Me made Mittwoch – Passformgedanken

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Hach, diese Sonne. Herrlich. Als ich gestern abend vor dem Kleiderschrank stand um mein Outfit für heute auszuwählen, hätte ich zu gern schon nach einem Baumwollkleid gegriffen. Aber die Vernunft (morgens sind halt doch nur 2 Grad, das ist dann auf dem Fahrrad recht frisch) hat mich dann doch nochmal ein Wollkleid herausziehen lassen: Das Weihnachtskleid 2011.
IMG_20150311_091541IMG_20150311_091401Dieses Kleid zeigt mir deutlicher als viele andere, wie sind mein Nähvermögen und meine Beurteilung von Passform parallel entwickelt haben. Das Kleid hat wirklich erhebliche Passformschwächen. Das sieht man besonders gut von der Seite und von hinten, aber auch der Ausschnitt ist alles andere als optimal. IMG_20150311_091620IMG_20150311_091558Als ich es nähte kannte ich außer dem anpassen von Abnähern noch keine Möglichkeit das Kleidungsstück an meine Figur anzupassen und wusste auch noch nicht genug über meine Proportionen, um dies im vorhinein machen zu können. Während heute sowohl ein FBA als auch eine Anpassung der rückwärtigen Abnäher eigentlich schon im Schlaf und von allein vonstatten gehen, hatte ich hier einfach das Oberteil in einer größeren Größe, passend halt zum angegebenen Brustmaß zugeschnitten und genäht und gefüttert, um dann festzustellen, dass ich in einem um die Brust zu engen und darunter zu kurzen Oberteilsack stecke. Als mir dann über kreativ gesetzte Abnäher und tricksen an Reißverschluss und Seitennaht die Anpassung an meine Figur gelungen war, war ich so stolz, dass ich die verbliebenen Passformmängel gar nicht bemerkte. Jahrelang war ich mit dem Kleid vollkommen im Reinen. IMG_20150311_091453

Und ich trage es auch immernoch gern und ohne mich darin kritisch zu beäugen, das Gefühl von der Fertigstellung hängt einfach am Kleid dran. Sehr viel besser sitzende Kleider, die ich in jüngerer Zeit genäht habe, beäuge ich viel kritischer und lasse ich schon wegen sehr viel kleineren Fehlern öfter im Schrank. Warum? Vermutlich weil ich weiß, dass ich diese Fehler durchaus hätte vermeiden können und sie nur durch Unachtsamkeit und Verpeilung zustande gekommen sind. Das ist in gewisser Weise viel ärgerlicher. Und so ruft mir (und euch) dieses Kleid auch ein bisschen zu: Mensch, sei mal gelassener, es kommt eh nur auf das Gefühl an, das ein Kleidungsstück in dir weckt.

IMG_20150311_091736Zur Abrundung des Outfits trage ich seit dieser Woche wieder mein ganz klar am meisten getragenes Kleidungsstück: den Robson Coat. Ich freue mich jedes Jahr, wenn es wieder Zeit ist ihn aus dem Schrank zu holen und liebe ihn sehr sehr heiß und innig. Er hat vielleicht keine sonnige Farbe aber ist doch für mich DAS Frühlingskleidungsstück schlechthin.

Lucy zeigt heute auf dem MMM-Blog eine wollige Jacke, deren Farbkombi mich schon bei der Entstehung begeisterte und philosophiert auch ein wenig über echte und wahrgenommene Passform von selbstgenähtem.

Das Leben verpackt

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All unser Hab und Gut wird gerade von A nach B bewegt. Es ist in Kisten verpackt unterwegs. Schon seit Wochen leben wir im Schwebezustand, manches ist seit vier Wochen in einem Karton, anderes erst seit weniger als 24 Stunden. Seltsam stets, so eine Komplettinventur des eigenen Lebens. Uns war vorher klar, dass wir unglaublich viel Kram haben. Dass es allerdings so viel sein würde, das nun doch nicht. 150 Kisten, 20 Klappkisten, 10 Plastikboxen, 2 Koffer und 2 Reisetaschen. Nicht zu fassen. Was ist das alles? Wer hat das gekauft, geerbt, gesammelt? Kann das nicht alles weg? Vor 4 Jahren waren wir noch mit 80 Kisten eingezogen. Wo soll das denn noch hinführen? Der Erklärungsansatz ist etwa so:
Zunächst kam natürlich das Kind dazu. Das hat ja schon auch Sachen. Kleine zwar, aber dennoch. Dann haben wir beide recht Material-intensive Hobbies. Ich besitze, das weiß ich jetzt, 3 Umzugkartons Stoff, 1 Karton Kurzwaren, 1 Karton Hilfsmittel und Werkzeuge, 2 Kartond Wolle, Stricknadeln und Strickanleitungen. Dazu kommen Bastel-, Mal-, Saisondekokisten. Wir haben Unterlagen. Viele. Zwar haben wir sicher 5 Kartons Altpapier aussortiert, aber auch leere Ordner nehmen ja Platz weg. Und das mit den Unterlagen, das wächst ja mit den Jahren. Versicherungen, Steuer, Rente, … Alles will auf ewig gehortet werden. Wir haben viel weggeschmissen. Mehrere Autoladungen Müll, 5 Säcke Altkleider, plus etliches, das ich “zu Verschenken” an die Straße gestellt hab. Und trotzdem bleibt dieser Kartonberg. Mit Dingen, die wir nur einmal pro Jahr, manche nur alle paar Jahre, brauchen: Campingausrüstung, Skiklamotten, Sportgeräte für x Sportarten. Und vieles, was, der Platz war ja da, in den letzten Jahren als ‘Luxus’ hinzukam. Backformen für verschiedene Zwecke, einige Küchenwerkzeuge, “gutes” Geschirr, Instrumente, zugehörige Noten und so was, Bücher natürlich, Zeitschriften für Garten, nähen, … Ich habe im Sinne von Saisonalität und Regionalität auch begonnen recht viele Vorräte anzulegen, Marmelade, Kompott, Sirup, Honig, das sind locker der Boden von 10 Kisten an Vorräten, auch hier hatte ich erheblich aussortiert, vor allem Tees aber auch abgelaufene Backzutaten und so was weggeschmissen. Ob die Vorräte nun die neue Wohnung sprengen, ist noch nicht klar.
Und es sind dann doch eben auch überraschend schnell mal ein paar Kisten Bettwäsche und Handtücher. Vasen. Fast eine Kiste voll. CDs, die wir nie hören, DVDs die wir nie schauen, Handtaschen, Jacken, herrjeminee. Fotos, so viele Fotos und Erinnerungen.
Man kommt nicht umhin, sich zu fragen “kann das nicht alles weg.” Und trotzdem sind wir schon nach einer Woche permanent auf der Suche, scheint vieles doch irgendwie gebraucht zu werden. Und eins haben wir jedenfalls nicht: Deko. Es gibt bei uns quasi keine Deko außer Bildern (2 Kisten!!!) und Blumen. Dekokram wird rigoros verschrottwichtelt. Vielleicht müsste ich diese Konsequenz doch noch weiter treiben.

Tagebuchbloggen am fünften

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Viele leuten schreiben immer am fünften eines Monats auf, was sie so den ganzen Tag machen. Gesammelt wird das ganze von Frau Brüllen und ich verpeile es jeden Monat mitzumachen. Gestern habe ich fast den ganzen Tag mit gebloggt, aber es dann abends doch nicht mehr rechtzeitig geschafft. Nun also mit Verspätung:

00.30 Der Minimensch weint. Er hat schlecht geträumt und Durst. Ich freue mich, dass der Weg zum Kinderzimmer neuerdings sehr viel kürzer ist, gebe ihm Wasser, trösten, kuscheln, wieder hinlegen.

Um 6.36 ist der Minimensch wach und redet fröhlich drauflos, per Live-Schalte aka Babyfon sind somit beide Eltern auch “fit”, ich habe Unterleibschmerzen und bin insgesamt wenig angetan von der Aussicht aufzustehen. Aber es nützt ja nix. Also Aufstehen, den Minimensch aus dem Schlafsack puhlen, sehr wichtig: den Bär bekleiden, Oh, dringend wickeln, dann kann ich ihn auch gleich anziehen.

Um 7 Uhr gehen wir alle zusammen frisch gewickelt nochmal ins Bett für ein bisschen Familienkuschelzeit. Dann steht der Mann auf und duscht, ich gehe in die Küche und beginne um 7.20 unsere Arbeitsplatte, die ich gestern abend zum letzten Mal ölte, zu polieren, dann machen Mann und Minimensch Frühstück, ich öle den Badezimmerspiegel.

7.30 Frühstück, dabei Einkaufsliste schreiben, den Tag besprechen und einer kurzen Eingebung folgend um 7.45 Leiter und Werkzeug holen, den seit Tagen im Schlafzimmer wartenden Küchenschrank holen, 4 Schrauben in die Wand drehen dabei eine abbrechen und zack hängt der letzte Hängeschrank endlich auch und die Küche ist vollständig bemöbelt. Chacka!

Um 8.10 gieße ich meinen zweiten Tee ein, beginne diesen Artikel und suche Tan-Listen, zwischenzeitig aufgelaufene Rechnungen und den Laptop um Überweisungen zu machen. Das dauert etwas, Dinge finden ist in dieser Wohnung gerade eher ein Abenteuert. Beim Mails checken bemerke ich, dass unsere erste Stunde in der Musikschule heute nicht wie gedacht um 11 sondern schon um 10 beginnt, also dann doch besser mal duschen und wohl nicht mehr vorher nooch einkaufen.

8.40 spring ich in die Dusche, danach bin ich kurz irritiert ob der Angabe “Eltern mögen bitte bequeme Kleidung zur Spielgruppe tragen”, beschließe aber dann, dass ich mir keine Situation ausmalen kann, in der ein 3/4-Tellerrock nicht bequem genug ist und ziehe mich an wie geplant. Der Plan war eigentlich vor Abfahrt noch ein paar Schubladen unser neuen Vorratsschränke zu montieren, aber als Gesicht, Haare, Kleidung, Zähne fertig, das Kind gewickelt, die Tasche gepackt sind, ist dann doch schon 9.25, also nur schnell Spülmaschine ausräumen und ab die Post.

Um 10 sind wir trotz Parkplatzsuche sowas von pünktlich in der Musikschule, dass ich sehr gern mit dem Minimensch abklatschen möchte. 2 Großmütter, 2 Mütter, 1 süßliche Musikschullehrerin. Na gut. wenigstens dürfen Eltern während der Musikstunde nicht reden. Ein großes Plus für diese Art der Spielgruppe. Ich bin dennoch schon nach dem Begrüßungslied bedient, aber beiße eisern die Zähne zusammen. Musik ist gut und das Kind soll mal ruhig oft andere Kinder treffen. Der Minimensch ist allerdings dank Umzugschaos derzeit nicht unbedingt in Sozial-Interaktions-Höchstform und leicht irritiert. Als er schließlich aufgetaut ist, ist die Stunde zum Glück vorbei. Minimensch will nun allerdings gern bleiben und nicht mehr weg und auch nicht seine Jacke und seine Schuhe anziehen. Also wirklich sehr gar nicht. So mit schreien und auf den Boden werfen. So schön.

Um 11, der Musikschule entkommen, noch schnell einkaufen. Ich habe natürlich die neue Einkaufssituation in der Fußgängerzone nicht bedacht, weder Kinderwagen noch Einkaufstrolley, nicht mal richtig gute Tragetaschen dabei. Dafür stehen auf dem Zettel lauter Sachen, die man echt gut mal kurz in die Handtasche steckt, wie Windeln, Klopapier, Küchenrolle, sowas halt. Das Kind will “hoch Arm hoch Arm”, denn selbst laufen ist leider auch der letzten fieberhaften Erkältung und dem daran anschließenden Umzug zum Opfer gefallen. Das Einkaufen dauert ewig, weil kaum einen Mini-Einkaufswagen in den Fingern alle Scheu vergessen ist und der Minimensch in Windeseile dm und Alnatura 10fach durchrennt, dabei haufenweise Menschen zu seinen Fans macht. Am besten sind übrigens die Kühlschränke. die kann man so schön auf und zu machen und dabei stets erklären, dass es drinnen “kalt” und draußen “warm” ist. Hach ja, hochbegabt das Kind. Kaum raus aus dem Supermarkt, schwupps sind diese Selbstständigkeitsanwandlugen vergessen und passend zu zwei schweren Einkaufstaschen hab ich wieder ein Armkind. Im Auto sind wir um Punkt 12, weil das schon sehr Essenszeit für den Minimensch und Kaffeezeit für mich ist, gibt es einen Latte Macchiato to go für meine und Bananenchips für des Minimenschen Nerven.

Zuhause wartet ein Paket vor der Tür, die Nachbarn hier im Haus sind wirklich super, nehmen Sachen an, helfen aus, sind sehr verständnisvoll. Raus aus den Klamotten, Einkauf in die Ecke pröllen und um 12.17 sitzen wir vor Käsebrot mit Rohkost. Der Minimensch vertilgt das erste Brot mit Hunger, danach gewinnt der Entertainer in ihm die Überhand und es will alles kommentiert, sämtliche Klatschspiele aus der Musikschule nachgemacht und jeder vorbeiziehende Vogel persönlich begrüßt werden. Ich koche Kaffee und erinnere ab und an freundlich an das Brot auf dem Brettchen. Um 12.40 verkündet das Kind “Mama, müde. Lindel. Flafen.” (na. Wer versteht es???) Wir gehen also Hände waschen und Windel wechseln und um 12.45 liegt der Minimensch in seinem Bett … Und – the same procedure as every day – ist mit einem Schlag topfit. Legt sorgfältig alle Kuscheltiere schlafen, weckt sie wieder, erzählt ihnen einen Schwank aus seiner Jugend, legt sie wieder schlafen, weckt sie wieder, poliert die Gitterstäbe mit der Decke, lacht sich über sich selbst scheckig, … Nach 30 Min dieser Show, knicke ich ein und entschließe mich für ‘in den Schlaf wiegen’, da zeitgleich der Nachbar auch noch unter uns zu hämmern beginnt. Wir machen noch schnell dreimal das Spiel ‘ich will allein im Bett sein, Mama geh raus – ach nee, jetzt breche ich doch in Panik aus’ und um 13.40 ist endlich Ruhe und der Minimensch in seinem Bett.

Im Wissen, dass am Nachmittag die neue Babysitterin kommt, gönne ich mir 10 Minuten Pause, bevor ich ins improvisierte Home office auf dem Sofa gehe. Ich räume die Küche auf, den Einkauf in den Kühlschrank und trinke meinen kalten Kaffee. Um 13.50 sitze ich mit einer Schüssel Studentenfutter vor einem Stapel deprimierender Klausuren. Und erhalte eine Nachricht von der neuen Babysitterin, dass sie überraschend eigentlich doch gar keine Zeit hat für ein Kind zur Betreuung tagsüber. Na sowas. Das war seit einem Monat abgesprochen und wir hatten daher die Suche eingestellt. Sie sollte diese Woche anfangen. 2 Tage/Woche. Ich konzentriere mich aufs atmen und beiße wütend ein paar Macadamianüsse. Dann schreibe ich der alten Babysitterin, die nun zu weit weg wohnt und treffe mit ihr die Absprache, sie für’s erste abholen zu kommen, damit die Anfahrt machbar ist. Dann korrigiere ich weiter. Die Klausuren sind desaströs schlecht. Also wirklich zum verzweifeln. Da allerdings ca. 80% der Studierenden die Vorlesung eh nicht besucht haben, halte ich mich mit Selbstvorwürfen zurück.

Um 14.54 erwacht der Minimensch, verwirrt und in Tränen aufgelöst und in ziemlich schlechter Gesamtverfassung. Wir lesen ein Buch, essen ein paar Cashews, spielen ein wenig und gehen gegen 15.30 mit der Wäsche in Richtung Keller. Unterwegs klingeln wir kurz bei der Nachbarin untendrunter, einer älteren Dame, die hier wohl zum Inventar gehört, und werden leider herein gebeten. Es gibt Kuscheltiere und Puppen zu bestaunen (eine Angewohnheit von älteren Damen, die ich in hohem Maße suspekt finde) und der Minimensch quatscht sich etwas fest. Ich lasse ihn also da, gehe allein Wäsche einwerfen und sammel ihn dann wieder ein. Wir sind also erst nach 16 Uhr wieder oben. Überraschend schneit der Mann herein, aber nur um was zu holen und kurz darauf wieder zu entschwinden, es gibt Banane für den Minimensch und ich telefoniere mit einer Versicherung, meiner Mutter und Schwiegermutter. Schwupps ist 17 Uhr und ich erwarte eigentlich jeden Moment Kollegin Z., die mir Klausurennachschub bringt und helfen will. Ich schnippel Gemüse und brate Tofuhack, damit die Bolognese sich derweil selbst bereiten kann und kurz vor 18 Uhr trifft Z. tatsächlich ein.

Wir montieren 10 Ikeaschubladen, der Minimensch bedient den Akkuschrauber (“Attu”) und reicht “hrauben” an und ist in seinem Element. Die Zeit vergeht. Zack ist der Mann zurück und Essenszeit. Vorher montieren wir noch kurz testweise eine Tür in den Vorratsschrank, eigentlich um die Position von Schubladen und Böden festzulegen. Dabei stellen wir allerdings fest, dass a) die Tür über den Boden schleift und b) uns ein Haufen Scharniere fehlen. Also fällt der Plan heute die Schränke einzuräumen eh flach. Wir essen erstmal, der Mann bricht nochmal Richtung IKEA auf, ich mache mich daran den Minimensch zum schlafen hinzulegen. Der ist wiederum im Irrglauben, er sei hellwach und erzählt und erzählt und erzählt. Von 19.45 bis 20.50 Uhr. Am Ende ist wiederum “in den Schlaf wiegen” die einzig gangbare Lösung.

Z. hat in der Zwischenzeit geräumt und weiter Schubladen montiert. Ich räume das Wohnzimmer in einen Wohnzimmer-ähnlichen Zustand und erschließe den Zugang zum Nähtisch. Als Z. gegen 21.45 mitsamt unseres Altpapiers entschwindet machen wir noch eine kleine Babysitter-Krisensitzung und bepaniken die Gesamtsituation. um 23 Uhr falle ich ins Bett.

7 Sachen-Sonntag

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Es gibt wenig Bilder derzeit hier. Da mach ich doch einfach mal wieder einen 7-Sachen-Sonntag.

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Recht früh, zu früh, unangenehmer Start mit Hustenbalsam und Fieberthermometer. Kind krank.

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Immerhin, Sonnenschein.

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Auf dem Weg zur Bude und den Sonntagsbrötchen die “Zu verschenken-Kiste” neu bestückt. Bisher ist alles verschwunden, was ich rein gelegt hab.

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Mit engagierter Papierknüllunterstützung Kisten packen. Küche.

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Zwischendurch dringend benötigte Koffeinzufuhr.

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Dass die Wäsche nicht jetzt mal bis nach dem Umzug warten kann ist ja auch eher unschön.

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Am Abend nach einigen Computerdingen noch die letzten Handstiche am Bielefeld-Zweitprojekt. Morgen also auch die letzten Rollen Nähgarn einpacken.

Die Vollzeitrhetorik

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Im Handelsblatt/WirtschaftswocheOnline erschien diese Woche ein Artikel, der wiederum die sogenannte Vereinbarkeitslüge thematisierte und der mir keine Ruhe lässt. Der Artikel hängt sich grob am bald erscheinenden Buch “Geht alles gar nicht” der Zeitautoren Marc Brost und Heinrich Wefing auf, deren Artikel mit gleichem Titel im letzten Jahr schon für Furore und hitzige Diskussionen sorgte.

Ich finde den Artikel an sich für jemand, der in dem Thema schon ein wenig drin ist nicht so erhellend. Viele wahre Diagnosen, wenig konkrete Schlussfolgerungen. Ich schreibe weiter unten noch etwas ausführlicher, was ich inhaltlich hier beizutragen hätte. Erstaunlicher fand ich eigentlich, dass ein solcher Artikel es überhaupt auf die Website von Handelsblatt und Wirtschaftswoche schafft. Beides sind nun wirklich nicht unbedingt linke Arbeiterblätter. Für Handelsblatt-Verhältnisse ist das ganze womöglich bahnbrechender und erhellender, als es mir (und 95% meiner Filterbubble) erscheinen mag. Das würde ich dann schon als positives Signal werten, dass die Erkenntnis, dass das Ziel nicht sein kann, dass Eltern praktisch ohne Abstrich weiter so funktionieren wie bisher, flexibel, immer erreichbar, mit 50+ Stunden-Woche und nie krank und Kinder “nebenher” laufen, es in die Wirtschaftswoche oder das Handelsblatt schafft. Ein weiterer Aspekt, der mir auffiel war, dass die Kommentare darunter fast ausschließlich von Männern sind. Normalerweise gibt es auf der Handelsblattseite fast keine Kommentare. Dass gerade Männer sich mehrheitlich positiv angesprochen und verstanden fühlen und dies auf dieser Plattform äußern, zeugt für mich durchaus von einem gewissen Wandel weg von Vereinbarkeit als Frauenthema.

Nun aber dann doch noch ein paar Worte zum Inhalt. Ja, es ist in der Tat wenig überraschend, dass Eltern weniger flexibel sind als als Singles Anfang 20. Niemand mit Kind wird behaupten, dass sie/er exakt so weiter macht wie bisher und dazu einfach auch noch ein erfüllendes Leben mit Kind dazu führt, alles stress- und sorgenfrei. Und wer keine Kinder hat und denkt, so wäre Vereinbarkeit, der ist deutlich naiv. Es sollte eigentlich nicht der Feststellung bedürftig sein, dass Elternschaft ein Vollzeitjob ist und dass sich zu zweit drei Vollzeitjobs eben nicht so ohne weiteres wuppen lassen. Und dass eine gute und bezahlbare, flexible und kindgerechte Betreuung zwar wichtig aber auch nicht die alleinige Lösung für alles ist, das  wird zumindest allen Eltern auch klar sein. Es erschreckt mich ein wenig, dass es scheinbar Menschen in diesem Land gibt, die man mit dieser Feststellung hinter ihrem Ofen oder unter ihrem Stein überraschen kann. Das zeugt von einer sehr merkwürdigen Vorstellung davon, wie das Leben mit Kindern so ist. Ich finde, es kann und sollte bei Vereinbarkeit nicht darum gehen, ob man es hinkriegen kann, dass Kinder möglichst wenig auffallen im Berufsleben der Eltern, sondern darum, dass das Elternsein nicht als Manko verstanden wird. Solange Vereinbarkeit vor allem ein Problem der Eltern ist, im Sinne von Ausgleich eines Nachteils, des Nachteils Kinder zu haben, bei dem der Staat so ein bisschen hilft, durch Kindergeld, Betreuungsplätze, etc., solang steht es ziemlich schlecht um unsere Gesellschaft. Es ist, bin ich denn mit dieser Sicht ganz allein, kein Makel, ein Kind zu haben. Im Gegenteil. Natürlich sind Eltern oft müde, öfter krank, zeitlich und räumlich weniger flexibel und vor allem nicht nur am Job interessiert. Aber das heißt nicht, dass sie den Job schlecht, wenig motiviert oder unzureichend machen. Im Gegenteil. Eltern sind sehr viel verlässlicher, denn sie werden nicht mal eben schnell umziehen, sie sind ganz sicher auch besser organisiert und effizienter. Ich bin zum Beispiel sehr sicher, dass ich heute in 25 Stunden locker so viel schaffe, wie früher in mindestens 30-35, einfach weil ich weiß, dass ich nicht einfach länger machen, eben noch was einschieben, die Nacht über arbeiten kann. Und die Entscheidung ein Kind zu bekommen zeugt von Verantwortungsbewusstsein und Zukunftsorientierung, Eigenschaften die einem Unternehmen und einer Gesellschaft wertvoll erscheinen sollten.

Dennoch ist es ein erheblicher Nachteil Eltern zu sein. Man darf zukünftige Mieter ablehnen, weil sie ein Kind haben. Das ist nicht vom Anti-Diskriminierungsgesetz gedeckt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Menschen in diesem Land klagen gegen Kinderlärm. Nicht nur einer, viele! Teilzeitarbeit, selbst mit 80%, ist in den meisten Berufen ein Garant für das Ende des beruflichen Fortkommens und für langweilige Tätigkeit im Innendienst. Eine akademische Karriere? In Teilzeit? Träum weiter, Baby! Beratung mit weniger als 5 Tagen Reisetätigkeit pro Woche? HAHA, ein guter Witz! Es scheint weitgehend unumstößlich, dass verantwortliche Positionen nicht in Teilzeit ausgeübt werden können. Genauso unumstößlich ist es vielerorts, dass gute Arbeit nur im Büro, anwesend vor Ort zwischen 8 und 20 Uhr erledigt werden kann. Effizientes home office mit frei gestaltbaren Arbeitszeiten ist viel zu oft eine Utopie. Frauen, die Kinder haben oder planen (könnten) welche zu bekommen gelten als Risiko bei der Einstellung. Ja warum denn um alles in der Welt? Klar, man ist womöglich bis zu ein Jahr in Gänze weg. Aber die meisten Unternehmen ermöglichen Sabbaticals, was ist da an Elternzeit so unüberbrückbar? Und je weiter die Gleichberechtigung fortschreitet, je mehr arbeitsteilig die Kinder-Erziehung zwischen Partnern geregelt ist, desto mehr wird sich diese Diskriminierung auch auf (potenzielle) Väter ausweiten.

Und so kumuliert auch der – meinem Verständnis nach – gut gemeinte Artikel der WirtschaftswocheOnline in dem Satz: “Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann in einer emanzipierten geschlechtergerechten Gesellschaft dann nur bedeuten, dass zwei in Vollzeit arbeitende Elternteile nicht die Regel sein können. Wer von beiden weniger oder vielleicht auch gar nicht arbeitet, ist deren Privatangelegenheit. Es zu ermöglichen wäre Angelegenheit des Staates und der Unternehmen.” Und ich möchte den Autor schütteln und rufen: “NEIN, NEIN, NEIN, du hast es nicht verstanden.” Denn hier kommen direkt wieder zwei verheerende Fehleinschätzungen, nämlich 1.) dass zwei nicht-Vollzeit-arbeitende Eltern gleichbedeutend ist mit “Ein Vollzeit+ein Teilzeit/Hausfrau” und 2.) dass das ganze Privatangelegenheit ist.

Was ist denn bitte so schwer erträglich an der Vorstellung, dass es ok sein könnte, wenn beide Elternteile Teilzeit arbeiten, sagen wir mal 30 Stunden? Wieso misst sich scheinbar die Qualität/Verantwortlichkeit/Eigenständigkeit/Ambition eines Arbeitnehmers an der magischen Grenze von 40 Stunden? Besser noch: 40 Stunden Anwesenheit im Unternehmen/Büro/am Arbeitsplatz? Und selbst wenn eine Position tatsächlich verlangt, dass sie (mindestens) 40 Stunden pro Woche besetzt ist? Kann sie dann nicht mit zwei Personen besetzt sein? Ich finde das alles gar nicht so schwierig. Natürlich, es müssen Routinen geändert, Kommunikationswege überarbeitet, Barrieren im Kopf abgebaut werden. Aber unmöglich ist das doch nicht.

Es ist mir klar, dass der Staat einen derartigen Wandel in der Gesellschaft nicht verordnen kann. Dass nicht per Gesetz eine zutiefst familienfeindliche Gesellschaft familienfreundlich wird, dass nicht per Erlass Arbeitgeber ihre Vorbehalte überwinden. Und dennoch ist das keinesfalls Privatangelegenheit. Eine Gesellschaft, die zukunftsfähig sein will, braucht Kinder. Und zwar möglichst gesunde, geliebte und gewollte Kinder, aus denen engagierte, interessierte und selbstbewusste Erwachsene werden. Das mag nicht die Aufgabe des Staates sein, es ist aber der Kern der Gesellschaft. Und wir können nur darauf hinwirken, indem wir fordern, laut sind, machen und vorleben. Indem wir hinterfragen, uns nicht zufrieden geben. Nicht versuchen, unsere Kinder bestmöglich zu kaschieren, sondern sie als selbstverständlichen Teil von uns mit in die Arbeitswelt tragen. Nicht als Manko, nicht als Behinderung ob derer wir bevorzugt werden, nicht als Anhängsel, das es durchzuschleppen gilt. Sondern als ganz normaler Teil der Gesellschaft. Jede und jeder macht ihre und seine Arbeit. Egal mit wievielen Stunden pro Woche, egal ob zuhause oder im Büro, egal ob Lohnarbeit oder Care-Arbeit. Und jede und jeder sollte mit diesem Beitrag gleichwertig akzeptiert und mit den gleichen Chancen versehen werden. Mehr ist es ja nicht. Kein Elternteil verlangt, für die Hälfte der Stunden doppelt so viel Gehalt. Niemand möchte hier einen Extrabonus. Das einzige was wir als Eltern uns wünschen ist doch, Akzeptanz und Freiheit von Benachteiligung. Und das bedeutet dann eben manchmal Umdenken.

 Leseempfehlungen:
Dr. Mutti als direkte Replik zu dem Artikel
Johannes Korten zur Rollenverteilung in modernen Beziehungen
Catherine  zum Spagat der Vereinbarkeit und dem Fehlen einer Mütterlobby (mit tollem Comic) und der fehlgeleiteten Vorstellung Vollzeit-Eltern könnten real existieren (visionär schon vor JAHREN!)

Me made Mittwoch: anNÄHerungskleid

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Endlich endlich endlich, kann ich auch mein AnNÄHerungskleid zeigen. Es war ja in Bielefeld eigentlich bis auf die Knöpfe fertig geworden. Die Knöpfe hat Nina mir auch recht schnell geschickt (DANKE!!!), aber dann fehlte erst Zeit und Muße mir ihre Position zu überlegen und sie anzunähen und danach war ich krank und daher nicht dazu aufgelegt das Kleid zu tragen oder gar Fotos zu machen.
Am Montag war es endlich soweit und das anNÄHerungskleid durfte zum ersten Mal ins Büro:IMG_20150209_094409

Es handelt sich um Simplicity 2403, ein Kleid, das ich wirklich schon ewig nähen wollte. Der Schnitt, den man in Deutschland leider nicht kaufen kann, war schon vor langer Zeit als Leihgabe bei mir und ich hatte ihn auch kopiert, dann aber immer angesichts der recht zahlreichen (23!) Schnittteile immer wieder zur Seite gelegt. Da ich aber wusste, dass ich in Bielefeld würde konzentriert und am Stück daran arbeiten können und mindestens zwei Ratgeberinnen zugegen sein würden, die das ganze schonmal umgesetzt hatten, bot sich hier die passende Gelegenheit.

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Ich habe mich mit dem Kleid recht weit aus meiner Comfortzone begeben. Zunächst mal ist braun schonmal nicht meine Farbe. Mir steht nur exakt dieser eine Braunton, und der auch nur so okeish. Ich finde allerdings die Kombi braun-türkis sehr hübsch und wollte deshalb gern ein solches Kleid. Aber vermutlich greife ich nicht unbedingt zu diesem Kleid, wenn es unkompliziert und schnell gehen muss.

Auch ist der schmale Rock für mich vollkommen ungewohnt. Ich habe schmale Röcke bisher nur an Etuikleidern. Die weniger Bleistiftkleider und -röcke, die ich besitze trage ich eigentlich nur zu schicken Anlässen, als Verkleidung quasi. Richtig zuhause fühle ich mich darin nie. Es reizte mich, das ganze auszuprobieren (ich habe sogar in Bielefeld auch noch einen Bleistiftrock genäht) aber auch hier gilt: nichts, das mir natürlich in die Hand fiele, sollte ich ein typisches Kleidungsstück auswählen.

Nichtzuletzt ist der auffällige Kragen sicher nichts für jeden Tag, da muss man schon auch in der Laune sein, ein solches Kleid, das immer leicht nach Stewardessen-Uniform aussieht anzuziehen, find ich.

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Nun erstmal zum Kleid an sich: Ich habe einen braunen Stretchstoff gewählt, der bei – ich glaube – buttinette als “Hosenstretch” verkauft wurde und im Angebot war. 97% Baumwolle, 3% Elasthan, das erschien mir bei einem engen Rock ratsam. Die Paspel ist Satinpaspel, als petrol bestellt, türkis bekommen, ein altbekanntes Problem. Aber gut, ich mag ja auch türkis. Der Stoff schnitt und nähte sich gut, fusselt nicht, lässt sich gut bügeln und hat eine angenehme Dicke für winterliche Baumwollkleider. Ich habe den Rock gefüttert, mit Resten vom Mantelfutter und das innere Taillenband und die Taschen – rebellisch wie immer – aus Punktestoff zugeschnitten. IMG_20150209_094352

Frau Drehumdiebolzeningenieurin hatte mich bereits gewarnt, dass das Oberteil eher knapp ausfällt und in der Tat habe ich die Oberteil-Stücke um ca. 2 cm weniger weit überlappen lassen, als vorgesehen – weswegen die doppelreihige Knöpfung auch nicht mehr hinhaute. Auch das Taillenband musste ich verlängern, und zudem – das hat mich in Bielefeld viel Arbeit gekostet – um die Hüfte ganz ordentlich die Nahtzugaben rauslassen. Zuhause habe ich dann festgestellt, dass bei meinen anderen engen Röcken die Hüftrundung einfach etwas weiter unten ist, als dieser Schnitt vorsieht.   Ich würde beim nächsten Mal wohl um die Brust und Hüfte eine Größe größer wählen als für den Rest. Den Rock habe ich um 2 cm verlängert und 2 cm weiter eingestellt. Die im Schnitt vorgesehenen Puffärmel habe ich durch Tulpenärmel ersetzt. Wie das geht hat Lotti mir geduldig erklärt. Danke! IMG_20150209_094605

Bei der Anpasserei habe ich übersehen, dass ich –  zur Hohlkreuzkorrektur – das hintere Taillenband zwar verschmälert, dies aber an der Reißverschlussseite nicht hatte auslaufen lassen. So treffen sich die Paspeln am Reißverschluss nun nicht so wirklich. Ich sag da dann jetzt Kunst dazu. Ich habe die Knöpfe einfach durch alle Stofflagen hindurch aufgenäht, öffnen würde ich sie – dank Reißverschluss – ja doch nie. Ich habe auch den Ausschnitt, um ungewünschte Einblicke zu vermeiden, mit der Hand etwas zugenäht.

Nach dem ersten Tag tragen kann ich recht sicher sagen, dass ich das Kleid zwar schon mag. Allerdings ist es sehr sehr ungewohnt. Der enge Rock kommt mit meinem weit ausholenden Gang nicht so gut zurecht, obwohl der Rock dank Stretch sehr bequem ist, bin ich befremdet, wenn das typische Rock-Schwingen fehlt. ich finde auch, dass die Falten im oberen Rock, die ihn von vorn sehr hübsch machen, in der Seitenansicht ein wenig am Bauch auftragen. Auch der Kragen, so schön er ist, verleitet mich etwas zum zuppeln und er liegt auch wirklich manchmal recht komisch. Dicker Pluspunkt sind natürlich die hübsch gelösten Taschen.

Ich besitze leider keine passende Strickjacke. Als ausgewiesen langsamste Strickerin der Welt war es mir bisher noch nicht möglich, eine türkise Strickjacke zu produzieren. Immerhin habe ich aber gleich zwei farblich exakt passende Schulterwärme-Dingse. Das eine davon, ein Schultertuch ist recht neu. Es handelt sich *tusch* um mein Sommer-Projekt 2014, das im Januar fertig wurde (ja, wirklich!). Ein Schultertuch, das aber ordentlich Substanz hat. Denn Lace-Stricken macht mich fertig, mit so dünnen Fädchen rumhampeln liegt mir nicht. Daher habe ich bei ravelry nach der Garnstärke gefiltert (Nadelstärke 4,5 – bei mir dann 4, ich stricke lose) und mir dann die einfachste Anleitung rausgesucht. Das war diese. Kuura. Ich bin sehr zufrieden, strickte sich gut und interessant, wurde wie erhofft und gefällt mir gut. So sieht das ganze dann aus:

 

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Heute tanzt Frau Exclamation Point beim Me made Mittwoch vor. Ihr Blog ist jetzt schon meine Entdeckung des Jahres!

Monatsrückblick Januar 2015

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Neues Jahr, neuer Versuch Monatsrückblicke. In etwas neuer Form.

Grippe, ausgefallener Urlaub, vom Stress vor Weihnachten nahtlos und noch erschöpfter zurück in den Stress nach Weihnachten

Begrüßt von einer Stipendiumsabsage im Büro

Wohnungsbesichtigungen und die Erkenntnis, dass wir ziemlich schwierige Wohnungserfordernisse haben 

Der zweite Doktortitel des Haushalts und ein Kurztrip ins Mittelgebirge. Mit Schnee

AnNÄHerung in Bielefeld, Auszeit, Freizeit, Luft holen, genießen. Reden, auch den Frust weg. Danke hier nochmal an alle, die nach der Wohnung gefragt und sich die Litanei angehört haben. Ihr habt viel zur Entscheidungsfindung beigetragen

Entscheidung für die zuerst so genannte “Vernunftwohnung”, was auch bedeutet, sehr flott einen Umzug mit Kleinkind organisieren zu müssen. Innert sechs Wochen um genau zu sein.
Befreiungsgefühl ob des baldigen Umzugs gepaart mit Wiesollenwirdasnurallesschaffenpanik. Überhaupt, wo kommen all diese Sachen her? Wer hat denen den Zutritt erlaubt?

Umzugsunternehmen suchen. Seriosität beurteilen. Ja, wir haben wirklich viele Sachen und recht wenig Möbel. Wer mir väterlich kommt und versucht, mich für dumm zu verkaufen kriegt keinen Auftrag.

Schon wieder Schnee und ein seeehr begeisterter Minimensch

Packen. Dank Hilfe von der Familie schon recht weit gediehen. Es wird ungemütlich

Der Minimensch lernt rasant schnell neue Wörter und entwickelt sich zu einer wahren Quasselstrippe. Keine Ahnung woher er das haben könnte. Schon kaum noch vorstellbar, wie es war als er nicht sprechen konnte.

Möbelhäuser besuchen, alles doof finden und doch zu viel Geld ausgeben. Warum gibt es nirgendwo normale, einfache, bezahlbar Waschbeckenunterschränke aus einfachem, heimischem Holz? Kiefer z.b. Kein Tropenholz, kein shabby-chic-Look, kein Melamin bitte.

Möbel in Gedanken in Räume stellen. Langsam Freude entwickeln auf das neue, das bessere.

Erschöpfung, Müdigkeit, dennoch ruhelos.

Kitaplatzabsagen, viele. Umzug überfordert scheinbar das Platzvergabesystem. Plus vollkommenes Planungsdesaster bei den Kindergärten. Viel telefonieren, mailen, recherchieren. Ende noch offen.

Ich hab das mal recherchiert…

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Bereits vor einiger Zeit las ich dieses Interview, das wiederum eine Interpretation einer US-Studie ist. Die Journalistin ist dabei redlich bemüht, ein wenig Gutes in die für sie erschreckenden Studienergebnisse zu bringen. Die Message der Studie sei – dem Artikel gemäß: “Paare, die sich die Hausarbeit teilen haben weniger Sex. Aber puh, ein Lichtblick, wenn sie zwar die Zeit aufteilen, aber nicht die Aufgaben, dann sieht es nicht ganz so düster aus.”
Nun. Das ließ bei mir die eine oder andere Hutschnur hoch gehen. Kommt mir ein populärwissenschaftlicher Artikel allzu pauschalisierend vor, werde ich recht schnell verbissen und guck mir das, Materie egal, genauer an. Zwar bin ich keine Soziologin, aber doch empirische Gesellschaftswissenschaftlerin genug, um hier die eine oder andere Messungsunwägbarkeit zu vermuten. Ich hab mir die Studie also mal genauer angeschauet.
Zunächst mal also zur Studie selbst. In der Tat geben die Autoren in Abstract, Introduction und Conclusion in etwa das als Ergebnis an, was der Artikel im Zeitmagazin zitiert. Also ein eindeutig negativer Zusammenhang zwischen Beteiligung des Mannes am Haushalt und Beischlaffrequenz. Auch wurde für recht viele Wertvorstellungsmaße, Religion, Kinder und anderes kontrolliert. Die Aussage, dass es aber weniger schlimm ist, wenn die Aufgaben geteilt werden und nicht beide alles machen, konnte ich in dem  Artikel so nicht finden. Tatsächlich steht dort, dass männliche Beteiligung am Haushalt sich weniger reduzierend auf die Sexhäufigkeit auswirkt, wenn der Mann eher “männlichen” Aufgaben nachkommt und die Frau eher “weiblichen”. Aber vielleicht habe ich das auch übersehen. Interessant ist übrigens, dass die Autoren eigentlich die Gegenthese bestätigen wollten, das Hausarbeit Männer attraktiver macht nämlich.
Bauchschmerzen habe ich allerdings bekommen, als ich den Abschnitt zum Datensatz las: Die Datenbasis sind verheiratete Paare, in den USA, befragt im Zeitraum 1992-1994. Da die Fragen relativ delikat sind gab es eine Vielzahl fehlender Beobachtungen, die von den Autoren interpoliert, also auf Basis des Durchschnitts ersetzt wurden.
Nun. Streng genommen ist die Aussage des Artikels also nur für verheiratete Paare Anfang der 90er in den USA gültig. Und hat damit drei Schwachstellen:
1.verheiratete Paare sind ein verzerrter Ausschnitt aller Paare, denn mutmaßlich heiraten Paare umso wahrscheinlicher, je konservativer sie sind. Und umso eher haben sie auch eine eher klassische Rollenverteilung in der Beziehung. Unter dieser Gruppe sind Männer die einen bedeutenden Anteil an der Hausarbeit leisten weit exotischer als unter allen Männern, würde ich vermuten.
2. Die USA sind ein Paradis für empirische Arbeiten, das heißt aber nicht, dass Ergebnisse von dort sich unproblematisch auf andere Länder übertragen lassen. Die Wahrnehmung von Geschlecht und Zuweisung von geschlechtsspezifischen Rollen ist hochgradig kulturabhängig.
3. 1992 ist aus Sicht der angewandten Forschung, meiner Einschätzung nach, etwa gleichbedeutend mit Steinzeit. Die Autoren sagen, zurecht, dass Wertvorstellungen sich nur sehr langsam ändern. Ein Argument, das ich nachvollziehen kann, inwiefern es sich konkret auf die Einschätzung von gleichberechtigter Partnerschaft anwenden lässt, kann ich nicht stichhaltig sagen. Dies gilt allerdings keinesfalls für die Arbeitswelt. Die Frauenerwerbsquote ist seit 1994 erheblich angestiegen. In den USA zwischen 1994 und 2013 um 5 Prozentpunkte gestiegen, in Deutschland sogar um 7 Prozentpunkte, in Frankreich um 8 (Quelle: World Bank World Development Indicators). Ich würde daher schon die These äußern, dass die Lohnarbeits-Hausarbeits-Aufteilung sich für Frauen seitdem geändert hat, was mutmaßlich Auswirkungen auf die Hausarbeitsbeteiligung der Männer hat. Ferner würde ich zumindest vermuten, dass heute auch sehr viel weniger Paare verheiratet sind, als 1994, wodurch die Repräsentanz der Stichprobe für die heutige Grundgesamtheit an Paaren ebenfalls reduziert ist.

Ich habe darüberhinaus etwas Zweifel an der Zuverlässigkeit dieser in Fragenbögen (also durch self-reporting) erhobenen Angaben. Ich halte es für zumindest diskutabel, ob es nicht eine Systematik bei den fehlenden Beobachtungen gibt, also ob die Angabe insbesondere oft verweigert wurde, wenn die Sexhäufigkeit sehr gering ist, was die Zulässigkeit der Methode der Imputation der fehlenden Werte erheblich infragestellen würde. Auch kann ich mir ohne viel Phantasieren vorstellen, dass die Angaben zur Sexhäufigkeit insgesamt häufig falsch sind, einerseits, weil die Befragten sich schlicht nicht erinnern (und wir reden hier von einer Mittelwerthäufigkeit von 5 Mal pro Monat, da fällt eine Falschangabe um einmal erheblich ins Gewicht, denn der Wert liegt direkt 20% am wahren Wert vorbei) oder bewusst in die eine oder andere Richtung lügen. Und die Wahrscheinlichkeit der Falschantwort könnte dann zu allem Überfluss auch noch abhängig von z.B. der Ausprägung traditioneller Werte bei dem betreffenden Paar abhängen. Da kommt dann doch schnell einiges an denkbaren Messfehlern zusammen.

Es gäbe mutmaßlich auch in den statistischen Details noch Lücken zu finden, aber da habe ich weder die Zeit noch will ich das hier überstrapazieren. Ich fände es aber z.B. durchaus prüfenswert, ob der Wirkungskanal nicht wesentlich über die Existenz von kleinen Kindern läuft, die zeitgleich zu mehr männlicher Beteiligung am Haushalt und weniger Sex führen.

Insgesamt also ein durchaus unerwartetes, auf den ersten Blick statistisch leidlich sauber erhobenes Ergebnis, dessen Übertragbarkeit auf alle – auch unverheiratete – Paare, Europa und heute dennoch fraglich ist. So wäre meine Einschätzung.

Nun noch die Frage: Was macht die Studie, was dann der Artikel daraus? Nun. Mein Haupttrigger ist die Verwendung des Wortes “Gleichberechtigung” im Artikel bzw. “egalitarian” in der Studie. Das stößt mir auf, warum ist egalitär gleichbedeutend mit Mann und Frau gleich machen? Dass beide alles machen, alles können müssen? Es geht, meinem Verständnis nach (und hier bin ich explizit nicht Fachfrau) ja nur darum, nicht von Geschlecht auf Befähigung zu bestimmten Aufgaben zu schließen. Oder von Geschlecht auf bestimmte Charakterzüge, Intelligenz oder Berufseignung.  Also einfach die Unterteilung von “Männerarbeit” und “Frauenarbeit”, “Männercharakterzügen” und “Frauencharakterzügen” oder “Männersport” und “Frauensport” (usw, you got the point?) zu unterlassen und stattdessen die Unterschiede in Präferenzen – die es natürlich gibt, jede Jeck is anders, wie der Kölner sagt – der Person und nicht dem Geschlecht zuzuordnen. Jede/r macht, beruflich, als Hobby, im Haushalt, überall, was sie oder er gern und gut macht. Punkt. Und da ist die als “männlich” in der Studie gelistete Aufgabe “Geldangelegenheiten regeln” in enorm vielen Beziehungen “Frauensache” und zwar auch beispielsweise bei meinen beiden Großelternpaaren, die nun doch eher konservativen Ideologien anhängen/hingen. Das heißt, wenn beide Partner alle Aufgaben gleichmäßig teilen ist das nicht gleichberechtigter als, wenn beide gleichviele Stunden zum Haushalt beitragen, dabei aber jede/r Spezialaufgaben hat, die nicht klar dem männlich/weiblich-Muster folgen. Bin ich da allein, dass mich diese Interpretation von Gleichberechtigung irgendwie wundert? Außerdem ist es schlicht falsch zu interpretieren, das Ergebnis sei “eine gleiche Aufteilung der Aufgaben führt zu reduziertem Sex” denn von Gleichverteilung kann im Mittel der Befragten überhaupt nicht die Rede sein. Im Mittel leisten die befragten Männer etwa 20% der Hausarbeit und folglich heißt der signifikante negative Koeffizient nicht, das Gleichverteilung zu weniger Sex führt, sondern eine fairere Verteilung als 20-80. Es ist statistisch durchaus möglich und von den Ergebnissen, soweit ich das herauslesen konnte, nicht berührt, dass es einen Umbruchpunkt gibt und bei einer annähernden Gleichverteilung alles anders ist. Dieser Fall wird in den Daten schlicht viel zu selten beobachtet um darüber Aussagen treffen zu können.

Der Artikel im Zeitmagazin ist außerdem unsauber und pauschalisierend. Zunächst einmal findet die Datenbasis keine Erwähnung, nichtmal, dass es sich um eine US-Studie handelt. Die Studie ist von 2012, ob es eine breitere Literatur mit ähnlichen Ergebnissen, womöglich aktuelleren Daten oder anderen Ländern gibt. Ob es sich um eine Einzelmeinung unter 100 anders lautenden handelt, all das bleibt gänzlich unberührt. Dann wird zu der soziologischen Studie ein Psychologe um seine Meinung gefragt. Das ist zumindest mal unsauber und in der Tat wird aus dem allgemeinen Ergebnis der Studie ein Bogen zu konkreten Einzelfällen in der beraterischen Praxis gezogen. Das ist vollkommen unzulässig. Und dann lässt der Artikel auch noch so unendlich viel aus, was ich hier nicht alles auch noch im Detail ausführen kann. Aber was wenn in “traditionelleren Haushalten” der häufige Sex aus Pflichtgefühl anstatt aus Lust geschieht? Ist das dann denn wirklich wünschenswert? Was wenn die Ehrlichkeit der Beantwortung der Frage mit dieser Art von Pflichtgefühl korreliert? Was wenn die Beteiligung am Haushalt ein Maß für den Respekt gegenüber den Wünschen der Partnerin/des Partners ist, und in solchen Beziehungen ein Nein dann eben auch als Nein akzeptiert wird?

Insgesamt auch eher fraglich finde ich, überhaupt die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs in Richtung der Attraktivität – allein – des Mannes zu interpretieren. Es ist mir einfach zu flach dieses “Hach und in Wirklichkeit wollen sie doch alle einen starken Mann, der die Brötchen nach Hause bringt.” Denn nach Wünschen wurde in dieser Studie exakt überhaupt nicht gefragt. Und auch nicht nach Attraktivität. Und Artikel, die diesen Tenor vertreten stützen sich gemeinhin ausschließlich auf anekdotische Evidenz.

Ich finde es durchaus löblich wenn – im Gegensatz zu den meisten jüngst erschienenen Artikeln zu diesem Thema – ein Zeitungsartikel mit wissenschaftlichen Ergebnissen unterlegt ist, oder wissenschaftliche Ergebnisse Eingang in mediale Berichterstattung finden. Ich finde es hier aber auch eher ungut gemacht, indem eine einzelne Studie “rausgepickt”, verkürzend dargestellt und nicht in den Kontext der Fachliteratur eingebettet wird. Und das ist leider der Regelfall und nicht die Ausnahme im Wissenschaftsjournalismus, zumindest in den Gebieten, für die ich es – annähernd – beurteilen kann.

Me made Mittwoch – Weihnachtsoutfit

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Ich habe heute einen home office Tag und trage (und zeige) mein Weihnachtsoutfit, das ich noch gar nicht verbloggt habe. Für ein Weihnachtskleid war Ende des letzen Jahres keine Zeit und Lust da, aber einen weihnachtlich-roten Rock habe ich mir im Dezember schnell genäht und auch am Heiligabend getragen.
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Ich mag rote Kleidung eigentlich sehr gern, als Kombifarbe zu rot fällt mir aber immer nur grau und schwarz ein. Ich bin ja eigentlich grundsätzlich eher monochromatisch gekleidet, finde das aber manchmal schade. Dabei passt auch marine und lila sehr gut zu rot. Daher hab ich mir ein passendes blaues Punkte-Shirt genäht, damit ich mich erinnere, nicht immer nach einem schwarzen zu greifen, wenn ich zukünftig diesen extrem alltagstauglichen, kuschelig warmen und schönen roten Rock trage.
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Der Rock ist wirklicht nichts besonderes. Mir war dieses Jahr zu Weihnachten sehr viel mehr nach Entspannung denn nach Glitzer. Ein halber Teller nach eigenem Schnitt ist da eine sichere Bank. So lebt der Rock vom tollen Stoff. Ein dicker Wollstoff mit schräg verlaufendem Webmuster, der bei Alfatex “Shetland-Wolle” heißt. Lotti hat bei der Annäherung aus dem gleichen Stoff in tieforange einen gar traumhaften Mantel genäht. Ich habe meinen Meter für 8,90 Euro im Herbst gekauft, als ich auch den Stoffwechsel-Stoff für Constance ausgesucht habe und fand ihn schon da sehr weihnachtlich. Kombiniert habe ich ihn mit einem rot-gemusterten Patchworkstoff und blauem Schrägband am Saum.
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Das Shirt ist nach meinem Standard-Shirtschnitt, einer sehr stark angepassten Variante, des Deer-and-Doe-Plaintain-Tops. Ich habe den Schnitt mit gut sitzenden Kaufshirts verglichen und danach das Armloch verkleinert, die Taille verschmälert und es insg. gekürzt. Der Stoff ist von stoffkontor.eu – ein Baumwoll-Stretch-Jersey, der sich sehr angenehm trägt.
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FrauCrafteln zeigt heute auch ihr Weihnachtskleid, das sich auch als Alltagsheld entpuppt hat und auch rot ist, na sowas. Ich grüße fröhlich hinüber, schicke euch alle zur MeMadeMittwoch-Seite und Bestaunung der selbstgenähten Outfits des heutigen Tages und gehe dann mal zurück an den Schreibtisch.

AnNÄHerung 2015

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Dieser Post wurde in Etappen über einige Tage geschrieben.

Während ich deutlich zu spät, stark übermüdet und kopfschmerzig unterwegs ins Büro bin, wo ich dann wohl ohne Vorbereitung meine Vorlesung halten werde, lasse ich das Wochenende in Bielefeld Revue passieren. Schön war’s!
Nachdem ich letztes Jahr das kleine Stillkind noch nicht allein lassen konnte und nur sehnsüchtig die Berichte las, konnte ich dieses Jahr dabei sein. Juchu!

Für Vorbereitungen hatte ich nicht allzu viel Zeit, die Woche war vollgepackt mit Wohnungsbesichtigungen, Arbeit und organisatorischen Herausforderungen. So kam ich Freitag, dank einer “Kuppelstörung” am Bahnhof Hamm, verspätet, müde und irgendwie derangiert, mit nur halb zugeschnittenen Projekten und ohne passendes Nähgarn mitten während des Abendessens an. Und brauchte erstmal etwas Ankommzeit. Ich kannte, für mich ungewohnt, ca die Hälfte der Teilnehmerinnen nicht, und habe es wohl auch nicht geschafft mit wirklich jeder länger zu reden. Aber die Mischung aus quatschen und nähen ist mir gut gelungen, finde ich. Nach der Vorstellungsrunde musste ich mich ziemlich aufraffen, überhaupt an die Maschine zu gehen. Zu müde und erschlagen. Dass ich mich doch aufgerafft und noch richtig warm genäht hab, war gut. An der Bügelpresse gab es ja dennoch Gelegenheit, sich aufs angenehmste zu verquatschen und so ausreichend Pausen zu haben. Und auch als ich nicht mehr konzentriert arbeiten konnte, gab es noch viel zu bereden.
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Am Samstag habe ich mich richtig warm genäht und war am Abend gegen 22 Uhr tatsächlich mit meiner Version von Simplicity 2403 komplett fertig. Und das obwohl ich den Rock trennen und alles was ging raus lassen musste, weil der enge Rock und meine Hüfte nicht so ganz gut miteinander harmonierten. Ein bisschen eng ist es immer noch, aber damit kann ich leben, denn es ist nicht unbequem. Und wunderschön.
Zwischendurch habe ich gern Robson-Coat-Beratung geleistet, über alles mögliche Näh-spezifische und weniger nähbezogene gequatscht und staunend betrachtet was andere so fabrizierten. Ich saß in bester Gesellschaft und lernte ganz nebenher mit, wie Paspelknopflöcher gemacht werden und ließ mir von der <3-Lotti sowohl Tulpenärmel als auch magische Futter-an-Reißverschluss-Maschinennähung erklären. Und neue Nähfüßchen konnte ich auch noch abstauben (danke Chrissy). Unsere Nähinsel war für mich absolut perfekt zusammengestellt und die “Rückennachbarinnen” passten da auch noch super dazu. So eine schöne wohlwollende und anregende Umgebung.
Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie wohlwollend und dennoch ehrlich der Umgang unter nähnerds ist. Wie vertraut wir schnell sind, wie mühelos wir Gesprächsthemen auch fernab von Fachsimpelei finden. Und wie toll nerdig es gleichzeitig zugeht (Füßchenschwärmerei, ein Füßchen-Schrank mit Plexiglastür, ein Dampfkleiderständer oder wie immer das heißt, ein Dinosaurier-Bügel-Ei, …). Ich habe mich sehr gefreut einige “internetaltbekannte” persönlich kennen zu lernen, andere bereits persönlich bekannte wiederzutreffen und einige mir gänzlich unbekannte neu kennenzulernen. Gefühlt hatte ich viel zu wenig Zeit mit allen ins Gespräch zu kommen, aber andererseits hatte ich auch seit sehr langer Zeit nicht mehr die Gelegenheit lang am Stück konzentriert zu nähen und so habe ich mich hier um ein sowohl-als-auch bemüht und mich auf ein Wiedertreffen verlassen. Gegen 22 Uhr am Samstagabend konnte ich mit fertigem Kleid dann auch entspannt die Nähmaschine ausmachen und noch ein paar Stunden quatschen. Zu zweit oder in größerer Runde war es eine große Freude die Zeit zu vergessen und ein paar Prosecco zu trinken, über dies und das und jenes zu reden und Stoffe aus Verl zu befühlen.
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Den Sonntag begann ich noch einen Rock nach Butterick 6060, allerdings war ich nur so halb konzentriert, verblieb erst lang im Zimmer mit den beiden tollsten Zimmergenossinnen dann am Frühstückstisch und danach an der Bügelpresse, die ohnehin stets für eine kleine Runde Plausch gut war. So nähte ich zwar die Rockbahnen zusammen und den Reißverschluss ein, der ging aber bei der Anprobe kaputt und dann hatte ich auch nicht mehr recht Lust. Stattdessen bestaunte ich noch ein paar fertige und fast fertige Kleidungsstücke und ließ mich etwas treiben, packte meine Sachen und fuhr etwas früher als die anderen zusammen mit Monika zum Bahnhof um rechtzeitig zur Nachmittagsschicht beim Minimensch zu sein.
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Leider war ich an beiden Abenden früher im Bett als viele andere. Hier forderte dann doch das derzeit anstrengende Real Life seinen Tribut, zumal ich recht zuverlässig zur “Kind-wach-Zeit” um 7 wach im Bett lag und daher nicht wirklich was vom “ausschlafen können” hatte. So habe ich Musik und Tanz wohl zweimal verpasst und auch kein Foto von stimmungsvoller Nähmaschinen-Beleuchtung. Dafür habe ich das Wochenende überlebt ohne krank zu werden und die darauffolgende Woche semi-komatös hinter mich gebracht, mehr war dieses Jahr nicht drin.
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Die fertigen Kleidungsstücke kann ich leider noch nicht zeigen, dem Kleid fehlen noch Knöpfe, der Rock hat sich als zu weit rausgestellt und muss nun noch enger gemacht und gefüttert werden, ich hoffe, das schaffe ich noch bevor ich die Nähmaschinen in einen Umzugskarton verpacke.
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Es bleibt ein riesiger dicker Dank an die drei formidablen Organisatorinnen Frau Drehumdiebolzeningenieurin, Frau Mamamachtsachen und Frau Alle Wünsche werden wahr. Die tolle Erinnerung an ganz viel nähnerdflausch. Die Erkenntnis, dass ich noch viel lernen kann, aber auch viel helfen. Die immer wieder riesige Begeisterung, wie wundervoll offen, herzlich, ehrlich und wertschätzend unsere “Community” ist. Große Freude über das persönliche Treffen mit Lotti und Chrissy sowie Frau Pepita, das nun wirklich jeweils schon lang überfällig war, das Wiedertreffen mit so vielen anderen und das neu kennenlernen insb. von Pott-Bloggerin-Genossin Birgit und anderen und auch einigen der nicht-bloggenden Teilnehmerinnen. Und die große Hoffnung auf mehr davon. Dieses Wochenende war für mich eine gute Auszeit nach und vor sehr unruhigen Zeiten, ein letztes langes Date mit meiner Nähmaschine, die in nächster Zeit wohl eher stiefmütterlich behandelt werden wird und einfach auch eine tolle Erfahrung. Alle, mit denen ich mich nur kurz unterhalten konnte, sehe ich ja dann sicher spätestens nächstes Jahr, oder?