukturierungswürdigen Staat übernommen hat, sehr attraktiv, große Teile der Finanzierung aus – freiwillig an sie herangetragenen – ausländischen Quellen zu speisen, anstatt sich an den Aufbau einer soliden Einkommensbasis zu machen, was zwangsläufig bedeutet, sich beim Wähler unbeliebt zu machen (man muss ja nur mal daran denken, was in Deutschland los ist, wenn jemand an Agrarsubventionen zu rütteln droht, nicht wahr?). Durch diese Kombination aus einer erheblichen Entwicklungslücke, einem starken Restrukturierungsbedarf und ungünstigen Anreizen hat die griechische Verschuldung und die negative Nettovermögensposition sich recht deutlich aufgebaut.

staatsschulden

Staatsverschuldung in % des BIP, 2012*

Im Vertrag von Maastricht, 1990, wurde festgelegt, dass alle EU-Länder, die die Konvergenzkriterien erfüllen, zwangsläufig auch EURO-Mitglieder werden. Der EURO galt, in der politischen Umbruchzeit Anfang der 90er als der letzte und konsequente Schritt der europäischen Integration. Großbritannien hat sich von dieser Klausel eine Opt-out-Möglichkeit verhandelt, Schweden entschied, bekanntlich, per Volksentscheid gegen den EURO-Beitritt. Zu den Konvergenzkriterien gehört – neben konjunkturellem Gleichlaufund  einer Reihe rechtlicher Rahmenbedingungen auch die mindestens 2-jährige Mitgliedschaft im EWS – heute WKM, also dem europäischen System fester Wechselkurse. Nur wenn ein Land also über mindestens 2 Jahre einen festen Wechselkurs zur DM einhalten konnte, konnte es auch EURO-Mitglied werden. Unter den EURO-Staaten waren Belgien, Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg und die Niederlande von Anfang an (1979) Mitglied des EWS. Spanien und Portugal traten Ende der 80er/Anfang der 90er bei, Finnland 1996. Griechenland erst 1998. Damit konnte es nicht 1999 den EURO einführen, sondern erst 2001. Auch die Mitgliedschaften im EWS zeigen natürlich, wie viel integrierter die Kern-europäischen EURO-Mitglieder waren. Diese hatten über 20 Jahre Erfahrung mit einer koordinierten Geldpolitik gemacht, unter Leitung der Bundesbank, die als Vorbild der EZB diente. Griechenland hingegen hatte kaum Erfahrung darin, was es bedeutet, nicht mehr Herr der eigenen Geldpolitik zu sein, denn dies bedeutet ein fester Wechselkurs ebenso wie die Mitgliedschaft in einer Währungsunion. Dass Griechenland das Konvergenzkriterium der Defizitgrenze, bzw. Neuverschuldungsgrenze nicht erfüllte, stellte sich erst nach Beitritt zur EWU heraus.

Mit einem Entwicklungsländer-geschulten Blick zeigt Griechenland in der Ära 1981-2001 zahlreiche Eigenschaften, die üblicherweise vor allem Entwicklungs- und Schwellenländern zugeschrieben werden, trotz des deutlich höheren Bruttoinlandsproduktes. So ist die griechische Staatsquote (also der Anteil der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt) sehr hoch, der Anteil der Beamten unter den Beschäftigten beläuft sich auf etwa 25%. Die vergangenen Regierungen seit dem zweiten Weltkrieg bis zur Finanzkrise entstammten im Wesentlichen 3 Familien, diese “Vererbung” von Macht zeigt sich sowohl in konservativen wie in sozialistischen Regierungen und findet sich auch in sehr vielen Entwicklungsländern. Das Steuersystem und vor allem die Durchsetzung der Besteuerung ist hochgradig unterentwickelt. Griechenland wurde von Transparency International 2007 an Platz 56 des Corruption Perceptions Index gerankt (Score 4.6/10, 10 = keine Korruption) und es befindet sich damit in der netten Nachbarschaft von Staaten wie Jordanien, Kuwait, Bahrain, Oman, Namibia und den Seychellen aber auch nicht weit von Tschechien, der Slowakei, Lithauen und Lettland, das sei fairerweise angemerkt und ist damit das korrupteste EWU-Land, das drittkorrupteste EU-Land (Bulgarien und Rumänien sind noch knapp korrupter).  Der Anteil der Militärausgaben im Staatshaushalt ist sehr hoch, höher als der von der NATO angestrebte Satz von 2% des BIP. Das Bildungssystem ist reformbedürftig und das Gemeinwesen insgesamt auf eine merkwürdige Art schief. Das Rentensystem ist, das hat ja in der Presse viel Erwähnung gefunden, recht großzügig ausgelegt mit hohen Renten und einem niedrigen Renteneintrittsalter, dafür sind ca. 25% der Griechen nicht krankenversichert, die Arbeitslosenversicherung ist nur sehr rudimentär. Das Land hat einen großen Agrarsektor (3,5% des BIP) im Verhältnis zur EWU aber nicht im Verhältnis zu den osteuropäischen Ländern von einem Agrarland zu sprechen ist also falsch. Über 80% des griechischen BIP werden im Dienstleistungssektor generiert, hier natürlich zu großen Teilen im Tourismus. Ein sehr hoher Anteil der Griechen ist selbstständig und dies impliziert erhebliche soziale Probleme, da hier die soziale Absicherung geringer und die Neigung zur Steuerhinterziehung höher ist. Trotz des geringen Anteils des Agrarsektors zum BIP gibt es in Griechenland relativ viele Bauern, diese betreiben aber Subsistenzlandwirtschaft oder maximal einen Nebenerwerb auf geerbtem Land. Aus wirtschaftlicher Sicht bedenklich ist vor allem der recht kleine Industriesektor. Durch ein schlechtes Bildungssystem und z.T. veraltetes Kapital und ineffiziente Produktionsabläufe ist zudem die Arbeitsproduktivität niedrig.

BIP pro Arbeitsstunde in Europa. Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Economy_of_Europe

Die Einführung des EURO hat – wie explizit als Hauptgrund gewünscht – zu einer Intensivierung des innereuropäischen Handels geführt. Für Griechenland bedeutete dies jedoch vor allem eine stetige und erhebliche Ausweitung der Importe. Der Nettoexport (Exporte-Importe) war über die gesamte Zeit seit Beitritt zur EG negativ und dieser negative Handelsbilanzsaldo weitete sich stetig aus. Der “Normalzustand” wäre ein Wechsel von Handelsüberschüssen und Handelsdefiziten, denn aus Handelsdefiziten ergeben sich Forderungen des  Auslands gegenüber dem Inland, die ja irgendwann wieder beglichen werden müssen. Allerdings haben die USA bspw. bis auf einige Jahre in der Ära Clinton ein deutlich höheres Handelsbilanzdefizit und dies auch konstant seit vielen Jahrzehnten und die BRD hat bis auf kurze Episoden immer einen Handelsbilanzüberschuss erwirtschaftet. Hier zeigt sich, dass in der internationalen Handelsverflechtung Ungleichgewichte entstehen, die in beide Richtungen bedenklich sind.

Nettoexporte in Milliarden US-$

Nettoexporte in Milliarden US-$*

Die Einführung des EURO bedeutete für die beteiligten Länder neben den Vorteilen aus Handelserleichterung und einfacherem Kapitaltransfer auch negative Seiten, insbesondere durch die Aufgabe der autonomen Geldpolitik. Ein Staat hat mit Geld-, Fiskal- und Wechselkurspolitik im Prinzip drei Möglichkeiten, konjunkturelle Schwankungen abzufangen. Dabei gilt aus volkswirtschaftlicher Sicht die Geldpolitik als nachhaltigeres Instrument. In der Theorie und bestätigt durch empirische Studien zeigt sich, dass antizyklische Fiskalpolitik, also die Ausweitung der Staatsausgaben oder Senkung der Steuern in Rezessionszeiten, 1. nur kurzfristige Effekte hat und 2. gleichzeitig privaten Konsum und privaten Investitionen verdrängen kann. Expansive Geldpolitik (also die Senkung von Zinsen oder die Erhöhung der Geldmenge) ist zwar auch nur kurzfristig wirksam, hat aber keinen Verdrängungseffekt. Zudem kostet sie, zunächst, nichts – führt allerdings in der mittleren Frist zu Inflation. Ein niedriger Wechselkurs könnte zwar ebenfalls die Wirtschaft ankurbeln, indem er die Exporte stimuliert, die Bewegung nicht fixierter Wechselkurse ist allerdings hoch komplex und nur schwer politisch zu beeinflussen. Ein fester Wechselkurs wiederum ist gut politisch zu beeinflussen, gerät er unter Druck (egal ob Aufwertungs- oder Abwertungsdruck) ist es aber wiederum sehr kostspielig für die Zentralbank, ihn zu verteidigen. Eine mittel- bis langfristige staatliche Beeinflussung des Wachstums durch die Instrumente der Geld- oder Fiskalpolitik ist ohnehin kaum möglich. In der langen Frist vermag vor allem ein gutes Bildungs- und Gesundheitssystem, Frieden, ein gutes Innovationsklima, Rechtssicherheit für forschende Unternehmen und ein nicht zu hohes Bevölkerungswachstum das Wirtschaftswachstum positiv zu beeinflussen. Die meisten Regierungen versuchen dennoch kurzfristig die konjunkturellen Schwankungen abzumildern, dies unter anderem auch aus Verteilungsgründen: Haushalte, die gerade genug Geld zur Deckung ihres Grundbedarfs haben, die also Einkommenseinbußen nicht über entsparen abfedern können, werden in Rezessionen besonders empfindlich getroffen. Es ist durchaus umstritten, ob die Geldpolitik überhaupt zur Konjunkturbeeinflussung genutzt werden sollte, die Bundesbank z.B. war traditionell vor allem der Inflationskontrolle verpflichtet während die amerikanisch Fed von jeher deutlich Konjunkturpolitik macht. In tiefen Rezessionen ist allerdings eine kombinierte konjukturstimulierende Geld- und Fiskalpolitik nahezu unverzichtbar. Der Wechselkurs wirkt ein stückweit als automatischer Stabilisator. Bei einer nationalen Rezession wertet die Währung in der Regel ab, was stimulierend auf die Exporte wirkt. So weit so schön – was passiert nun in einer Währungsunion? Eine Währungsunion ist de facto eine Extremform eines festen Wechselkurses zwischen den beteiligten Ländern. Die Regierung kann die Geldpolitik nicht mehr national bestimmen sondern die Geldpolitik wird von einer gemeinsamen Zentralbank für alle Länder der Währungsunion gemacht. Warum? Dies hat im Wesentlichen drei Gründe. 1. Könnten Zentralbanken der Nationalstaaten nach wie vor ohen Koordination Geld schöpfen, könnte ein Land durch extreme Geldschöpfung die anderen Länder in eine Schieflage bringen, da das geschöpfte Geld ja nicht im einzelnen Land festgenagelt werden kann, sondern ohne Umtausch in anderen Ländern zur Zahlung genutzt. Ohne festen Wechselkurs würde eine Geldmengenerhöhung von einer Abwertung begleitet, so dass das zusätzlich verfügbare Geld mit weniger Kaufkraft ausgestattet ist. Dieser Mechanismus entfällt, so dass die Inflation, die durch eine Ausweitung der Geldmenge entsteht auf alle anderen EURO-Länder übergreifen würde. 2. Besteht eine übermäßige Nachfrage nach Anlagen in einem Land, z.B. nach festverzinslichen Wertpapieren deutscher Emittenten bspw. Bundesschatzbriefe, so würde in der Welt vor dem EURO einfach die jeweilige Währung aufwerten und dadurch würde der Kauf der Anlagen weniger attraktiv und die Nachfrage entspräche wieder dem Angebot. Mit dem EURO ist dieser Weg zumindest für inner-europäische Kapitalbewegungen verstellt. Demnach muss in diesem Fall der Zins Nachfrage und Angebot in Einklang bringen. Wenn alle gern Bundesschatzbriefe kaufen wollen, werden diese gering verzinst. Der Zins kann also nicht zusätzlich fixiert werden, denn dann würde sich kein Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot nach Anlagen in dem jeweiligen Land einstellen. Umgekehrt agiert der Zins auch als korrektiv wenn Anlagen eines Landes als risikoreicher wahrgenommen werden. Es würde also von Anlegern ein Risikoaufschlag auf den Durchschnittszins der EURO-Zone erhoben, wenn sie Anlagen in z.B. Griechenland kaufen, anstatt in Deutschland. Auch dies, da dieser Risiko-Ausgleich nicht durch einen günstigeren Kurs erfolgen kann.  3. Mit der Vereinheitlichung der Währung wurde auch ein gemeinschaftliches Bankensystem geschaffen, die EZB ist für die Sicherung des Geldumlaufs aller Geschäftsbanken der Eurozone durch entsprechende Einlagen und Kreditvergabe zuständig. Die Banken des gesamten Euroraums können sich daher zum gleichen Zinssatz mit Liquidität versorgen, eine Steuerung der Liquiditätsbereitstellung nur der Geschäftsbanken EINES Mitgliedslandes durch günstige Zinsen der Zentralbank ist damit schon rein technisch nicht möglich. Es würde auch wenig Sinn machen, da ohne Kapitalverkehrskontrollen und mit vollständiger Niederlassungsfreiheit Banken nicht allein auf nationaler Ebene agieren. Die isolierte Stimulierung eines einzelnen Landes über Geldmengenerhöhung oder Zinssenkung ist also nicht möglich.

Die ehemaligen EWS-Mitglieder haben diese Konstellation schon seit 1979 bzw. 1990 “geübt”, für die griechische Wirtschaft hingegen war der Kurs der Drachme lang ein zusätzliches Korrektiv, das nun mit dem Euro-Beitritt wegfiel.

Nun macht die EZB natürlich auch Konjunkturpolitik. Aber eben zum besten aller Mitgliedsländer. Das heißt, wenn alle Staaten von einer Rezession betroffen sind, dann wird die EZB sich schon bemühen, dies zu moderieren und hat dies im Rahmen der Finanzkrise ja auch getan. Wenn jedoch einzelne Länder von nationalen Rezessionen betroffen sind, so wird die Geldpolitik der EZB für diese Länder nicht hilfreich, unter Umständen sogar schädlich sein. Zudem wird, wenn das betroffene Land relativ klein ist, auch der Wechselkurs des EURO kaum auf eine Rezession in nur diesem einen Land reagieren. Hier kommen die Konvergenzkriterien ins Spiel. Diese enthalten nämlich ein gewisses Ausmaß an konjunkturellem Gleichlauf. Dies soll sicherstellen, dass die EZB-Politik relativ passgenau für alle Länder ist, da diese einander recht ähnlich sind. Nun – die Griechenlandkrise zeigt deutlich, dass dies wohl nicht geklappt hat. Eine ähnliche Erfahrung hat das EWS bereits 1992/1993 durchlaufen, als die Bundesbank aufgrund des Wiedervereinigungsbooms eine Reihe von Zinserhöhungen durchführte, während große Teile von Europa in einer Rezession waren und eher Zinssenkungen gebraucht hätten.

And here we are. Das Zusammentreffen von starker Verschuldung schon vor der Finanzkrise in den USA, einem schlecht finanzierten Staat, einer über den Tourismus stark Konjunktur-anfälligen Wirtschaft, schlecht erhobenen und teilweise bewusst gefälschten Statistiken, die 2004 korrigiert werden mussten und einer Randposition im Verbund der europäischen Staaten führe gemeinsam dazu, dass Griechenland von der Wirtschaftskrise sehr stark getroffen wurde. Die internationalen Investoren, die in der Immobilienpreisblase viel Geld verloren hatten, wurden nervös und kappten den Kapitalfluss in – vermeintlich und tatsächlich – risikoreiche Regionen, die Zinsaufschläge vervielfachten sich, die Nachfrage im Tourismus brach ein, die griechischen Banken gerieten, so wie Banken in ganz Europa, in erhebliche Probleme, die griechische Regierung bemühte sich, wie die Regierungen der anderen Staaten, dem mit Ausgabenprogrammen, Bankensanierung etc. zu begegnen, konnte dies mangels Rücklagen und angesichts steigender Zinsbelastung aber nur aus Neuverschuldung tun und geriet damit selbst in Zahlungsschwierigkeiten. Da Griechenland ohnehin exportschwach ist und eine Abwertung als Korrektiv ausblieb, der inländische Konsum aber schwach blieb, konnte die Wirtschaft sich nicht von der Krise erholen, wie dies in anderen Staaten gelang.

Ich belasse es für heute dabei und werde dann zu den bisher umgesetzten und noch geplanten Maßnahmen versuchen in den folgenden Tagen einen weiteren Post zu schreiben. Zur weiteren Information aber noch ein paar Links:

Eine Übersicht zur Entstehung der Krise bei der Landeszentrale für Politische Bildung BW, die ich ein klein wenig gefärbt aber noch gerade ok finde.

Zahlen zum öffentlichen Schuldenstand im internationalen Vergleich bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Ein lesenswertes Feature zur Krise bei brand eins.

Der Korruptionsindex von Transparency International.

Überblicksdaten zu Griechenland: hier, hier und hier.

Hintergründe zum Zusammenspiel von Geld- und Fiskalpolitik in einer Währungsunion (Fachliteratur).

Ein (methodisch eher halb guter) Artikel zur Effektivität von expansiver Fiskalpolitik in der Eurozone (englisch, Fachliteratur)

Ein sehr breit angelegter Überblicksartikel zur Effektivität von expansiver Fiskalpolitik (englisch, Fachliteratur, Registrierung notwendig)

* Quelle:  OECD, data.oecd.org/greece.htm.

Hinweis zu den Grafiken in diesem Artikel: Die Qualität der Daten ist mutmaßlich schlecht und man kann sie wahrscheinlich nicht als zuverlässig betrachten, sie geben aber zumindest einen groben Eindruck.