Stoffwechsel – Regeln und Zeitplan

Standard

Ich bin begeistert über den regen Zuspruch, den meine Idee eines Stofftauschexperiments gefunden hat. Es gab 27 Stimmen bei der Abstimmung und die meisten waren dafür.  Also geht es los mit dem “Stoffwechsel” (der Name kommt von füßchenbreit und ich habe ihn völlig subjektiv und ohne Rücksprache ausgesucht). Wenn ich es recht überblicke sind wir mindestens 20 Stofftauschende, das klingt für mich nach einer ganz guten Gruppengröße.

stoffwechsel

Hier zunächst meine um eure Ideen ergänzten Regeln:

Am wichtigsten: Es geht darum, sich auf das Abenteuer einzulassen, eine andere Bloggerin* mit Stoff zu beschenken und selbst von einer – meist bislang unbekannten – Bloggerin mit Stoff beschenkt zu werden. Es sollte selbstverständlich sein, dass es dabei vor allem den Geschmack und Stil der zu beschenkenden Bloggerin im Blick zu haben gilt. Im Gegensatz zu “sew bossy” wollen wir niemandem diktieren, was sie nähen soll, sondern einen Vorschlag in Form eines Stoffs machen, den wir als bestmöglich passend für die Empfängerin einschätzen. Möglicherweise hätte diese sich den Stoff nicht selbst ausgesucht, im Idealfall ist sie aber nach der ersten Überraschung inspiriert und kann trotzdem etwas damit anfangen. Sollte jedoch ein Stoff überhaupt nicht ins Schwarze treffen, dann sollten wir ehrlich genug sein, das zu sagen und die Aussucherin sollte sich davon auch nicht auf den Schlips getreten fühlen. Wenn die Stoffe angekommen sind, werden wir sehen, ob es einen “Nachtauschbedarf” gibt.

Es ist gleichermaßen ein Abenteuer auszusuchen und Stoff zu empfangen, finde ich, und ich hoffe, wir können uns auf diesen Spaß einlassen ohne dass womöglich jemand nur Stoff nimmt ohne welchen zu versenden, jemand minderwertigen oder sicher nicht passenden Stoff verschickt oder solchen, der sich nicht für (Erwachsenen-)Kleidung eignet.

Die Regeln sind daher folgendermaßen.

  • Mitmachen kann, wer einen Blog hat und mindestens 10 Kleidungsstücke dort zeigt/gezeigt hat, die sie für sich selbst genäht hat. Eine Postadresse in Deutschland ist außerdem notwendig.
  • Jede Mitmachende füllt einen Nähsteckbrief aus und veröffentlicht diesen auf ihrem Blog, um ihrer Stoffsucherin einen ersten Eindruck mit auf den Stoffsuchweg zu geben.
  • Zudem erklärt jede Teilnehmende sich bereit, mir ihren Klarnamen, ihre Adresse, ihre Emailadresse und ihre Blogadresse mitzuteilen und auch, dass ich diese an ihre Stoffsucherin weitergebe. Gleichzeitig erklären sich alle Teilnehmenden bereit, diese Daten nicht an Dritte weiterzugeben und vor allem nicht auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Ich verpflichte mich, die Klarnamen und Adressen ausschließlich der zugelosten Person mitzuteilen.
  • Nach Eingang aller Daten lose ich jeder Mitmachenden eine Stoffempfängerin zu und teile ihr diese mit. Die Stoffsuche sollte innerhalb von 4 Wochen abgeschlossen und der Stoff auf den Weg gebracht werden.
  • Jede Stoffsucherin sucht nach bestem Wissen und Gewissen ein Stoffstück für ihre Empfängerin aus. Das Stoffstück sollte mindestens einen Meter, maximal zwei Meter groß sein (außer in begründeten Einzelfälllen, bspw. Coupon, Flohmarktkauf, Erbstück) und maximal 20 Euro plus Versand kosten. Maßgeblich für die Menge sollte sein, dass die Empfängerin damit auch etwas anfangen kann. Unterschiede in der Menge können ggf. über den Preis ausgeglichen werden. Ich hoffe, es ist selbstverständlich, dass wir hier Augenmaß walten lassen und nicht 80cm Seide zu 30 Euro der Meter kaufen und einer Dame senden, die nur Jerseykleider mit Tellerröcken näht, aber eben auch nicht auf den cm achten, wenn wir DEN STOFF finden. Sollte jemand sich hier unsicher fühlen, kann ich anbieten als Mittlerin eine Rückfrage an die Empfängerin weiterzuleiten.
  • Der Stoff sollte nachverfolgbar versendet werden. Das kann entweder als Einschreiben (1,45 bzw. 2,40 Porto + 1,80 Gebühr für das Einschreiben = maximal 4,20 Euro) oder als Kleinpaket (online bei DHL) bis 2kg für 4,99 Euro sein – oder mit dem entsprechenden Produkt eines anderen Paketdienstleisters. Dies dient der Sicherheit, dass tatsächlich Stoff verschickt wird und auch, dass das Schätzchen versichert ist und nicht auf dem Postweg verloren geht.
  • Mit dem Stoff kann die Absenderin gern auch eine erste Schnittmusteridee schicken, vielleicht sogar ein Schnittmuster, das sie der Empfängerin leihen würde, diese Empfehlung ist aber nicht bindend, sondern nur als Inspiration gedacht. Gern könnt ihr auch dazuschreiben, woher der Stoff kommt und warum ihr denkt, dass er gut zur Empfängerin passt. Ich fände das sehr interessant.
  • Es wäre schön, wenn ihr als Absenderin euch nicht mit der Stoffsendung zu erkennen gebt. Das ist natürlich nicht möglich, wenn die Empfängerin euren Klarnamen bereits kennt und somit vom Paketabsender auf euch schließen kann. Aber wo es möglich ist, behalten wir das Geheimnis um die Absenderin bis zur Präsentation der fertigen Stücke. Vielleicht lässt ja auch der Stoff selbst auf die Absenderin schließen?
  • Wenn der Stoff angekommen ist, veröffentlicht jede Teilnehmerin einen Blogpost, in dem sie ihren Stoff zeigt und uns erzählt, was sie damit vorhat. Weitere 4 Wochen später präsentieren wir die fertigen Kleidungsstücke. Wer Lust hat, kann zwischendurch natürlich auch über seine Suche und über den Weg vom Stoff zum Kleidungsstück bloggen – achtet aber auch hier darauf, nicht zu viel zu verraten.

Zum Schluss noch der Zeitplan:

Bis Mi, 23.4.: Ich versende die Fragen für den Nähsteckbrief per Email an die Teilnehmerinnen.

Ich habe zunächst mal alle in die Liste aufgenommen, die hier in den Kommentaren oder bei Twitter ihr Interesse bekundet haben. Wer noch aufspringen möchte, schicke mir bitte eine Mail an: siebenhundertsachen[ät]gmx[punkt]de. Ich behalte mir vor, Interessentinnen, die die Voraussetzungen laut Regeln nicht erfüllen auszuschließen. Bitte schickt mir, wenn ihr den Fragebogen erhalten habt eine Mail zurück, in der ihr mir Name, Adresse und Blog mitteilt. Wer dies nicht tut, kann nicht mitmachen. Wer sich nach dem 23.4. noch erstmalig meldet leider auch nicht.

am Do, 1.5.: Nähsteckbrief veröffentlichen

Ihr habt eine Woche Zeit, euren Nähsteckbrief auszufüllen und ggf. mit Bildern oder weiteren Infos anzureichern und solltet ihn bis einschl. 1.5. posten. Am 1.5. schalte ich ein Linktool und ihr könnt euren Nähsteckbrief dort verlinken. Nähsteckbrief und Email mit Daten an mich gelten gemeinsam als verbindliche Anmeldung. Wer doch nicht mitmachen möchte, füllt einfach den Nähsteckbrief nicht aus und mailt mir die Daten nicht, ich nehme euch dann aus der Liste.

Am Wochenende 3./4.5. erhaltet ihr eure Stoffempfängerin per Mail von mir. Ab dann läuft die Besorgungszeit und endet

Am Do, 29.5. sollte spätestens euer Stoff auf die Reise gehen. Ich schalte am Sa, 31.5. dann wiederum ein Linktool, das ich aber eine Woche geöffnet lasse, so dass ihr euren Stoff in Ruhe streicheln und fotografieren könnt und bis Sa, 7.6. euren Ideenpost schreiben und veröffentlichen solltet.

Am Sa, 5.7. treffen wir uns zur Abschlusspräsentation der Kleidungsstücke.

Aus dem Zeitplan ergibt sich: Es geht hier um Sommerkleidungsstücke. Also bitte versendet keine dicken Wollstoffe, wir wollen doch gern einen bunten Reigen tollster Sommerbekleidung bestaunen und uns dann noch ein paar schöne Monate an unserem neuen Schätzchen freuen können.

Das Bild dürft ihr gern in eure Blogs mitnehmen. Gemacht hat es Herr Siebenhundertsachen, dem ich hiermit aufs allerherzlichste dafür danke, dass er seine knappe Freizeit in diese Aktion investiert hat.

Ich freu mich riesig, bin sehr gespannt und schwer betrübt, dass ich die einzige sein werde, die weiß, von wem sie Stoff bekommt. Aber das muss wohl so sein, was?

Habt ihr noch Fragen? Immer her damit. Und wie gesagt, wer noch mitmachen möchte, oder jemand anderen einladen, schicke mir bitte noch ganz schnell eine Email. Nach Mittwoch ist die Liste geschlossen.

 

* ich verwende der Einfachheit halber stets die weibliche Form, aber selbstverständlich sind auch Männer eingeladen mitzumachen.

Adieu Veggieblogtag!

Standard

Es fällt mir nicht leicht, aber ich muss leider nach knapp 1,5 Jahren dem Veggieblogtag “Auf Wiedersehen” sagen. Der Donnerstag ist auf absehbare Zeit mein langer Bürotag und da passt es einfach nicht, an diesem Tag auch noch zuverlässig etwas posten zu müssen. Daher muss ich die Serie hier bei mir einstellen. Ich hoffe natürlich, dass der Impuls zumindest einmal pro Woche auf Fleisch zu verzichten dennoch angekommen ist und euch meine Rezepte inspiriert haben. Ich werde selbstverständlich weiter Rezepte posten, aber wohl nicht donnerstags.
Wenn ihr nochmal die vergangenen Donnerstage Revue passieren lassen wollt: guckt doch unter dem Tag “Veggieblogtag”!

Me made Mittwoch: Rot gegen trist

Standard

Lucy fragt heute nach präferiertem Bildhintergrund und da trifft es sich gut, dass ich heute mit dem absoluten Negativbeispiel aufwarten kann. Denn gegen die absolut tristeste Ausstrahlung meines noch nicht eingeräumten, durch Vorbewohner deutlich abgewohnten und schlecht beleuchteten neuen Büros kann so schnell keiner anstinken. Nicht mal mein sehr geliebter strahlend roter Wahlsonntagsrock. Die Umzugskisten und mein Fleece-Fahrrad-Jäckchen runden das Ganze aufs schönste ab.

image

Der Rock ist absolut perfekt. Ich trage ihn häufig und mag ihn, genauso wie seinen aquarellierten Bruder sehr gern. Der Schnitt aus der Knip 1/2013 gehört inzwischen zum festen Repertoire. Der Stoff ist ein Stoffbruder meines Robson Coat, ein Dekostoff aus 60% BW/40% Poly und läuft leider erheblich ein, was bei einen Rock mehr stört als beim Mantel. Ich habe ihn hier invers genutzt, also glänzende Seite außen.

image

Die Bluse ist gekauft und schon sehr alt, aber auch sehr geliebt, die muss ich dringend nachbauen. Denn an Oberteilen mangelt es durchaus.

image

Und nun Reihe ich mich noch schnell schnell beim MMM ein. Den wollte ich eigentlich schwänzen, aber die Fotos passten so toll.

Stoffwichteln – Wer hat Lust?

Standard

Seit dem Bloggerinnentreffen in Bielefeld lässt mich eine Idee nicht mehr los: ein nähnerdiges Stoffwichteln.

Inzwischen sind ja die nähnerds sehr gut vernetzt und es geschieht gar nicht so selten, dass Stoffpakete quer durch die Republik reisen und eine Bloggerin für eine andere einkaufen geht. Am Tisch in Bielefeld kamen wir über verworrene Gesprächswege auf Nähchallenges, thematisch vorgegebenes Nähen, Kettentauschpakete für Bastelutensilien und swaps zu sprechen und sponnen daraus die Idee eines Stoffwichtelns, also dass eine Bloggerin für eine andere einen Stoff aussucht, den diese dann verarbeitet. Das ganze hat mich nicht mehr losgelassen und ich habe die vergangene Woche darüber nachgegrübelt, wie sich das realisieren ließe. Denn fest steht: ich fände es enorm spannend zu sehen, was jemand, der mich mit hoher Wahrscheinlichkeit nur vom Blog kennt für mich aussuchen würde und wie mich dann ein solcher Stoff inspirieren könnte und langsam in meinem Kopf zu einem Kleidungsstück würde. Genauso spannend stelle ich mir vor, einen Stoff auszusuchen, mich in die andere Bloggerin hineinzuversetzen und zu versuchen, möglichst ihren Geschmack zu treffen.

Es gibt ja viele Tauschaktionen in der Blogosphäre, wie etwa Adventskalenderwichteln, Postkartenaktionen, “Post aus meiner Küche” und natürlich auch die bei Quilterinnen beliebten Bees. Aus Amerika kenne ich auch z.B. das Tauschen von selbst gedruckten Stoffen. Und, noch viel krasser als was ich hier vorschlage: Die sew bossy initiative, bei der nicht nur ein Stoff sondern auch noch Schnitt und Zubehör vorgegeben werden.  Da müsste doch auch ein Stoffwichteln machbar sein, oder?

image

Stoffproben in einem Handelskontor in Genf

Meine Idee sieht etwa wie folgt aus: Ich würde das ganze auf Kleidungsstoffe begrenzen wollen und auch Stoffe mit sehr spezieller Verwendung, wie Mantelstoffe, Walk oder Brautsatin ausschließen. Schließlich soll aus dem Stoff zeitnah ein Kleidungsstück entstehen können, das die Stoffempfängerin auch gern trägt.

Es gäbe zunächst eine Anmelderunde, bei der jede, die mitmachen möchte eine Art Nähsteckbrief ausfüllt, in dem sie angibt, was sie prinzipiell gern näht und verarbeitet, welche Materialien sie kategorisch ausschließen würde. Das ist vor allem wichtig, damit auch Teilnehmerinnen mitmachen können, die nicht seit 5 Jahren Kleidung verbloggen und deren Stil daher vielleicht nicht ganz so evident ist. Ich würde dennoch eine Mindestanzahl an verbloggten Kleidungsstücken fordern, vielleicht 10? Dieser Steckbrief würde dann verlinkt und wäre die verbindliche Anmeldung.

Ich würde dann, unter Aufbringung sämtlichen Zufalls dessen ich fähig bin, die Bloggerinnen matchen und jeder Teilnehmerin ihre Stoffempfängerin mitteilen. Natürlich nicht umgekehrt, denn wir wollen ja nicht Bestellungen aufgeben, sondern uns überraschen lassen, oder? Daher sollten die Spielregeln beinhalten, dass man sich seiner Stoffempfängerin erst mit Versand des Stoffpakets zu erkennen geben darf. Sollte es irgendwelche Rückfragen zum Steckbrief geben, würde ich die als Mittlerin weitergeben.

Dann müssen natürlich noch die Rahmenbedingungen abgeklärt sein. Also, es sollte Kleidungsstoff sein und die Menge sollte auch ausreichend sein, um daraus ein Kleidungsstück zu nähen. Ich würde aber keine feste Menge vorgeben, da ja der Stil der Empfängerin sehr den Stoffverbrauch beeinflusst. Es macht keinen Sinn, jemandem, die nur Tellerröcke trägt, ein 80cm-Stück zu schicken. Umgekehrt mag jemand, die gern kleine schmale Kleider trägt von 5m Stoff auch etwas überfordert sein. Stattdessen halte ich eine Budgetobergrenze für sinnvoll. Das finanzielle Risiko sollte überschaubar bleiben. Wer dann denkt er möchte 3m verschicken, der muss vielleicht zu einem günstigeren Stoff greifen.  Umgekehrt kann man aber vielleicht auch jemandem mit nur einem Meter eines etwas edleren Stoffes eine Riesenfreude machen. Ich hab zunächst gedacht, wir könnten uns einigen, dass wir mindestens 1m maximal 3m verschicken und dass die Gesamtkosten 25 Euro nicht übersteigen dürfen. Aber vielleicht habt ihr andere Vorschläge. Wenn aber eine einen perfekten Stoff auf dem Flohmarkt für 2 Euro ergattert, fände ich das auch ok, es geht ja nicht nur um den pekuniären Wert des Stoffes sondern um den Wert für die Empfängerin, das wäre zumindest meine Meinung. Also, was sagt ihr zu diesem Punkt? Bitte diskutiert lebhaft!

image

Antike Stoffproben in einem Handelskontor in Genf

Es bräuchte außerdem einen Zeitrahmen. Vielleicht 1 Monat für das Besorgen des Stoffes? Oder ist das zu lang? Und danach 1 Monat um daraus ein Kleidungsstück zu fertigen? Oder länger?

Ich würde sagen, nach einem Monat sollten die Stoffe bei der Empfängerin sein, diese sollte dann ihren Stoff und ihre Ideen dazu posten. Vielleicht ergeben sich dann noch spontane Nachtausche, wie beim schrottwichteln?

Und dann würden wir uns noch ein drittes Mal verabreden, um zu zeigen, was aus unserem Stoff geworden ist.

So jetzt ihr! Brainstormt mit mir, sagt was euch zusagt und was nicht? Hättet ihr Interesse? Ich binde eine Umfrage ein, um erstmal abschätzen zu können, mit wievielen Teilnehmerinnen zu rechnen wäre, ihr könnt mehrere Antworten anklicken. Was ihr da eingebt ist erstmal noch völlig unverbindlich! Bitte erläutert in den Kommentaren, was ihr denkt, was ihr anders haben wollen würdet.

Bloggerinnentreffen in Bielefeld – so war das

Standard

Bereits im Januar trafen sich in Bielefeld Horden von #nähnerds zu einem Riesennähkränzchen: der Annäherung. Leider konnte ich da nicht hin, nicht nur war der Minimensch noch zu klein, als das ich hätte auswärts übernachten können, auch waren wir alle richtig gepflegt krank und so konnte ich nur die vielen begeisterten Berichte verfolgen. Aber schneller als gedacht ergab sich wieder die Gelegenheit sowohl Bielefeld als auch zahlreiche Nähverrückte zu Gesicht zu bekommen und dieses Mal konnte ich – zumindest am Sonntag – mit von der Partie sein.
Am Samstag waren wir mit Sack und Pack aus dem kurzen Urlaub im Mittelgebirge zurückgekehrt, und kaum war die erste Maschine Wäsche gewaschen, schon ging’s für mich wieder los.

Sonntagmorgen um 8.30 ließ ich Mann und Kind am Frühstückstisch zurück und machte mich – nur mit einem Kaffee gestärkt – auf den Weg nach Bielefeld. Da war ich seit ca 10 Jahren nicht mehr gewesen. Die A2 war praktisch leer, das Wetter sonnig und ich sehr gespannt und voller Vorfreude – und Hunger. Die Fahrt war viel kürzer als gedacht, in 1Std 15Minuten war ich schon da und so fast unter den ersten im schönen Café Berlin, wo wir uns zum Frühstück trafen. Von Frau Bunte Kleider wurde ich direkt mit den Worten “Ich hab dich an deinem Mantel erkannt” begrüßt, Frau Knopf kannte ich schon vom letzten Bloggerinnentreffen in Berlin und wie auch dort war es vollkommen problemlos schnell ins Gespräch zu kommen. Eine Reihe von anwesenden Damen kannte ich bereits persönlich, aber auch bei denen, die ich nicht kannte, bestätigte sich wieder, was ich bisher immer erfahren habe, wenn ich Bloggerinnen getroffen habe: Der Eindruck den ich von der Frau in ihrem Blog bekommen habe, passte fast immer sehr gut zur tatsächlichen Frau. Ein Hoch auf die Authentizität der #nähnerd-Gemeinde.

Besonders gefreut habe ich mich, dass ich Muriel und Frau Grueneblume kennenlernen konnte, deren Blogs ich beide schon sehr sehr lang lese. Und als i-Tüpfelchen trug Frau Grueneblume ein wunderschönes Anna-Dress, das reichlich bestaunt und bewundert wurde, und von dem ich NATÜRLICH kein Foto habe. Ich hatte nämlich nur mein Handy dabei und das macht grauenhafte Fotos. Außerdem blieb gar keine Zeit zum Fotografieren, denn neben quatschen mit möglichst vielen der Damen musste auch noch ausführlich der Tauschtisch inspiziert werden. Wir scherzten, dieser Tisch sei ein bisschen wie Schrottwichteln für #nähnerds, aber in Wahrheit war er eine Schatztruhe, aus der im Verlauf des Vormittags immer wieder neue Schätze an die Oberfläche drangen, so dass ich am Ende mit einem dicken Stoffpaket wieder aufbrach.

Das Frühstück war allererste Spitze und so reichlich, dass man kaum alles probieren konnte. Sehr schön fand ich, dass die Gruppe gerade so groß war, dass wir noch genau an einen großen Tisch passten, eine geradezu ideale Gruppengröße also. Durch meinen Platz in der Mitte konnte ich mich durch zahlreiche Gespräche treiben lassen, das war richtig toll. Und obwohl ich ja den Samstag verpasst hatte, war ich schnell vollkommen integriert.

Die Atmosphäre war locker & lustig und auch so, als kenne und treffe man sich schon ewig. Ein bisschen über die Burdas aus den 70ern und 80ern lästern, die es auch zu ertauschen gab, bestaunen des tollen Buches “s’habiller comme au cinema”, das Frau Alle Wünsche mitgebracht hatte und verrückte Ideen spinnen.

Im frühen Nachmittag löste sich die Gesellschaft nach einem Gruppenfoto langsam auf. Ich merkte satt und angefüllt mit Gesprächen, dass die Nächte in letzter Zeit in der Mehrheit eher wenig erholsam waren und beschloss, mich lieber auf den Heimweg zu machen. Spätestens als ich den üblichen Ruhrgebietswochenendpendlerrückreiseverkehr auf der A1 und zeitgleich einen Hagelschauer traf, wünschte ich mir schon etwas die passive Ruhe einer Zugfahrt, um in Ruhe noch ein wenig alles nachklingen zu lassen. Das musste leider warten, denn zuhause wartete ja erstmal noch ein Familiennachmittag mit Spaziergang und eine weitere unruhige Nacht.

Es bleibt die wunderbare Wärme im Herzen beim Gedanken an diese Gruppe von tollen, lustigen und rundum herzlichen Frauen, die Erkenntnis, das Bielefeld viel näher ist, als ich dachte und der Wunsch mit vielen der anwesenden Damen einfach mal einen ganzen Nachmittag oder abend haltlos plaudern zu können. #nähnerds treffen ist wunderbar.

Also wann immer eine von euch im Ruhrgebiet ist: Sagt Bescheid, ich freu mich! Und ein dickes Dankeschön an die vier Organisatorinnen, die das Treffen möglich gemacht und tollstens organisiert haben.

Veggieblogtag: Süßkartoffelsuppe

Standard

Ich bin eine Suppenkasperin. War ich, denke ich, schon immer. Auf jeden Fall bin ich in meiner gesamten Familien als leidenschaftliche Suppenliebhaberin bekannt. Meine Oma macht sogar IMMER wenn ich sie zum Essen beehre extra eine Suppe vorweg. Selbst wenn noch andere Leute kommen, deren Suppenaffinität weniger stark ausgeprägt ist

. Solche Leute solls ja geben, mit einem davon bin ich sogar verheiratet. Deshalb gibt es bei uns seltener Suppe, als ich persönlich mir wünschen würde, aber mit über die Jahre steigender Tendenz, immerhin. Ich habe nämlich inzwischen herausgefunden: 1. Suppen sind angeblich kein vollwertiges Essen (Das ist natürlich Unsinn, man muss einfach mehr davon essen) 2. Es gibt Suppen, die als vollwertiges Essen im Notfall akzeptiert werden können. Das sind vor allem klassische Eintöpfe. In die Kategorie “Echtes Essen” fällt auch z.B. diese Suppe: Süßkartoffel-Rosmarinsuppe
image

Für 4

2-3 Süßkartoffeln je nach Größe
1/2 Stange Lauch
1 kleines Stück Sellerie
3 Kartoffeln
1 Petersilienwurzel (zur Not Pastinake)
1 Möhre
1 l Gemüsebrühe
100 ml Sahne
Rosmarin, Muskat, Chili, Paprika edelsüß, Pfeffer, Salz

Alles Gemüse putzen und grob würfeln. Mit der Brühe in einen Topf geben soforz 1 TL getr. Rosmarin und eine gute Prise Muskat zugeben und aufkochen, ca 30 Minuten kochen, bis alles Gemüse gar ist.

Nun die Sahne zugeben. Die Suppe mit dem Stampfer fein stampfen. Dann mit Salz, Pfeffer Paprika und Chili nach Belieben abschmecken. Dazu serviere ich eine Scheibe in der Pfanne mit Provencekräutern angebratenes Vollkorn- oder Roggenbrot.

Wochenblicke KW 12 und 13/2014

Standard

image

image

image

Mal wieder muss ein Rückblick für 2 Wochen reichen. Wir waren in den letzten Wochen hier alle ziemlich müde. Es kamen Zähne, dann wuchs das Kind, nun scheint es langsam wieder ruhiger zu werden. Da wir auch so einiges in Wohnung und Garten tun wollten und zudem Besuch hatten, fiel das Fotografieren und bloggen hinten über. Aber wir waren viel im Garten. Ein Tomatenhaus entsteht – aber ist noch lang nicht fertig. Der Minimensch immer dabei mit Eimer und Schüppe, Sonnenhut und Buddelanzug. Im April säen wir Rasen und bald wird die Schaukel aufgebaut. Ich erfreue mich sehr daran, wie langsam alles erblüht (wenn auch eigentlich viel zu früh) und freue mich schon, bald Salat und Radies auszupflanzen.

image

image

Ich habe durchaus auch genäht, allerdings zum Teil für andere. Zum Beispiel für einen frischen Minimensch, der mit Buxe und Mütze begrüßt wurde. Elefantös und hoffentlich gut passend. MannohMann, sind diese Frischlinge klein.

Ansonsten werkele ich an meinem Blazer und verzweifle an den Taschen, die einfach nicht gerade und ordentlich auf das verdammte Ding draufwollen, nach x-Mal trennen sind sie auch schon ziemlich lädiert und ich erwäge, sie wegzulassen. Parallel habe ich den ersten Nessel für meinen geplanten Grundschnitt zugeschnitten und ordentlich markiert. Jetzt ruhen alle Nähprojekte und ich stricke am Jäckchen, das sehr langsam wächst.

image

image

Gelesen habe ich sehr viel und es fällt mir gerade fast schwer, da strukturiert was rauszupicken als Leseempfehlungen.

Beginnen wir mit den Hebammen. Dass hier Handlungsbedarf besteht ist vermutlich jedem außer dem Gesundheitsminister und der ARD-Gesundheitsfachfrau inzwischen klar. Eindringlich unterstrichen und erklärt wird das nochmal hier. Leider scheint die wichtige Aufmerksamkeit, die das Thema verdient, nun leider durch die wirklich dumm angeleierte Aktion auf selbstgeboren.de vom eigentlichen Kern der Sache abgelenkt zu werden. Eindringlich wird hier noch einmal appeliert, dass das Thema zu wichtig ist, um sich spalten zu lassen. Aber selbstgeboren.de – herrje, was für ein selbstgerechter Müll. Ich habe, das klang hier wohl nur am Rande durch, den Minimensch in der 37. Woche per dringend medizinisch indiziertem, geplantem Kaiserschnitt bekommen und fühle mich von einer Aktion wie selbstgeboren.de verhöhnt. Als bräuchte eine Frau, die nicht “vollkommen frei von Intervention” entbunden hat, keine Hebamme. Ohne eine wirklich brilliante Pränataldiagnostikerin, eine sehr gelassene professionelle Gynäkologin und einen sehr erfahrenen und abwartenden Operateur hätte der Minimensch vermutlich einige Zeit in der Kinderklinik verbracht. Aber ohne Hebammen in der Klinik und in der Nachsorge, hätte ich das Ganze sicher sehr viel weniger gelassen überstanden. Warum dann eine Kaiserschnittgeburt nicht als Unterstützung für Hebammen herangezogen werden darf, ist mir vollkommen unverständlich. Und genauso auch Geburten wie hier, hier, hier und hier geschildert.

Weiter mit dem Thema Vereinbarkeit, zu dem Catherine hier sehr richtig bloggte und zu dem man hier noch einen Vergleich mit den Nachbarn, vorrangig im Norden, die das Ganze offenbar sehr viel besser machen. Und einige Beispiele zu Co-Working mit Kind hier.

Und zuletzt noch was zum lachen: T-Rex trying. Ein großartiger tumblr. Ich habe sehr gelacht.

Frühlingsjäckchen Knitalong: Zweiter Zwischenstand

Standard

Beim letzten Zwischenbericht habe ich es nicht geschafft rechtzeitig einen Post fertigzuschreiben und ich war auch etwas über meinen mangelnden Fortschritt bedrückt. Es ist halt der Nachteil, wenn man alle Teile gemeinsam strickt, dass eine Reihe ziemlich ewig dauert und man den Fortschritt nicht so schnell sieht. Zudem bin ich auch keine sehr konsequente Strickerin, wenn ich abends Zeit hab, dann nähe ich eigentlich meist. Wenn wir fernsehen,  was wir ohnehin selten genug tun (zum Glück!), dann bin ich oft so von der Kiste absorbiert, dass ich das Strickzeug in meiner Hand schlicht vergesse. Dennoch, ich habe Fortschritt, wenn auch kleinen und komme derzeit, weil der Mann zuhause weilt, auch öfter untertags zu ein paar Reihen. So sieht es derzeit aus:
image

Das Muster strickt sich super und die Wolle (Merino extra fine von Drops in blaulila) mag ich sehr. Ich orientiere mich kaum an der Anleitung,  die ohnehin vor Fehlern strotzt, sondern vergleiche stetig mit meinem Kaufjäckchen. Ich habe etwas Sorge,  dass die fertige Jacke zu weit sein wird, aber ich hoffe jetzt einfach mal…
image

Ich bin nun fast an der Stelle, wo die Armlöcher beginnen und wo ich auch den V-Ausschnitt starten werde. Das heißt, ich werde das Gestrickte nun Teilen und ab jetzt Vorderteile und Rückenteil einzeln beenden. Das wird sehr motivierend sein…
image

Bei den Ärmeln bin ich noch unentschieden,  ob ich mich an Puffärmeln versuchen soll. Vielleicht ist die Wolle dafür schon latent zu dick? Ich stricke Ärmel gern direkt an, das geht doch mit Puffärmeln gar nicht, oder?
image

Ich befürchte außerdem, dass ich Wolle nachbestellen muss, was mir sehr selten passiert. Meist habe ich eher so 2-3 Knäuel über… aber Lanade macht ja jetzt Paypal. Hihi. Da werde ich bestimmt nur genau 2 Knäule nachbestellen, was?

Meike begrüßt uns an diesem herrlichen Sonnentag zum virtuellen Strickkränzchen und ist schon sehr viel weiter als ich und hat auch noch passende Nähpläne.

Solidarische Pluralität statt Konkurrenzkampf

Standard

An diesem Artikel denke ich schon lang herum, ich würde sagen schon Monate. Der konkrete Anlass, meine diffusen Gedanken nun mal in einigermaßen geordnete Bahnen zu lenken und niederzuschreiben ist eine Diskussion auf Twitter, die sich vorgestern zum Thema “Vereinbarkeit” entspann und die auch in Catherines sehr lesenswerten Blogpost zur Notwendigkeit einer “Mütterlobby” ihren Nachhall findet. Dabei ist mein Post eigentlich keine Replik auf Catherines Beitrag und die verschiedenen Meinungen, die auf Twitter ausgetauscht wurden. Vieles war einfach schon in meinem Kopf und brauchte nur mal ein Ventil.

Ich bin noch nicht besonders lange Mutter und ich bin zudem in der luxuriösen Situation einen sehr verständnisvollen Chef und sehr flexible Arbeitszeiten zu haben. Ich bin deshalb deutlich weniger als andere Bloggerinnen bisher vom Problem der Vereinbarkeit direkt betroffen. Ich kann aber zumindest auf reichlich anschauliche Beispiele aus Bewerbungs- und Berufungsverfahren aus der Uni sowie Erfahrungen im Freundes- und Bekanntenkreis zurückgreifen. Auf Basis dieser Mischung aus Eigen- und Fremderfahrung würde ich sofort jedes Wort zur Diskriminierung von Müttern in Catherines Blogpost unterschreiben. Im Prinzip gehe ich auch mit der Forderung nach einer Mütterlobby d’accord und denke ebenfalls, dass die Interessen von Müttern und Nicht-Müttern sich vermutlich nicht (mehr) sehr stark decken, was einen gemeinsamen feministischen Ansatz in der Tat schwierig erscheinen lässt. Ich möchte, da Catherine außerdem in diesem Bereich erheblich bewanderter ist, als ich, hier auch gar nicht viel hinzufügen. Sie hat Recht.

Ich sehe allerdings weitere Aspekte, die an dem Vereinbarkeitsthema oft mitbesprochen werden, aber eigentlich darüber hinausgehen. Um es ganz kurz zu formulieren, bevor ich detaillierter werde: Die Gesellschaft und Arbeitswelt haben sich in den letzten Jahrzehnten in einer Weise gewandelt, die zu einem Mainstreaming von Lebensentwürfen führt – und zwar hin zu einem möglichst ökonomisch-kapitalistisch “wertvollen” Lebensentwurf. Und das sage ich als Ökonomin (und ich kann mir die Reaktion sehr vieler Kollegen sehr sehr deutlich vorstellen). Dieses Mainstreaming führt letztlich zu einem Gegeneinanderausspielen von verschiedenen Interessengruppen im Arbeitsmarkt aber eigentlich gesamtgesellschaftlich – wo diese Gruppen sich im Interesse der Gesellschaft besser ergänzen als bekriegen sollten. So, das war jetzt sehr akademisch geschwurbelt und ich versuche mal, das ganze aufzudröseln.

Das für mich immer wieder sichtbare Symptom dieser Grabenkämpfe rund um den “richtigen” vs. “falschen” Lebensentwurf ist die sofortige und reflexartige Verteidigungshaltung, die sich aus Kommentaren zu Blogposts, hier und woanders, herauslesen lässt, die sich grob mit dem Themenkomplex “Müttererwerbstätigkeit/Kinderbetreuung/Vereinbarkeit” beschäftigen. Vor kurzem erst wieder löste ich völlig ungewollt einen Sturm der Entrüstung aus, als ich eigentlich satirisch und keineswegs bierernst über das spezielle soziologische Biotop der Mutter-Kind-Gruppe unter besonderer Berücksichtigung der Tupperparty bloggte. Das ging soweit, dass selbst meine eigene Mutter sich in ihrem Lebensentwurf kritisiert sah – obwohl ich doch nur keine Babyschau-mäßigen-Kinderbespaßungsgruppen mag und mich nicht mit dem von Tupperware transportierten Frauenbild identifizieren kann. Ich habe kurz darüber nachgedacht etwas zu bloggen wie “Hallo, jede wie sie will!!!” nur um deutlich zu machen, dass ich keinesfalls sagen will, dass es schlecht ist, Hausfrau zu sein. Ganz im Gegenteil, ich kann gut nachvollziehen warum es in vielen Situationen sehr naheliegend und richtig ist, Hausfrau zu werden, gerade mit mehr als einem Kind. Dass hier im Hause Siebenhundertsachen unsere Stellen- und Einkommenssituation nicht so sehr eine_n klare_n Ernährer_in aufweist, ist ja zunächst mal unsere Sache. Ich wollte, und das nur noch mal der Vollständigkeit halber, lediglich transportieren, dass ich das Rollenbild “putzendes, dummes Heimchen am Herd ohne eigene Identität und ökonomische Kompetenz” für überkommen halte. Leider, und das habe ich mir nicht ausgedacht, treffe ich gar nicht so selten Frauen, die Dinge sagen wie “ach ich kann das große Auto nicht fahren, ich bin ja eine Frau” oder “ach, mit Gelddingen kenne ich mich nicht aus, das kümmert mich auch nicht, das regelt alles mein Mann, Männer sind in sowas einfach besser” – da krieg ich die Motten und das sei mir bitte gegönnt, ok?

Was sich aber an dieser Diskussion hier bei mir und bei hunderten anderswo sofort zeigt ist, dass es offenbar eine Front gibt, die zwischen Lebensentwürfen verläuft. In diesem Fall zwischen dem Lebensentwurf zweier erwerbstätiger Partner, die ebenfalls geteilt die Fürsorge für den Nachwuchs übernehmen und dem Lebensentwurf einer klaren Aufgabenteilung mit einem Verdiener und einer Fürsorgerin. Und sobald ein kleiner Tropfen in Form eines Artikels in das Fass platscht – Padauz – läuft es sowas von über, da sind sofort alle in Verteidigungshaltung und es wird schnell sehr persönlich und wenig sachlich. Und zwar in beide Richtungen. Die einen sehen sich argumentativ an die Wand gestellt weil sie zu Hause bleiben, ob nun aus idealistischen oder pragmatischen Gründen. Die anderen fühlen sich angegriffen weil sie ihr Kind früh(er) in eine Betreuung geben und schnell(er) wieder arbeiten gehen. Und wer mal einen Mann, der länger als 2 Monate Elternzeit genommen hat oder sogar Teilzeit arbeitet zu Gesicht bekommt, der wird auf minimale Nachfrage hin absolut unsägliche Geschichten zu hören kriegen, was dieser oder auch wahlweise seine Partnerin sich für Sachen anhören mussten. Da kommt dann schnell wieder die “Kinder gehören zur Mutter”-Totschlagklatsche und schwupps ist die Front wieder klar – geh in deine Ecke du zweitklassiger Mutterersatz.

Genau andersherum verlaufen die Fronten dann in der Arbeitswelt. Da werden Eltern (also Mütter, die arbeiten oder Väter, die auch einen Teil oder die gesamte Fürsorge übernehmen) dann angefeindet, weil sie Vereinbarkeit einfordern, auf feste Feierabendzeiten, planbare Termine, überschaubare Reisetätigkeit pochen (müssen !!!), weil ihre Kinder krank sind oder weil sie in den Schulferien Urlaub brauchen. Schließlich hat man sich das mit den Kindern ja selbst so ausgesucht, das ist Privatsache, was will man dafür eine Extrawurst. Dennoch ist es ja auch verständlich, dass Nicht-Eltern, die damit nicht aufgrund der Kinder auf eine begrenzte Anzahl von Überstunden und Abendterminen pochen können, die bei Urlaub zurückstecken und mehr Flexibilität aufbringen sollen, nicht unbedingt begeistert sind. Schließlich konkurriert man um Jobs und auch in Jobs. Da sorgt Ungleichbehandlung, sei sie nun gerechtfertigt oder nicht, nötig und wichtig oder nicht für böses Blut. Und das ganze lässt sich nicht nur für Eltern vs. Nicht-Eltern, Mütter vs. Nicht-Mütter durchspielen. Natürlich Männer vs. Frauen. Was ist mit Singles vs. Menschen in festen Partnerschaften? Auch da ergeben sich im Job schnell unterschiedliche Interessen, die sich trefflich gegeneinander verwenden lassen. Denn wenn doch der Single flexibler ist, als der Mensch mit Partner, hat er dann nicht auch die Karriere eher verdient? Aber ist nicht umgekehrt ein Mensch mit Partner der langfristig zuverlässigere Arbeitnehmer? Es lässt sich immer ein Gegenentwurf aufmachen. Alte vs. Junge. Bildungshintergrund, Migrationshintergrund, sexuelle Orientierung, Religion – you name it. Was bleibt ist, dass in jeder dieser Situationen Arbeitnehmer gegen Arbeitnehmer, Bürger gegen Bürger positioniert sind. Wir sitzen im gleichen Boot und fahren recht zielstrebig auf den Wasserfall zu und was wir tun, um den Absturz abzuwenden ist in erster Linie auf andere zu zeigen und ihnen zu erklären, sie seien schuld, weil sie ihr Leben falsch gestalten.

Woher kommt das? Warum können wir nicht einfach jede und jeden mit seinem Lebensentwurf stehenlassen, wie er/sie ist? Wenn wir für uns richtig und wichtig finden, uns Erwerbs- und Fürsorgearbeit zu teilen, dann kann ich doch trotzdem einfach mal anerkennen, dass andere aber finden, dass es effizienter oder besser oder einfach pragmatischer ist, das ganze anders zu verteilen. Wenn ich als Mutter eben zeitlich eher unflexibel bin, dann könnte man z.B. anstatt darüber die Nase zu rümpfen einfach mal einen Blick auf meine Augenringe werfen und sich denken “lieber abends arbeiten als ein zahnendes Kind in den Schlaf tragen”. Und wenn jemand sich gegen Kinder entscheidet, dann wird sie oder er da schon Gründe für haben, und vermutlich nicht nur, dass sie alles Geld für sich allein haben wollen (und wenn – kann mir ja auch gleich sein, denn Geld allein macht bekanntlich nicht glücklich). Vielleicht ist jemand gar unfreiwillig kinderlos. Wäre ich gemein, würde ich unterstellen, dass diejenigen, die ihren Lebensentwurf am lautesten verteidigen selbst am meisten daran zweifeln. Aber ich halte das nicht für die Erklärung.

Ich denke, unsere Arbeitswelt und dem nachfolgend unsere ganze Gesellschaft haben sich in den letzten Jahren in einer Art und Weise gewandelt, die eine so starke Konkurrenz produziert, dass jede Abweichung von einer gefühlten Norm als “wunder Punkt” ausgemacht wird und versucht wird, diese dann gegen den/die Konkurrent_in zu verwenden. Unsere Arbeitswelt ist unmenschlich geworden und fordert von uns alles im Leben der Arbeit unterzuordnen. Nach einer ruhigen Verschnaufpause im Kielwasser des sogenannten Wirtschaftswunders und einigen Jahrzehten sozialer Marktwirtschaft, sind wir in unseren Arbeitsverhältnissen erneut in einer Ära der Ausbeutung angelangt. Wobei ich nicht sagen würde, dass wir wieder in Zustände wie zu Zeiten der Industrialisierung zurückfallen. Die Art der Ausbeutung ist eine völlig andere. Denn das schlimme ist, dass heute wir selbst es oft schon in vorauseilendem Gehorsam oder zumindest in fatalistischer Duldung übernehmen, uns bis an unsere Grenzen und darüberhinaus zu belasten. Wir machen uns ein Gutteil unseres Drucks selbst oder eben untereinander. War es in der Feudalgesellschaft und bis zur Industrialisierung doch zumindest so, dass klar zwischen wir hier unten und die da oben unterschieden werden konnte, so sind wir heute eher in einer Zeit der kompetitiven Selbstaubeutung angekommen. Das heißt eben, das Kinder möglichst keinen Einfluss auf die Arbeitskraft haben sollten (vollkommen utopisch) und ansonsten als Schwachstelle gesehen werden. Das heißt auch, dass alt zu sein, krank zu sein, gebunden zu sein, in erster Linie eine Schmälerung der Arbeitskraft und damit eine Mehrbelastung für die Kollegen bedeuten – und da jeder am Limit arbeitet, kann und will man das nicht akzeptieren.

Auf der anderen Seite braucht unsere Gesellschaft dringend Kinder, Ehrenamtliche, Fürsorgende, Erziehende, Betreuende aber auch gut ausgebildetete Fachkräfte, zahlungskräftige Steuerzahler und selbstständig altersvorsorgende Gut-Verdiener. Und so wird uns politisch verordnet, dass wir bitteschön mit links und Kusshand gleichzeitig eine gute Ausbildung bestreiten, früh viele Kinder kriegen, einer steuer- und sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, unsere Eltern und Kinder pflegen und uns hier und da und dort engagieren sollen. Und setzt uns damit wiederum unter Druck – lässt uns gesellschaftlich als Versager darstehen, wenn wir nicht all dies und mehr erfüllen – und schafft damit noch mehr Konkurrenz, böses Blut und falsche Erwartungen allerorten.

In meinen Augen sollten wir den Mehrwert der Pluralität erkennen. Sehen, dass wir verschiedene Lebensentwürfe brauchen, damit alle gesellschaftlichen Aufgaben und Herausforderungen bewältigt werden können. Und uns gemeinsam gegen eine Durchtaktung des Lebens bis ins Privateste, gegen deutlich überzogene Anforderungen an Arbeitnehmer, gegen das Gegeneinanderausspielen zur Wehr setzen. Damit es möglich ist, seine individuellen Präferenzen, Notwendigkeiten und Gegebenheiten in einem förderlichen und anregenden Arbeitsumfeld leben zu können und nicht den eigenen Lebensentwurf der Arbeitswelt unterordnen zu müssen und das dann vereinbaren zu nennen. Wichtige Schritte hier wären für mich: Die Anerkennung und Wertschätzung von Betreuungsarbeit – bezahlter und unbezahlter. Die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und Orten – viel zu oft wird nur aus Verbohrtheit auf 100% Anwesenheit gepocht. Viel zu oft wird vollkommen gegenstandslos behauptet, ein Job sei nicht in Teilzeit zu machen. Die Reform der Renten- und Pflegeversicherung. Die Abschaffung der Vielzahl an fehlgeleiteten Subventionen und Steuerprivilegien, die nichts bringen aber viel kosten wie etwa das Ehegattensplitting, das Betreuungsgeld, die Begünstigung von Rürup- und Riesterrente,  zugunsten von zukunftsorientierten Konzepten, die Kinder, Bildung und Energiewende fördern, weil dies die wichtigsten Ingredienzen für eine tragfähige zukünftige Gesellschaft sind. Vor allem aber, uns nicht für ein ohnehin nicht tragfähiges und nachhaltiges kapitalistisches Wirtschaftssystem instrumetalisieren und gegeneinamder ausspielen zu lassen.

P.S. ich möchte ausdrücklich hinzufügen, dass ich damit nicht sagen will, dass es keinen Kampf für benachteiligte Gruppen mehr geben sollte. Selbstverständlich brauchen wir eine Elternlobby, natürlich ist der Feminismus nach wie vor wichtig, auch sollten wir dringend etwas gegen Diskriminierung von Ausländern und Menschen mit Behinderung tun. Aber bitte ohne Frontenbildung mitten durch Gruppen, die eigentlich solidarisch miteinander umgehen sollten.

Me made Mittwoch: Alltagsrock

Standard

Ich reihe mich noch kurz vor knapp beim Me Made Mittwoch ein, wo jeden Mittwoch viele viele alltägliche und weniger alltägliche selbstgeschneiderte Kleidungsstücke an der Frau zu bewundern sind. Ich habe heute ein absolutes Alltagsoutfit an, dass ich so ca. einmal in zwei Wochen trage, seit ich diesen Rock fertig genäht habe.

P1060351

Der Herzchenrock hat sich sehr bewährt. Er ist bequem und bietet viel Bewegungs-, Spiel- und Tobefreiheit, kann sowohl bei der Gartenarbeit als auch auf dem Boden sitzend getragen werden und ist auch nicht ganz schlimm fleckanfällig, da er schön dicht gemustert ist. Er ist auch schnell wieder gewaschen und trocken und braucht – wenn er angetrocknet wurde – nichtmal das Bügeleisen sehen.P1060346

 

Leider ist er mir inzwischen, so wie alles, was ich im letzten Jahr genäht habe, deutlich zu weit. Ich habe, dank einer langen Reihe unruhiger Nächte, in letzter Zeit ein gutes bisschen abgenommen und so sitzt der Rock nun hüftiger als beabsichtigt und schön. Ich binde ihn mit Hilfe des Bindebandes an mir fest und werde erstmal den Knopf im Bund versetzen. Falls das nicht reicht muss wohl doch nochmal der Nahttrenner ran.

P1060347

Der Rock ist eigentlich aus Sommerstoff. Da ich aber nur ein recht schweres Satinfutter in ausreichender Menge in schwarz in meinem Lager fand, ist er relativ dick gefüttert, was ihm nicht nur ein sehr nettes Tragegefühl verleiht, sondern ihn seit ca. September zu einem Alle-Wetter-Kleidungsstück machte – richtig Wollrock-Wetter war ja kaum mal. Im schlimmsten Fall muss eine wollige Strickjacke drüber.

Wiebke zeigt heute eine – wohooo – Hose, die zwar ungewohnt aber wirklich schick an ihr ist