Der Griechenland-Gedanken zweiter Teil: Und was hat das ganze mit dem Euro zu tun?

Wow, mein Post zur Entstehung der griechischen Krise hat sehr viele neue Leser auf mein Blog gelockt – die sich vermutlich dann fragten, was sie in diesem Gemischtwarenladen suchen. Herzlich Willkommen – wer keinen Nähkram lesen will, halte sich an das Tag “just my 2 cents”. Es freut mich, dass ich offenbar zur Erhellung einiger dunkler Flecken beitragen konnte und ich wundere mich, warum das scheinbar der Presse nicht gelingen will. Aber gut. Schweifen wir nicht ab. Lieber zurück zur Frage: Warum wurde aus der griechischen Krise eine Euro-Krise und was hat denn überhaupt eine Staatsschulden- und Bankenkrise mit der Währung zu tun? Auch hier ist es wieder sehr viel komplexer als man denkt. Im Prinzip hat die Verknüpfung von Staatsschulden und Währungskrise vier Dimensionen: 1. Der Wechselkurs als Korrektiv fällt weg und das kann eine bestehende Wirtschaftskrise verschärfen. 2. Der Regierung entgehen durch die Aufgabe der Währungsautonomie Finanzierungsmöglichkeiten über den sogenannten “Münzgewinn” (auch Inflationssteuer oder Seigniorage genannt) und über die Möglichkeit auf die Rücklagen der Zentralbank zuzugreifen. 3. Die Finanzierung der fiskalpolitischen Maßnahmen in der Finanzkrise führt zur Verletzung der Stabilitätsziele der Eurozone und damit zu Zweifeln an der Stabilität der Währung selbst, damit sind auf einmal alle anderen Länder mit an Bord des sinkenden Schiffes, insbesondere die, die in ähnlich prekärer Lage sind. 4. Durch die Einführung eines gemeinsamen europäischen Bankenmarktes sind die Banken sehr viel enger miteinander verknüpft und daher sind viele Banken in anderen europäischen Ländern von einem möglichen Zusammenbruch der griechischen Banken oder einer möglichen Staatspleite indirekt betroffen, da sie in großem Umfang Forderungen gegenüber griechischen Banken und dem Staat haben.

Während der erste und der letzte Punkt sehr viel Beachtung finden, sind der zweite und der dritte keinesfalls weniger wichtig. Also gucken wir uns mal die Punkte im Detail an:

1. Der Wechselkurs als Korrektiv. Das klang ja in meinem letzten Post schon an. Für eine kleine offene Volkswirtschaft mit flexiblem Wechselkurs ist der Wert der Währung gleichzeitig immer auch ein Barometer für das Vertrauen in die Funktionalität der Volkswirtschaft als ganzes. Eine Währung wertet auf, wenn die Nachfrage danach steigt. Dies geschieht zum Beispiel, wenn die Nachfrage nach den im jeweiligen Land produzierten Gütern hoch ist, wenn die Nachfrage nach Finanzanlagen (Wertpapieren oder Aktien) in diesem Land hoch ist, wenn die Währung selbst als wertstabil angenommen wird und damit selbst als Anlage dienen kann (das Musterbeispiel ist hier der Schweizer Franken, der als sicherer Hafen gilt). Eine viel nachgefragte Währung bildet also letztlich ab, dass auf den verschiedenen Märkten (Güter, Dienstleistungen, Anlagen, Devisen) dem Land ein hohes Vertrauen entgegen gebracht wird. Umgekehrt spiegelt eine (drastische) Abwertung in der Regel wieder, dass auf zumindest einem dieser Märkte das Vertrauen in die Stabilität der Volkswirtschaft einen Dämpfer erhalten hat. Z.B. wenn scharenweise Investoren ihre griechischen Anlagen verkaufen und stattdessen Bundesschatzbriefe kaufen wollen. Vor dem Euro hätte das zu einem erhöhten Angebot an Drachmen und einer erhöhten Nachfrage nach DM geführt und entsprechend zu einer Abwertung der Drachme und einer Aufwertung der DM. Und genau dieser Mechanismus: Aufwertung in guten Zeiten, Abwertung in schlechten Zeiten ist durchaus begrüßenswert. Denn so wird ein sehr starker Aufschwung abgefedert, indem durch die Aufwertung der Währung inländische Güter und Anlagen international dann mehr kosten und weniger attraktiv sind – was verhindert, dass eine einzelne Volkswirtschaft auf Dauer “über Kapazität” produziert und sehr viel Nachfrage auf sich konzentriert. Umgekehrt führt eine Abwertung in Rezessionszeiten dazu, dass die inländischen Güter für Ausländer billiger werden, was die Exporte stimulieren und damit der Wirtschaft aus der Rezession verhelfen kann (so es nennenswerte Exportindustrie gibt). In der Währungsunion funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr. Natürlich könnte es sein, dass die drohende Pleite Griechenlands den Wert des EURO schmälert, das ist durchaus zu beobachten. Allerdings ist Griechenland zum Glück innerhalb des EURO-Teichs ein ziemlich kleiner Fisch und die Abwertung des EURO liegt um Meilen geringer, als die hypothetische Abwertung der Drachme wäre. Somit ist der Wechselkurseffekt direkt schonmal sehr klein. Falls es nun aber einen positiven Handelseffekt aus der Abwertung des EURO gäbe – würden denn dann die Griechen den wenigstens spüren? Eher nicht. Denn kleiner Fisch. Der große Fisch im EURO-Außenhandel ist Deutschland. Wenn der EURO abwertet ist das mal per se und als erstes gut für uns. Und für ein paar andere, sehr exportstarke Länder. Griechenland ist leider nämlich überhaupt nicht besonders exportstark. Und sowieso schonmal nicht mit Ländern außerhalb der EURO-Zone. Denn: zwischen den EURO-Ländern ist der Wechselkurs ja 1:1, das heißt hier gibt es schonmal per se gar keine positiven Handelseffekte aus Kursänderungen des EURO zu erwarten. Da aber die EURO-Länder zu sehr großem Anteil untereinander oder zumindest mit anderen EU-Ländern (die ja, wir erinnern uns, teilweise einen festen Wechselkurs zum EURO haben) handeln, gibt es da schonmal gleich gar nix zu holen. Wollten wir Griechenland über den Handel helfen müssten wir also alle im Rest von Europa sehr viel Feta, Olivenöl und griechischen Joghurt kaufen.

2. Finanzierung von Staatsausgaben via Zentralbank. Das funktioniert nur, wenn die Zentralbank der Regierung untersteht. Die EZB und auch früher die Bundesbank waren unabhängig und damit nicht gehalten, zur Finanzierung der Fiskalpolitik beizutragen. Aber, wenn die Zentralbank der Regierung gehört, wie z.B. die Fed, dann kann die Regierung sich via Zentralbank finanzieren. Es gibt da zwei Wege. Zum einen kann die Regierung bei der Zentralbank Kredite aufnehmen. Dies führt zu einer Erhöhung der sog. heimischen Komponente in der Zentralbankbilanz. Die Zentralbank hält grundsätzlich als Gegenwert zum Umlauf an Zentralbankgeld Forderungen gegenüber der Regierung, inländischen Banken, Devisen, Wertpapiere, heimische und ausländische und Gold. Wenn die Regierung nun mehr Kredite erhält, weitet sich die Forderungsposition der Zentralbank aus. Nun muss die Zentralbank im Gegenzug entweder andere Positionen verkaufen, zum Beispiel Devisen auflösen oder die Kreditvergabe an Banken drosseln, oder eben den Geldumlauf erhöhen. Das ist das, was gemeinhin als ‘die Notenpresse anwerfen’ bezeichnet wird. Natürlich kann die Zentralbank auch ohne Ausweitung des Regierungskredits die Geldmenge erhöhen, durch einen Erhöhung eines der anderen Posten, z.B. Devisenankauf oder Kreditausweitung im heimischen Bankenmarkt. Und auch in diesem Fall würde die Regierung davon finanziell profitieren. Sie schöpft aus einer Geldmengenerhöhung den sogenannten “Münzgewinn”, die Seigniorage ab (auch etwas verwirrend Inflationssteuer genannt). Dieser Begriff fasst verschiedene Gewinnmöglichkeiten zusammen. Einerseits steht der Regierung das neu gedruckte Geld unmittelbar zur Verfügung, während die durch Geldmengenerhöhung eintretende Inflation erst verzögert auftritt, hierdurch ist das neue Geld für die Regierung mehr Welt als später für die Konsumenten. Zudem steigen durch die ausgelöste Inflation die Steuereinnahmen aus Mehrwertsteuer und anderen Wertsteuern, da diese auf den Nominalpreis entfallen, wenn dieser steigt, steigt auch die Steuer. Außerdem würde, wenn die Zentralbank der Regierung gehört auch der Zins auf neu ausgegebene Kredite an Geschäftsbanken oder ein potenzieller Gewinn aus Devisenverkäufen an die Regierung fallen und entsprechend zur Finanzierung beitragen. Im Falle eines festen Wechselkurses, kann die Zentralbank nicht autonom die Geldmenge erhöhen, das bedeutet, dass auch Seigniorage nicht möglich ist. Wohl kann aber auf die heimische Komponente zurückgegriffen werden und die Zentralbank um Kredit gebeten. In der Währungsunion geht auch das nicht mehr, da die Regierung ja keine Zentralbank mehr unter ihren Fittichen hat und die EZB durch strenge Regeln gebunden ist. Natürlich hat die EZB der griechischen Regierung Kredite gegeben. Aber im Gegensatz zu einer abhängigen Zentralbank eher zurückhaltend und unter Auflagen.

Das waren die beiden Punkte, in denen Griechenland mehr unter der Krise zu leiden hat, weil es in einer Währungsunion ist. Die nächsten beiden Punkte betreffen die Währungsunion selbst. Denn die hat natürlich auch mehr unter der griechischen Verschuldungskrise zu leiden, als wenn Griechenland nur Mitglied er EU wäre.

3. Ansteckende Instabilität. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt ist ein Instrument die Fiskalpolitik zumindest vom Umfang her zu vereinheitlichen, de facto wäre es notwendig die Fiskalpolitik auch zeitlich und inhaltlich zu koordinieren, dies wird aber unter Berufung auf die Budgetautonomie der nationalen Regierungen abgelehnt. Obwohl der Stabilitäts- und Wachstumspakt bereits Dutzende Male von etlichen Ländern gebrochen wurde, hat er doch für den EURO einen hohen Wert. Er signalisiert den Willen der Mitgliedsstaaten, sich den Zielen von moderater Verschuldung, Ausgabendisziplin, moderatem Wachstum und moderater Inflation dauerhaft und bindend zu verpflichten. Damit dient er als Garant für die Kreditwürdigkeit und Zuverlässigkeit des Euroraums als ganzem und damit der Wertstabilität des EURO. Neben Handels- und Kapitalverkehrsvereinfachungen war die Eindämmung von Inflation und Zinsschwankungen ein wesentliches Ziel bei der Einführung des EURO. Die südeuropäischen Staaten hatten zuvor deutlich höhere Inflationsraten und stark schwankende Zinsen, eben weil das Vertrauen in die Stetigkeit und Zuverlässigkeit der jeweiligen Zentralbanken nicht sehr ausgeprägt war. Der EURO ist damit auch ein Instrument der Erhöhung der Glaubwürdigkeit und der Verstetigung der europäischen Geldpolitik. Wenn nun ein Land nicht nur einmal, sondern dauerhaft und nicht nur in geringem Umfang sondern sehr nennenswert die Maßgaben des Stabilitätspaktes verletzt, nichtmal die vorgesehenen Vertragsstrafen zahlen kann und am Ende “damit durchkommt” sprich entschuldet wird oder gar aus dem EURO ausscheidet, so kann das durchaus verheerende Implikationen für die Glaubwürdigkeit der europäischen Geldpolitik haben. Griechenland selbst ist denkbar klein auch im europäischen Finanzmarkt, aber würde bspw. durch einen Bankrott Griechenlands auch Zweifel daran bestehen, dass Portugal, Spanien und Italien sich in der Zukunft weiterhin an die Stabilitätsziele halten, dann fehlt auf einmal das Vertrauen in ein Viertel der EURO-Länder, das würde ganz sicher zu Kursverwerfungen des EURO führen und es der EZB schwerer machen, eine moderate Zins- und Inflationspolitik auch glaubwürdig weiter vertreten zu können. Im Rahmen des EWS kam es 1992/1993 zu einer Währungskrise im Rahmen derer, kaum dass die eigentlich in Schieflage geratenen Staaten Portugal, Italien und Spanien ihre Währung gegenüber der DM abgewertet hatten, gegen den französischen Franc spekuliert wurde, obwohl die Wirtschaftssituation in Frankreich solide war und die französische Nationalbank einen deutlich vorsichtigeren Ruf hatte. Am Ende musste das Schwankungsband der Währungen sehr weit ausgedehnt werden, damit nicht der Abwertungsdruck einfach beständig von einem Land auf das nächste übergriff.

4. Die Sache mit den Banken. Tatsächlich hatte die griechische Regierung zu Beginn der Wirtschaftskrise auch in nennenswertem Umfang Schulden bei privaten Gläubigern (europäischen Banken und Hedgefonds/Investmentfonds) diese sind jedoch zum Großteil im Rahmen des ersten Schuldenschnitts an öffentliche Gläubiger übergegangen oder erlassen worden, so dass die Regierung heute zu weit weit höchstem Teil gegenüber den öffentlichen Gläubigern (ESM, IWF, EZB, EFSF) verschuldet ist. Eine Entschuldung würde also NICHT die deutschen Banken mit Geld versorgen. Anders sieht es natürlich mit den griechischen Banken aus. Diese sind natürlich schon innerhalb des europäischen Bankensystems bei anderen europäischen Banken verschuldet, das ist normal, denn das Bankensystem ist darauf ausgelegt, dass die Banken sich in erster Linie mal gegenseitig mit Liquidität versorgen, bzw. am Ende des Geschäftstages ihre offenen Positionen miteinander tauschen (im Rahmen des Target2-Systems für Zahlungsabwicklung) und wenn die griechischen Banken zahlungsunfähig sein sollten, würde dies durchaus zum Platzen der einen oder anderen Position in den Bilanzen von Banken in Überschussländern führen. Dennoch fließt die Hilfe, die aus dem ESM möglicherweise an Griechenland fließt nicht zwangsläufig an die Banken, dies nur, falls die griechische Regierung die Banken rekapitalisieren würde und dies ohne weitere Auflagen oder Verhandlungen mit den Gläubigern. Würde dies hingegen durch europäische Institutionen geschehen, würde mutmaßlich ein Teilverzicht mit den Banken anderer Länder ausgehandelt oder zumindest eine Stundung oder Restrukturierung der Schulden, wie man das halt in Insolvenzverfahren so macht. Auch hier gilt jedoch: die Gefahr für das europäische Bankensystem als ganzes geht nicht von Griechenland aus, kleiner Fisch, ich sagte es ja schon. Entscheidender ist, dass es Banken in Italien und Spanien sehr sehr ähnlich geht und sie nur ein winziges bisschen besser mit Kapital versorgt sind. Würde der Eindruck entstehen, das Eurosystem verstaatliche in großem Stile in Bedrängnis geratene Banken, so könnte dies vor allem wiederum die spanischen und italienischen Banken empfindlich treffen, dann nämlich, wenn befürchtet würde, diese würden auch demnächst ihre Gläubiger prellen. Und wenn man sich die Target2-Salden anguckt, dann sieht man, dass die hohen negativen Target2-Salden innerhalb der Eurozone nicht bei Griechenland, sondern bei Italien und Spanien liegen.

Target2-Salden innerhalb des Euro-Bankensystems. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/TARGET2

Wir fassen zusammen: Es ist für Griechenland ziemlich doof, dass es im Euro ist, weil es daher auf verschiedene Instrumente, seine Wirtschaftskrise zu überwinden, nicht zurückgreifen kann. Es ist auch für die Eurozone ein bisschen doof, dass Griechenland dabei ist, aber ich wage zu behaupten, weniger schlimm als umgekehrt. Der Effekt für die Eurozone ist nämlich weniger, dass Griechenland uns alle ins Verderben stürzt sondern mehr, dass Griechenland das minikleine Loch in dem Damm wäre, den dann Italien und Spanien einreißen würden. Man kann nur sehr vage Mutmaßungen anstellen, ob es besser wäre, wäre Griechenland nicht im Euro. Vielleicht hätten ihnen auch alle weiteren Instrumente nicht viel gebracht. Vielleicht hättten sie trotzdem einen festen Wechselkurs zum Euro und damit sehr ähnliche Probleme. Natürlich müsste dann der ESM nicht dafür gerade stehen und die EZB nicht die Liquidität der griechischen Banken sichern (was sie muss!), dann wäre der IWF mehr als jetzt noch in der Pflicht, denn letztlich ist es ganz genau die Aufgabe des IWF in derlei Situationen einzuspringen. Womöglich hätten wir aber dann schon ca 2012 Italiens Banken rekapitalisiert.
Letztlich hat das Eurosystem ein paar erhebliche Designschwächen und die sind nun an Griechenland offenbar geworden, da wären sie aber auch ohne Griechenland.

Und nun ist schon wieder ein ziemlich langer Post entstanden. Im nächsten dann die Frage: “und nun?” Aber das wird etwas dauern.

Expertise zu den griechischen Schulden vom DIW mit zahlreichen Grafiken (PDF, Fachliteratur aber gut lesbar)

Ein Artikel, der zurecht betont, dass die EZB zur Sicherung der griechischen Liquidität verpflichtet ist.

Und einmal noch zur Struktur der griechischen Schulden und der Frage nach den Banken. (Englisch)

Me made Mittwoch: Cambie dress love

Ich habe ein neues Kleid genäht, das ich uneingeschränkt liebe. Das an sich ist schon eine Erwähnung wert, denn in letzter Zeit überwogen ja die Pannen und eher halbgaren Ergebnisse. Zudem ist es auch noch ein Fall von “was lange währt wird endlich gut.” Der Stoff ist nämlich einer der ältesten in meinem Lager (außer Erbstücken, die schon woanders lang lagerten) – ich kaufte ihn im Februar 2012 in Israel auf der Stoffstraße in Tel-Aviv (nahe des Kamel Market, falls jemand mal hinkommt). Tatsächlich hüte ich sogar noch einen der dort gekauften Stoffe. Diesen streichelte ich nun wirklich lang. Denn ich finde ihn wirklich wirklich schön und ich hatte nur 1,10*2,00m was nun selbst für meine Verhältnisse knapp ist um ein Kleid daraus zu bekommen. Ein Tellerrock war schon mal nicht drin. Etwa seit irgendwann 2013 habe ich eine Kopie des Cambie Dress von sewaholic patterns. Und auch diese schmachtete ich lang an und wusste nicht recht, aus welchem Stoff. Nun hab ich aber beschlossen, dass ein schöner Stoff im Lager mir gar nix bringt und halb schöne Probekleider auch doof sind und so wagte ich den tollen Stoff mit unbekanntem und von vielen übel beschimpftem Schnitt. Und es war gut so:
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Da ich weiß, dass Sewaholic-Schnitte weit ausfallen und ich hier auch nochmal explizit gewarnt wurde, habe ich zuerst das Futter zusammengesetzt, angepasst und dann die Änderungen auf die Schnittteile übertragen, erst dann hab ich das Oberkleid zugeschnitten. Viel musste ich aber gar nicht ändern. Lediglich die Abnäher anpassen und den Rock etwas verlängern.
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Ich bin sehr begeistert vom Schnitt, es hat mich sehr verwundert, wie leicht es ging, das Futterkleid und Oberkleid komplett miteinander verstürzt sind sogar am Reißverschluss und das ganz ohne Kochlöffel, offene Seitennähte oder ähnliches. Man näht beide komplett fertig bis auf die Ansatznaht zwischen Träger und Vorderteil und wendet dann durch die Träger – einfach und genial. Leider habe ich ob dieser verblüffenden Erfahrung vergessen, auch den Ausschnitt zu paspeln. Aber nun gut. Ist auch so schön.
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Nach einem halben Tag im Büro sitzen ist es jetzt unter der Brust und am Taillenband etwas weit. Dafür ist es sehr bequem und ich nehme an, nach der Wäsche ist das wieder weg. Die Träger werde ich noch etwas kürzen. Minimale Kritikpunkte wären, dass der Ausschnitt einen Hauch absteht und ich einen minimalen Versatz im Taillenband am Reißverschluss habe. Aber das ist mir vollkommen schnurz. Ich liebe dieses Kleid. Es wird zahlreiche Geschwisterchen bekommen. Denn das beste ist: Es nähte sich wundervoll schnell. 4 Abende a je 1-2 Stunden, inkl Zuschnitt, Anpassungen und …
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… einer handgeknüpften Garnschlaufe oberhalb des Reißverschlusses. Das kam so: Ich wollte eigentlich, da der Ausschnitt weit genug ist, den Reißverschluss ein Stück nach unten versetzt einsetzen und darüber zunähen. Ich finde das sehr angenehm und hübsch (und außerdem hatte ich nur noch 40cm-Reißverschlüsse). Allerdings, geht das exakt nicht bei dem tollen Wendemanöver. Also trennte ich das Stück oberhalb des RV wieder auf und verstürzte den Schlitz mit dem Futter. Und so hat das Kleid jetzt oben einen wirklich hübschen Schlitz und einen wirklich hübschen Knopf und eine verdammt tolle Garnschlaufe.
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Die Details:

Schnitt: Cambie Dress von sewaholic

Größe: 10, Oberteil vorn in 12

Stoff: Baumwollpopeline

Änderungen: Oberteil um 1 cm gekürzt, Taillenband um 1,5cm verbreitert, Abnäher im vorderen Oberteil verbreitert, Rückteile am RV 1cm verschmälert, Rock 5cm verlängert (Blindsaum, 3cm)

Und nun gebe ich ab an Meike, deren Viskose-Gefluche fast genauso klingt wie meins letzte Woche. Es wäre wirklich schön wenn wir herausfänden, wie eine der Viskose das nervige Verziehen abgewöhnen kann, denn ein schönes Material ist es allemal.

Ein paar Gedanken zu Griechenland – Wie kam es zu der jetzigen Situation?

Ich hab schon lang hier nichts mehr mit volkswirtschaftlichem Flavour geschrieben. Bzw. tue ich das ohnehin sehr selten. Wenn dann ging es um Nachhaltigkeit, die sowohl mein berufliches als auch mein privates Schaffen prägt. In den vergangenen Wochen habe ich aber auf Twitter, Facebook und in echt hier und da mal zum Thema Griechenland diskutiert und dabei sind 140 Zeichen definitiv zu kurz und vieles müsste ich auch im Gespräch erst nachschlagen. Deshalb verblogge ich nun doch mal meinen ungaren Gedanken zu diesem Thema. Denn, das gleich vorweg, ich bin zwar Volkswirtin, aber ich beschäftige mich eigentlich nicht mit Währungspolitik/Fiskalpolitik/Finanzierungskrisen. Zumindest nicht für Industrieländer. Ich beschäftige mich normalerweise schwerpunktmäßig mit Entwicklungsländern. Und letztlich ist meine – diffuse – Meinung auch von diesem Blickwinkel geprägt. Denn es gibt mehr Parallelen, als man denkt. Ich kann deshalb sicher nicht als Expertin gelten evtl. aber etwas besser informiert als das Mittel.
Ich habe versucht mich – neben der Presse – auch ein wenig in der Fachliteratur umzusehen und nach belastbaren Daten gesucht – letzteres ist sehr viel schwerer als ich gedacht hätte. Ich denke, ich teile meine Gedanken in drei Teile. Zunächst ein Überblick, wie es überhaupt zu der jetzigen Situation kam, dann eine Erläuterung der beiden Rahmenbedingungen, was wird als Optionen diskutiert, was macht aus welchen Gründen mehr oder weniger Sinn, usw. Und dann ein paar Parallelen zu anderen Krisen in der Wirtschaftsgeschichte.

Zunächst also: Warum ist die griechische Regierung nahezu zahlungsunfähig, wie ist es so weit gekommen? Das erfordert im Grunde sehr weit auszuholen. Griechenland ist, unter den Euro-Ländern eigentlich an vielen Stellen auf unterschiedliche Weise außergewöhnlich.

Bei Gründung der EWG 1957 war Griechenland, im Gegensatz zu vielen anderen Euro-Ländern nicht Mitglied und ist auch nicht mit der ersten Erweiterungswelle der EWG in den 70er Jahren hinzugestoßen, sondern, wie Spanien und Portugal auch, erst in den 80er Jahren. Das heißt, die Integration ist zwischen den ursprünglichen EWG-Staaten einfach schon älter, von jeher intensiver, sie sind durch viele stärkere Handelsbeziehungen verbunden und liegen sich natürlich auch geographisch näher (was in vielerlei Hinsicht sehr wichtig ist). Griechenland war nach dem zweiten Weltkrieg noch über Jahre von Bürgerkrieg geprägt, dann folgte eine sozialistische Epoche, jedoch ohne eine direkte starke Orientierung in Richtung der Sowjetunion und schließlich eine Militärdiktatur, bevor Griechenland erst 1975 zu einer demokratischen Republik wurde. Damit war es lange Zeit von der kerneuropäischen Integration, der NATO und dem Westen teilweise bis vollständig isoliert. Die Militätjunta tat mit der Wirtschaft des Landes, was diktatorische Regierungen im allgemeinen zu tun pflegen: Sie bediente sich an den Ressourcen des Volkes zum Übermäßigen Ausbau des Militärs, der Alimentierung der Regierung und der Unterminierung demokratischer Tendenzen. Die Produktionsstruktur war nicht auf Handel ausgelegt und von einem hohen Ausmaß an Planwirtschaft und Ineffizienz gekennzeichnet.

Im Verlauf der frühen 80er und späten 90er Jahre hat Griechenland, ebenso wie Spanien und Portugal, Phasen starken Wirtschaftswachstums durchlaufen. Wobei die Wachstumsraten erheblich mehr Schwankungen aufwiesen als im EU-Vergleich und durchaus auch Perioden erheblicher Wachstumseinbußen zu verzeichnen waren.

Nettonationaleinkommen (=Volkseinkommen, ehemals Nettosozialprodukt) pro Kopf, 1980-1999

Nettonationaleinkommen (=Volkseinkommen, ehemals Nettosozialprodukt) pro Kopf, 1980-1999*

Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes, jeweils % Änderung zum Vorjahr*

Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes, jeweils % Änderung zum Vorjahr*

Einen derartigen Aufholprozess nach Ende eines diktatorischen Regimes kennen wir z.B. von vielen Schwellenländern nach Ende diktatorischer Epochen, auch von Deutschland nach der Wiedervereinigung. In diesen Staaten wurde das Produktionskapital, Anlagen etc. stark heruntergewirtschaftet, durch die Integration in den Weltmarkt für Waren, Dienstleistungen und Kapital erschließen die Länder neue Finanzierungsmöglichkeiten und neue Technologien und werden sehr schnell sehr viel produktiver. Mit Eingliederung in die EWG wurde es für die südeuropäischen Länder sehr viel einfacher externe Investitionen zu erhalten, sowohl  aus den europäischen Strukturfonds als auch von privaten Kreditgebern. Länder die schnell an Produktivität gewinnen sind, zumal wenn sie gleichzeitig (noch) niedrige Steuern erheben und von der EU Fördergelder bereitgestellt werden, attraktive Investitionsstandorte, Griechenland erhielt allerdings im Verhältnis recht wenig Direktinvestitionen und recht viel Kredite, die zum Großteil nicht produktiv eingesetzt wurden. Dennoch war der Zufluss an ausländischem Kapital nach Griechenland ab 1981 relativ stetig und hoch. Ein stetiger Zufluss an Kapital bedeutet in der Regel auch einen ausgeprägt negativen Leistungsbilanzsaldo, also einen Importüberschuss. Zudem ist es natürlich für eine Regierung, die einen maroden und restrukturierungswürdigen Staat übernommen hat, sehr attraktiv, große Teile der Finanzierung aus – freiwillig an sie herangetragenen – ausländischen Quellen zu speisen, anstatt sich an den Aufbau einer soliden Einkommensbasis zu machen, was zwangsläufig bedeutet, sich beim Wähler unbeliebt zu machen (man muss ja nur mal daran denken, was in Deutschland los ist, wenn jemand an Agrarsubventionen zu rütteln droht, nicht wahr?). Durch diese Kombination aus einer erheblichen Entwicklungslücke, einem starken Restrukturierungsbedarf und ungünstigen Anreizen hat die griechische Verschuldung und die negative Nettovermögensposition sich recht deutlich aufgebaut.

staatsschulden

Staatsverschuldung in % des BIP, 2012*

Im Vertrag von Maastricht, 1990, wurde festgelegt, dass alle EU-Länder, die die Konvergenzkriterien erfüllen, zwangsläufig auch EURO-Mitglieder werden. Der EURO galt, in der politischen Umbruchzeit Anfang der 90er als der letzte und konsequente Schritt der europäischen Integration. Großbritannien hat sich von dieser Klausel eine Opt-out-Möglichkeit verhandelt, Schweden entschied, bekanntlich, per Volksentscheid gegen den EURO-Beitritt. Zu den Konvergenzkriterien gehört – neben konjunkturellem Gleichlaufund  einer Reihe rechtlicher Rahmenbedingungen auch die mindestens 2-jährige Mitgliedschaft im EWS – heute WKM, also dem europäischen System fester Wechselkurse. Nur wenn ein Land also über mindestens 2 Jahre einen festen Wechselkurs zur DM einhalten konnte, konnte es auch EURO-Mitglied werden. Unter den EURO-Staaten waren Belgien, Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg und die Niederlande von Anfang an (1979) Mitglied des EWS. Spanien und Portugal traten Ende der 80er/Anfang der 90er bei, Finnland 1996. Griechenland erst 1998. Damit konnte es nicht 1999 den EURO einführen, sondern erst 2001. Auch die Mitgliedschaften im EWS zeigen natürlich, wie viel integrierter die Kern-europäischen EURO-Mitglieder waren. Diese hatten über 20 Jahre Erfahrung mit einer koordinierten Geldpolitik gemacht, unter Leitung der Bundesbank, die als Vorbild der EZB diente. Griechenland hingegen hatte kaum Erfahrung darin, was es bedeutet, nicht mehr Herr der eigenen Geldpolitik zu sein, denn dies bedeutet ein fester Wechselkurs ebenso wie die Mitgliedschaft in einer Währungsunion. Dass Griechenland das Konvergenzkriterium der Defizitgrenze, bzw. Neuverschuldungsgrenze nicht erfüllte, stellte sich erst nach Beitritt zur EWU heraus.

Mit einem Entwicklungsländer-geschulten Blick zeigt Griechenland in der Ära 1981-2001 zahlreiche Eigenschaften, die üblicherweise vor allem Entwicklungs- und Schwellenländern zugeschrieben werden, trotz des deutlich höheren Bruttoinlandsproduktes. So ist die griechische Staatsquote (also der Anteil der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt) sehr hoch, der Anteil der Beamten unter den Beschäftigten beläuft sich auf etwa 25%. Die vergangenen Regierungen seit dem zweiten Weltkrieg bis zur Finanzkrise entstammten im Wesentlichen 3 Familien, diese “Vererbung” von Macht zeigt sich sowohl in konservativen wie in sozialistischen Regierungen und findet sich auch in sehr vielen Entwicklungsländern. Das Steuersystem und vor allem die Durchsetzung der Besteuerung ist hochgradig unterentwickelt. Griechenland wurde von Transparency International 2007 an Platz 56 des Corruption Perceptions Index gerankt (Score 4.6/10, 10 = keine Korruption) und es befindet sich damit in der netten Nachbarschaft von Staaten wie Jordanien, Kuwait, Bahrain, Oman, Namibia und den Seychellen aber auch nicht weit von Tschechien, der Slowakei, Lithauen und Lettland, das sei fairerweise angemerkt und ist damit das korrupteste EWU-Land, das drittkorrupteste EU-Land (Bulgarien und Rumänien sind noch knapp korrupter).  Der Anteil der Militärausgaben im Staatshaushalt ist sehr hoch, höher als der von der NATO angestrebte Satz von 2% des BIP. Das Bildungssystem ist reformbedürftig und das Gemeinwesen insgesamt auf eine merkwürdige Art schief. Das Rentensystem ist, das hat ja in der Presse viel Erwähnung gefunden, recht großzügig ausgelegt mit hohen Renten und einem niedrigen Renteneintrittsalter, dafür sind ca. 25% der Griechen nicht krankenversichert, die Arbeitslosenversicherung ist nur sehr rudimentär. Das Land hat einen großen Agrarsektor (3,5% des BIP) im Verhältnis zur EWU aber nicht im Verhältnis zu den osteuropäischen Ländern von einem Agrarland zu sprechen ist also falsch. Über 80% des griechischen BIP werden im Dienstleistungssektor generiert, hier natürlich zu großen Teilen im Tourismus. Ein sehr hoher Anteil der Griechen ist selbstständig und dies impliziert erhebliche soziale Probleme, da hier die soziale Absicherung geringer und die Neigung zur Steuerhinterziehung höher ist. Trotz des geringen Anteils des Agrarsektors zum BIP gibt es in Griechenland relativ viele Bauern, diese betreiben aber Subsistenzlandwirtschaft oder maximal einen Nebenerwerb auf geerbtem Land. Aus wirtschaftlicher Sicht bedenklich ist vor allem der recht kleine Industriesektor. Durch ein schlechtes Bildungssystem und z.T. veraltetes Kapital und ineffiziente Produktionsabläufe ist zudem die Arbeitsproduktivität niedrig.

BIP pro Arbeitsstunde in Europa. Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Economy_of_Europe

Die Einführung des EURO hat – wie explizit als Hauptgrund gewünscht – zu einer Intensivierung des innereuropäischen Handels geführt. Für Griechenland bedeutete dies jedoch vor allem eine stetige und erhebliche Ausweitung der Importe. Der Nettoexport (Exporte-Importe) war über die gesamte Zeit seit Beitritt zur EG negativ und dieser negative Handelsbilanzsaldo weitete sich stetig aus. Der “Normalzustand” wäre ein Wechsel von Handelsüberschüssen und Handelsdefiziten, denn aus Handelsdefiziten ergeben sich Forderungen des  Auslands gegenüber dem Inland, die ja irgendwann wieder beglichen werden müssen. Allerdings haben die USA bspw. bis auf einige Jahre in der Ära Clinton ein deutlich höheres Handelsbilanzdefizit und dies auch konstant seit vielen Jahrzehnten und die BRD hat bis auf kurze Episoden immer einen Handelsbilanzüberschuss erwirtschaftet. Hier zeigt sich, dass in der internationalen Handelsverflechtung Ungleichgewichte entstehen, die in beide Richtungen bedenklich sind.

Nettoexporte in Milliarden US-$

Nettoexporte in Milliarden US-$*

Die Einführung des EURO bedeutete für die beteiligten Länder neben den Vorteilen aus Handelserleichterung und einfacherem Kapitaltransfer auch negative Seiten, insbesondere durch die Aufgabe der autonomen Geldpolitik. Ein Staat hat mit Geld-, Fiskal- und Wechselkurspolitik im Prinzip drei Möglichkeiten, konjunkturelle Schwankungen abzufangen. Dabei gilt aus volkswirtschaftlicher Sicht die Geldpolitik als nachhaltigeres Instrument. In der Theorie und bestätigt durch empirische Studien zeigt sich, dass antizyklische Fiskalpolitik, also die Ausweitung der Staatsausgaben oder Senkung der Steuern in Rezessionszeiten, 1. nur kurzfristige Effekte hat und 2. gleichzeitig privaten Konsum und privaten Investitionen verdrängen kann. Expansive Geldpolitik (also die Senkung von Zinsen oder die Erhöhung der Geldmenge) ist zwar auch nur kurzfristig wirksam, hat aber keinen Verdrängungseffekt. Zudem kostet sie, zunächst, nichts – führt allerdings in der mittleren Frist zu Inflation. Ein niedriger Wechselkurs könnte zwar ebenfalls die Wirtschaft ankurbeln, indem er die Exporte stimuliert, die Bewegung nicht fixierter Wechselkurse ist allerdings hoch komplex und nur schwer politisch zu beeinflussen. Ein fester Wechselkurs wiederum ist gut politisch zu beeinflussen, gerät er unter Druck (egal ob Aufwertungs- oder Abwertungsdruck) ist es aber wiederum sehr kostspielig für die Zentralbank, ihn zu verteidigen. Eine mittel- bis langfristige staatliche Beeinflussung des Wachstums durch die Instrumente der Geld- oder Fiskalpolitik ist ohnehin kaum möglich. In der langen Frist vermag vor allem ein gutes Bildungs- und Gesundheitssystem, Frieden, ein gutes Innovationsklima, Rechtssicherheit für forschende Unternehmen und ein nicht zu hohes Bevölkerungswachstum das Wirtschaftswachstum positiv zu beeinflussen. Die meisten Regierungen versuchen dennoch kurzfristig die konjunkturellen Schwankungen abzumildern, dies unter anderem auch aus Verteilungsgründen: Haushalte, die gerade genug Geld zur Deckung ihres Grundbedarfs haben, die also Einkommenseinbußen nicht über entsparen abfedern können, werden in Rezessionen besonders empfindlich getroffen. Es ist durchaus umstritten, ob die Geldpolitik überhaupt zur Konjunkturbeeinflussung genutzt werden sollte, die Bundesbank z.B. war traditionell vor allem der Inflationskontrolle verpflichtet während die amerikanisch Fed von jeher deutlich Konjunkturpolitik macht. In tiefen Rezessionen ist allerdings eine kombinierte konjukturstimulierende Geld- und Fiskalpolitik nahezu unverzichtbar. Der Wechselkurs wirkt ein stückweit als automatischer Stabilisator. Bei einer nationalen Rezession wertet die Währung in der Regel ab, was stimulierend auf die Exporte wirkt. So weit so schön – was passiert nun in einer Währungsunion? Eine Währungsunion ist de facto eine Extremform eines festen Wechselkurses zwischen den beteiligten Ländern. Die Regierung kann die Geldpolitik nicht mehr national bestimmen sondern die Geldpolitik wird von einer gemeinsamen Zentralbank für alle Länder der Währungsunion gemacht. Warum? Dies hat im Wesentlichen drei Gründe. 1. Könnten Zentralbanken der Nationalstaaten nach wie vor ohen Koordination Geld schöpfen, könnte ein Land durch extreme Geldschöpfung die anderen Länder in eine Schieflage bringen, da das geschöpfte Geld ja nicht im einzelnen Land festgenagelt werden kann, sondern ohne Umtausch in anderen Ländern zur Zahlung genutzt. Ohne festen Wechselkurs würde eine Geldmengenerhöhung von einer Abwertung begleitet, so dass das zusätzlich verfügbare Geld mit weniger Kaufkraft ausgestattet ist. Dieser Mechanismus entfällt, so dass die Inflation, die durch eine Ausweitung der Geldmenge entsteht auf alle anderen EURO-Länder übergreifen würde. 2. Besteht eine übermäßige Nachfrage nach Anlagen in einem Land, z.B. nach festverzinslichen Wertpapieren deutscher Emittenten bspw. Bundesschatzbriefe, so würde in der Welt vor dem EURO einfach die jeweilige Währung aufwerten und dadurch würde der Kauf der Anlagen weniger attraktiv und die Nachfrage entspräche wieder dem Angebot. Mit dem EURO ist dieser Weg zumindest für inner-europäische Kapitalbewegungen verstellt. Demnach muss in diesem Fall der Zins Nachfrage und Angebot in Einklang bringen. Wenn alle gern Bundesschatzbriefe kaufen wollen, werden diese gering verzinst. Der Zins kann also nicht zusätzlich fixiert werden, denn dann würde sich kein Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot nach Anlagen in dem jeweiligen Land einstellen. Umgekehrt agiert der Zins auch als korrektiv wenn Anlagen eines Landes als risikoreicher wahrgenommen werden. Es würde also von Anlegern ein Risikoaufschlag auf den Durchschnittszins der EURO-Zone erhoben, wenn sie Anlagen in z.B. Griechenland kaufen, anstatt in Deutschland. Auch dies, da dieser Risiko-Ausgleich nicht durch einen günstigeren Kurs erfolgen kann.  3. Mit der Vereinheitlichung der Währung wurde auch ein gemeinschaftliches Bankensystem geschaffen, die EZB ist für die Sicherung des Geldumlaufs aller Geschäftsbanken der Eurozone durch entsprechende Einlagen und Kreditvergabe zuständig. Die Banken des gesamten Euroraums können sich daher zum gleichen Zinssatz mit Liquidität versorgen, eine Steuerung der Liquiditätsbereitstellung nur der Geschäftsbanken EINES Mitgliedslandes durch günstige Zinsen der Zentralbank ist damit schon rein technisch nicht möglich. Es würde auch wenig Sinn machen, da ohne Kapitalverkehrskontrollen und mit vollständiger Niederlassungsfreiheit Banken nicht allein auf nationaler Ebene agieren. Die isolierte Stimulierung eines einzelnen Landes über Geldmengenerhöhung oder Zinssenkung ist also nicht möglich.

Die ehemaligen EWS-Mitglieder haben diese Konstellation schon seit 1979 bzw. 1990 “geübt”, für die griechische Wirtschaft hingegen war der Kurs der Drachme lang ein zusätzliches Korrektiv, das nun mit dem Euro-Beitritt wegfiel.

Nun macht die EZB natürlich auch Konjunkturpolitik. Aber eben zum besten aller Mitgliedsländer. Das heißt, wenn alle Staaten von einer Rezession betroffen sind, dann wird die EZB sich schon bemühen, dies zu moderieren und hat dies im Rahmen der Finanzkrise ja auch getan. Wenn jedoch einzelne Länder von nationalen Rezessionen betroffen sind, so wird die Geldpolitik der EZB für diese Länder nicht hilfreich, unter Umständen sogar schädlich sein. Zudem wird, wenn das betroffene Land relativ klein ist, auch der Wechselkurs des EURO kaum auf eine Rezession in nur diesem einen Land reagieren. Hier kommen die Konvergenzkriterien ins Spiel. Diese enthalten nämlich ein gewisses Ausmaß an konjunkturellem Gleichlauf. Dies soll sicherstellen, dass die EZB-Politik relativ passgenau für alle Länder ist, da diese einander recht ähnlich sind. Nun – die Griechenlandkrise zeigt deutlich, dass dies wohl nicht geklappt hat. Eine ähnliche Erfahrung hat das EWS bereits 1992/1993 durchlaufen, als die Bundesbank aufgrund des Wiedervereinigungsbooms eine Reihe von Zinserhöhungen durchführte, während große Teile von Europa in einer Rezession waren und eher Zinssenkungen gebraucht hätten.

And here we are. Das Zusammentreffen von starker Verschuldung schon vor der Finanzkrise in den USA, einem schlecht finanzierten Staat, einer über den Tourismus stark Konjunktur-anfälligen Wirtschaft, schlecht erhobenen und teilweise bewusst gefälschten Statistiken, die 2004 korrigiert werden mussten und einer Randposition im Verbund der europäischen Staaten führe gemeinsam dazu, dass Griechenland von der Wirtschaftskrise sehr stark getroffen wurde. Die internationalen Investoren, die in der Immobilienpreisblase viel Geld verloren hatten, wurden nervös und kappten den Kapitalfluss in – vermeintlich und tatsächlich – risikoreiche Regionen, die Zinsaufschläge vervielfachten sich, die Nachfrage im Tourismus brach ein, die griechischen Banken gerieten, so wie Banken in ganz Europa, in erhebliche Probleme, die griechische Regierung bemühte sich, wie die Regierungen der anderen Staaten, dem mit Ausgabenprogrammen, Bankensanierung etc. zu begegnen, konnte dies mangels Rücklagen und angesichts steigender Zinsbelastung aber nur aus Neuverschuldung tun und geriet damit selbst in Zahlungsschwierigkeiten. Da Griechenland ohnehin exportschwach ist und eine Abwertung als Korrektiv ausblieb, der inländische Konsum aber schwach blieb, konnte die Wirtschaft sich nicht von der Krise erholen, wie dies in anderen Staaten gelang.

Ich belasse es für heute dabei und werde dann zu den bisher umgesetzten und noch geplanten Maßnahmen versuchen in den folgenden Tagen einen weiteren Post zu schreiben. Zur weiteren Information aber noch ein paar Links:

Eine Übersicht zur Entstehung der Krise bei der Landeszentrale für Politische Bildung BW, die ich ein klein wenig gefärbt aber noch gerade ok finde.

Zahlen zum öffentlichen Schuldenstand im internationalen Vergleich bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Ein lesenswertes Feature zur Krise bei brand eins.

Der Korruptionsindex von Transparency International.

Überblicksdaten zu Griechenland: hier, hier und hier.

Hintergründe zum Zusammenspiel von Geld- und Fiskalpolitik in einer Währungsunion (Fachliteratur).

Ein (methodisch eher halb guter) Artikel zur Effektivität von expansiver Fiskalpolitik in der Eurozone (englisch, Fachliteratur)

Ein sehr breit angelegter Überblicksartikel zur Effektivität von expansiver Fiskalpolitik (englisch, Fachliteratur, Registrierung notwendig)

* Quelle:  OECD, data.oecd.org/greece.htm.

Hinweis zu den Grafiken in diesem Artikel: Die Qualität der Daten ist mutmaßlich schlecht und man kann sie wahrscheinlich nicht als zuverlässig betrachten, sie geben aber zumindest einen groben Eindruck.

Me made Mittwoch: Fähnchen mit Hibiskus

Nein, ich habe die Fotos nicht – wie sonst – heute gemacht. Heute ist es auch im Ruhrgebiet recht windig und regnerisch und frisch und ich trage 3 Lagen Petticoat, 2 Lagen Rock und eine Leggins. Aber gestern noch war ich so gewandet:

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Mein neustes Sommerkleid, das ich hoffentlich im baldigen Urlaub viel werde tragen können (hey, Holland, haste gehört, ne?) und das ich, trotz multiplen Nähversagens meinerseits sehr mag. Vor allem wegen des wundervoll fluffig-leichten hawaianisch anmutenden Viscose-Hauch von nichts. Der Stoff ist von fashion for designers und ich kaufte ihn, obwohl mintgrün nicht ganz meiner Türkis-Präferenz entspricht, einfach weil er so schön sommerlich aussieht, bei meinem Trip dorthin in den Showroom mit Lotti im Mai.

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Der Schnitt ist aus der Knipmode Juni 2013 und ich nähte ihn direkt 2013 2 mal als Maxiversion mit Stillanpassung. Beide Kleider habe ich 2013 viel getragen aber leider gerade an eine Freundin mit Stillkind verliehen. Deshalb konnte ich mir die damals gemachten Änderungen nicht nochmal anschauen (und ich habe sie natürlich nicht aufgeschrieben) und musste sehr viel anpassen.

 

Da der Stoff eher durchscheinend ist, habe ich das Kleid komplett mit einer merkwürdigen Viskosemischung in rosa gedoppelt, die ich mal sehr günstig irgendwo im Sale für genau diesen Zweck in größerer Menge gekauft hatte, die aber leider – ganz im Gegensatz zum tollen Oberstoff – ein Verarbeitungsbiest war. Ständig wechselte sie Form, Breite und Länge, verschlung sich und verschob sich, so dass das Kleid, gerade von innen eher wenig betrachtet werden sollte und auch sonst besser nicht aus der Nähe. Ich war dann zum Ende so genervt und außerdem permanent erst so spät abends an der Nähmaschine, dass ich ziemlich viele “das bleibt jetzt so”- Momente hatte. Aber es ist schön, trägt sich gut und vor allem ist es luftig. Riesenpluspunkt in der Dachgeschosswohnung bei mehr als 38 Grad Außentemperatur!

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Folgende Änderungen habe ich gegenüber dem Schnitt in der Zeitschrift vorgenommen:

– Ausschnittkante mit Wäschegummi versehen

– vordere Mitte des Oberteil mit Framilonband gerafft

– Kräuselung der Cups verschoben (gen innen) und Cup-Form abgeändert

– Rücken gesmokt statt mit Tunnel-Gummi-Raffung (das verbessert den Sitz sehr, vorher war es eher sackig)

– Rock um 2 cm im Bruch verschmälert (aus Stoffmangel)

-Taillenband 1cm verbreitert

– Träger breiter als vorgesehen

– komplett gedoppelt

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Beim MMM kann man heute noch einmal Sommerlaune tanken und Nina führt den Reigen in einem Vintage Shirt Dress an. Ein Schnitt der auf meiner Wunschliste auch gaaaaanz weit oben steht.

 

Rezept: Superleckere Sommerquiche

Es gab lang kein Rezept mehr hier, was? Gestern hab ich was neues ausprobiert und muss es sofort verbloggen. Eine grandios leckere Gemüsequiche. Sogar der Quiche-verächtende Mann fand sie ‘ok’.
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Zutaten:

Teig:
250g Mehl (hier halb Vollkorn halb weiß)
100g Butter
1/2 TL Salz
0,1l Milch (hier: Wasser)
1/2 Würfel Hefe

Belag:
1/2 Zucchini
1 Möhre
1/2 Paprika
1 Zwiebel
2 Zehen Knoblauch
2 Zweige Rosmarin
3 Zweige Thymian
1 Handvoll Cocktailtomaten
8 getrocknete Tomaten, mariniert oder vorher eingeweicht
2 EL Balsamico
1 TL Zucker
Salz
Pfeffer
Peperoncino

Guss:
4 Eier
100g geriebener Käse (hier Ziegengouda)
1Becher Schmand (hier griechischer Schafjoghurt)
Salz
Pfeffer
1 EL Pinienkerne

Für den Teig das Mehl in eine Schüssel geben, die kalteButter in Stücke schneiden und mit den Händen mit dem Mehl verreiben (wie Streusel) dann die Milch mit der Hefe und dem Salz verrühren, unter das Mehl kneten, beiseite stellen.

Das Gemüse gleichmäßig in Kleine Würfel schneiden. In einer Pfanne Olivenöl erhitzen und das Gemüse bis auf die frischen Tomaten darin mit wenig Farbe andünsten, die Kräuter zupfen und mit in die Pfanne geben, etwas Wasser zugeben und bissfest garen. Am Schluss die Tomaten, den Zucker und den Balsamico zugeben. Nach Geschmack mit Salz, Pfeffer und Peperoncino abschmecken.

Die Eier mit dem Schmand verrühren, mit Salz und Pfeffer kräftig würzen.

Eine Quicheform (28cm) mit Backpapier auslegen. Den Teig darin ausbreiten und auch den Rand hochziehen. Das Gemüse hinein geben, mit dem Käse bestreuen. Dann die Eiermischung darüber gießen. Mit den Pinienkernen bestreuen.

Bei 200 Grad Heißluft oder 220 Grad Ober-Unterhitze ( vorgeheizt ) 30 Minuten backen.

Optional können noch Oliven hinzugegeben werden. Statt geriebenem Käse kann auch gebröselter Camembert oder Feta verwendet werden.

Statt des schnellen Hefeteigs kann auch ein Mürbeteig verwendet werden. Da muss man halt noch die Ruhezeit beachten (und ein weiteres Ei im Haus haben).

Sonntagssachen #5/2015

Ein Tag voll dickem Regen und Schwüle. Mit viel drinnen Aktivität.

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Wir beginnen beschaulich, der Minimensch bügelt mit seinem Samstag neu gebauten Holzbügeleisen, ich stricke die Ärmelabschlüsse meines soeben fertig gestellten Pullunders. Ich strickte ihn seit Januar 2013. Was lange währt… Dann müssen wir sehr lang den beeindruckenden großen Platzregen bestaunen, der wahre Flüsse von den Dachfenstern herabsausen lässt. Irgendwann raffen wir uns zu Frühstück auf und ich erledige den *ähem* kleinen Berg Bügelwäsche. Ich nähe mein neuestes Sommerkleid fertig und ziehe es auch gleich an.  Außerdem arbeitete ich. Bäh. Und wische. Die letzten Tage war es ja zu heiß für Hausarbeit. Das fand unsere Waschmaschine auch und hat vorübergehend den Dienst eingestellt. Zum Glück können wir sie -mal wieder- per Hand auflegen und Internet zur Wiederaufnahme animieren. Die Einschläge kommen näher. Am Nachmittag ist es schön und warm und wir fabrizieren Erdbeereis, oder zumindest das, was unsere passiv gekühlte Murks-Eismaschine daf7r hält. Gen abend schließlich lasse ich Mann und Kind allein essen und gehe selbst aus. Zum gemütlichen Abendessen mit Krabbelgruppenmüttern. Es war sogar nett.

Das waren Mai und Juni 2015

Zwei durch und durch gefüllte und erfüllte Monate.
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Im Mai hatten wir zwar an allen langen Wochenenden zu arbeiten und der Mann auch sonst viel zu tun, aber auch ganz ganz viel Spaß mit tollen Menschen.  Einen schönen Kurzbesuch auf unserer Streuobstwiese, die zwar mehr Pflege bräuchte aber eben doch unser Stück Natur ist. Wir hatten auch einen tollen 2. Minimenschtag (achherrjeesogroßschon). Der Geburtstag bedeutet dieses Jahr schon ein bisschen was und dass alle zu Besuch kommen ist ohnehin toll. Apropos. Besuch von der allertollsten Lotti hatten wir auch. Das war super. Der ganze Haushalt ist jetzt Lotti-Fan. Und neben Stoffwechsel-Fiebern und quatschen hatten wir auch noch ein tolles Nähkränzchen mit Frau Pepita. Und sie hat mich auf die Idee gebracht, dass man auch stehend in Bus und Bahn stricken kann. Revolutionäre Erkenntnis. Seitdem wächst mein Pullunder deutlich schneller. Viel Salat vom Balkon gab es auch. Und Fahrradausflüge.
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Im Juni endlich mal wieder ein Nähkränzchen mit Freundin L. Und gutes Wetter. Und die große Konferenzreise nach Melbourne. Das war für alle recht aufregend. Mann und Kind allein eine ganze Woche (mit Unterstützung der Schwiegermutter) war für alle neu und hat doch gut geklappt. Ich hatte eine wirklich erfolgreiche und auch interessante Konferenz und obwohl es sehr kalt war (Winter und so) hat mir Melbourne gut gefallen. Wieder zurück verging die Zeit irgendwie schnell. Ich nähte ein bisschen Mist und nix vernünftiges. Der Minimensch schläft derzeit erst spät und klammert recht viel, und wenn ich dann aus dem Kinderzimmer komme, ist auch ein Glas Wein auf dem Balkon eine sehr verlockende Aussicht. Manchmal setze ich mich dann viel viel zu spät doch noch an die Nähmaschine. Und mache Dummsinn. Das muss sich ändern, zumal ich mir einbilde für den Urlaub noch haufenweise neue Kleidung zu brauchen. Was natürlich Unsinn ist, ich bräuchte kombinations- und Schichten-freundliche Übergangskleidung und nicht mehr Sommerkleidung. Aber das macht ja keinen Spaß…

Im Juli haben wir ein großes Familienfest und Urlaub vor.

Me made Mittwoch: Das Murkskleid Nr. 2

Es ist passend zum erheblich sommerlichen Wetter fertig zusammengepfuscht: Das Murkskleid. Als gestern abend Kollege J.(!) zum Nähen(!) bei mir war, nähte ich die letzten fixierenden Hand-Pfusch-Stiche an diesem durch und durch gepfuschten Kleid.
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Den Schnitt McCalls6503 habe ich insbesondere bei Frau Rothedinges Weihnachtskleid bewundert und auch andere gelungene Modelle fanden sich im Netz, weswegen ich ihn mir von Lotti auslieh, dann erstmal ein halbes Jahr verklüngelte und nach dem Umzug wieder ausgrub und dann endlich zum erwarteten Sommer anging. Glücklicherweise wählte ich einen Stoff, den ich zwar schön finde, der aber mal Beifang bei einer stoffkontor.eu-Bestellung war und von dem ich daher a) über 2m hatte und b) keine besondere emotionale Bindung. Denn nunja – perfekt ist anders, sag ich mal.
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Ich maß die Vorderteile in Gr.10 (entsprechend der Maßtabelle meine Größe) aus, verglich sie mit meinem Grundschnitt und machte Bedarf für ein FBA aus. Dieses machte ich dann gemäß der Burda-Anleitung. Aus purer Faulheit, weil ich nach der von mir sonst präferierten Methode nach Fit for real people erst meine Pinterest-Boards hätte durchsuchen müssen, das Burda-Buch hingegen in meinem Regal steht. Dies war der erste Fehler. Ich gab außerdem zuviel zu, da ich vergaß, die angesetzte Knopfleiste mitzuberechnen. Zweiter Fehler. Vollkommen Schnitt-Anpassungs-Theorie-konform änderte ich nicht nur die Weite sondern auch die Länge. Dritter Fehler. Das Rückteil maß ich nicht. Vierter Fehler. Dafür gab ich auch am Taillenband Weite zu. Fünfter Fehler. I had it coming, right?

Dann nähte ich fröhlich bei einem Nähkränzchen mit Freundin L. das Oberteil zusammen und … war entsetzt. Ich steckte in einem Sack und der Kragen passte außerdem überhaupt nicht an den Halsausschnitt, das ist – glaube ich – auf die Burda-Methode zurückzuführen, die auch über der Brust Weite zugibt. Ich nahm dann erstmal pauschal Weite raus indem ich an der Knopfleiste was wegnahm. Sechster Fehler. Danach war es um die Brust knapp und sonst immernoch überall zu weit. Oder wie Frifris sagte: “unter meiner Brust hätte eine kleine Mäusefamilie einziehen können.”

Da mir die Rockform mit den kleinen Falten recht gut gefiel und ich einfach UNBEDINGT ein Kleid mit Stehkragen haben wollte, beschloss ich, es noch einmal zu ändern. Erst erwog ich einfach die Kräusel in zugesteppte Falten a la Anna-Dress umzuwandeln. Aber ich will ja auch nicht nur noch Anna Dresses haben (obwohl ? Vielleicht doch…) es wäre dann ja immernoch um die Brust zu eng gewesen. Eine Bildsuche brachte mich zur Variante von Anja Rieger (toll!), die mich vermuten ließ, ich müsse das Oberteil kürzen, was Cat mir via twitter bestätigte. So schnitt ich aus dem großen Rest des Stoffes dann zwei neue Oberteile zu, denen ich nur minimal mehr Weite um die Brust, keine Mehrweite über der Brust und keine Mehrlänge verpasste und nähte diese in das halb sezierte Kleid ein, den Kragen, das vordere Taillenband und die Knopfleisten schnitt ich ebenfalls neu zu, unter der Brust legte ich Falten statt Kräusel. Nun ist das Kleid tragbar, wenn es auch sicher nicht perfekt ist.
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Die Balance stimmt nicht, das hintere Oberteil ist nun optisch zu lang im Verhältnis zum vorderen, weil die Brust vorn nach oben zieht. Außerdem ist das Rückteil auch zu weit. Es gibt aufgrund des Teil-Austauschs beim Oberteil außerdem einen Versatz an den Nähten. Der Stehkragen springt, ich denke weil die Brust daran zieht, zu weit auf, ich hatte ihn mir anliegender gewünscht. Auch sitzt es nun um die Brust und darunter ok, ich finde es aber dennoch nicht vorteilhaft, ich glaube blusige Oberteile sind einfach nix für mich.
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Mein Fazit: Ich finde den Schnitt für mich schwierig, ohnehin bin ich insgesamt selten zufrieden mit Hemdblusenkleidern. Ich würde beim nächsten Mal das Taillenband vorn verbreitern oder das Rückteil kürzen, aber ich bin nicht sicher, ob ich das Kleid nochmal nähe. Vielleicht bastel ich mir einfach einen Stehkragen an einen anderen Schnitt. Und jetzt näh ich erstmal ein paar Kleider aus der Knip oder von Indie-Herstellern. Zur Erholung.
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Dazu trage ich, mangels akzeptabler Sandalen, meine Erdbeerschuhe. Sind sie nicht absolut großartig? Von innen haben sie Kirschen. Kann man diese Schuhe nicht mögen? Also ich liebe sie. image

Monika zeigt heute beim MMM das von mir sehr geliebte Anna-Dress. In der V-Kragenvariante. Ich will sofort auch eine.

Sonntagssachen #4/2015

Hups. Sonntagsbilder fast vergessen.

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Relativ früh aufgeweckt worden, erstmal noch ein bisschen im Kinderbett chillen. Dann aber aufgerappelt und eine halbe Trilliarde Profiteroles mit zweierlei Creme gefüllt und in alle verfügbaren Transportboxen verpackt. Leider bringt Küchenaktivität ja leider immer Spülen mit sich. Heute getauschte Frühstückstasks: der Mann holte Brötchen, ich kochte Kaffee. Der Mininensch hat derzeit eine Klammerphase, viel Kuschelzeit also. Die Ernte vom Samstag auf dem Balkon sitzend verlesen und zu Marmelade verarbeitet. Dann einen Berg Spielzeug und die Profiteroles eingepackt und zu einen Geburtstag gefahren. Mit netten Menschen unterhalten. Zur Schlafenszeit zurück. Für die Eltern nur ein noch spätes schnelles Abendessen mit Guacamole, Käse und Brot auf dem Balkon. Zwischendurch kontinuierlich den Stand beim Stoffwechsel gecheckt und Stoffvorstellungen gestöbert.

Stoffwechsel III : Mein Stoff

Ich habe meinen Stoff schon seit einigen Wochen. Er kam per Einschreiben und ich witterte sofort, dass es sich um das Stoffwechselpaket handeln müsse, denn ich war gleichzeitig Absender und Empfänger der Sendung… drin im unscheinbaren braunen Umschlag war ein wirklich sehr sehr hübsch anzusehender, sehr lieber und ausführlicher Brief und ein sehr sehr schöner Baumwollstoff:P1060439

Ist er nicht traumhaft? Und sowas von zu mir passend. Da besteht gar kein Zweifel. Nix mit Herausforderung, Abenteuer oder Fremdeln. Mehr so mitten 100% drin in der Comfortzone. Das kann mir nur recht sein. Es ist ja nun nicht so, dass türkis-rot-kleingemusterte Stoffe von bestechender Qualität auf Bäumen wachsen, nicht wahr?

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Hier nochmal eine Nahaufnahme des Musters. Der Türkiston ist ein sehr satt-hellblau-türkis, die Farbe rangiert wohl auch manchmal unter “Aqua”, sehr sommerlich, finde ich. die Ornamente sind rot und lachsfarben. Während lachsfarben nun nicht meine Farbe ist, finde ich die Kombi sehr sehr hübsch. Da passen ganz viele meiner Sachen dazu, ich besitze mehrere Paare Ohrringe, Schuhe und Leggins, die ich sofort mit dem Stoff kombinieren könnte.

Meine Stoffpatin wünscht sich ein Kleid. Und das werde ich ganz sicher machen. Allerdings wahrscheinlich nicht, den von ihr präferierten Butterick 6018. Zwar sehe ich den sofort aus dem Stoff, aber meine jüngste Misserfolgsserie mit Schnitten der amerikanischen Big4 lässt mich zögerlich sein, den schönen Stoff dafür zu nehmen. Ich möchte den Stoff auf jeden Fall mit roter Paspel kombinieren und habe deshalb überlegt, dass ich eine weitere Variante des Frau-Kirsche-Kleid nähen werde. Einerseits bietet sich der Schnitt an für ein Paspelkleid und andererseits mag ich ihn einfach auch wahnsinnig gern. Mein erstes grau-pinkes Kirschenkleid hat schon vor längerem das Zeitliche gesegnet und auch das afrikanisch-rote wird derart in heavy rotation getragen, dass es schon ein wenig gelitten hat. Das zeigt deutlich, dass ich ein weiteres brauche, oder nicht?

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Ganz evtl. nähe ich aber auch ein Cambie-Dress. Das ist auch super für Paspeln geeignet und ich will schon ewig eines haben. Außerdem habe ich mit sewaholic-Schnitten bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Ich habe gerade schon einen anderen Stoff für Cambie rausgelegt, und falls das gut wird, könnte ich mir auch ein zweites davon aus dem Stoff vorstellen. Allerdings muss ich auch mal auf den Stoffverbrauch schauen, ich will ja auch möglichst den ganzen Stoff verwenden und ich glaub es ist genug für lange Ärmeln und halben Teller.

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Und von wem kommt nun der Stoff? Die anonyme Stoffpatin sagt, sie sei eine langjährige Leserin meines Blogs. Ich habe da so 1-2 Vermutungen, aber bin nicht ganz sicher. Frau Schildkröte vielleicht?